Älterer Mann nimmt Diuretika ein
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Nicht ohne Nebenwirkungen

Diuretika: Wirkung und Nebenwirkungen der Blutdruck- Medikamente

Diuretika sind harntreibende Medikamente, die das Ausscheiden von Wasser und Salzen über die Nieren fördern. Diuretische Wirkstoffe werden bei Bluthochdruck und verschiedenen Herzproblemen eingesetzt. Doch der Einsatz von Diuretika ist umstritten, da auch schwere Nebenwirkungen möglich sind.

Was sind Diuretika und wie wirken sie?

Diuretika werden im Volksmund auch als “Wassertabletten” bezeichnet, da sie harntreibend wirken. Durch den Entzug von Wasser verringert sich das Blutvolumen, was wiederum zu einem Abfall des Blutdrucks (antihypertensive Wirkung) führt. Diuretika entlasten so das Herz. Bei Dauergabe sinkt auch der Gefäßwiderstand.

Diuretika sind am Nephron der Niere wirksam. Ein Nephron ist die kleinste funktionelle Einheit der Niere und besteht aus dem Nierenkörperchen, an welches das Tubulussystem angeschlossen ist. Eine Niere setzt sich aus bis zu einer Million Nephronen zusammen. 

In den Nierenkörperchen wird der Primärharn aus dem Blutsystem gefiltert. Das Nierenkörperchen funktioniert wie ein Sieb. Wasser und kleine Teilchen, etwa Zucker und Mineralsalze, können durch die feinen Poren fließen, während große Stoffe, etwa rote Blutkörperchen oder Eiweiße, nicht hindurchkommen. Pro Tag werden auf diese Weise über hundert Liter Primärharn gebildet.

Der Primärharn wird anschließend im nachfolgenden Tubulussystem stark konzentriert, indem Wasser sowie dringend benötigte Salz wieder dem Körperkreislauf zugeführt werden (Rückresorption). Auch Abfallprodukte, die zu groß sind, um im Nierenkörperchen herausgefiltert zu werden, können im Tubulussystem ausgeschieden werden (Sekretion). Durch diesen Stoffwechselprozess entsteht schließlich der Endharn, auch Sekundärharn genannt. Bei einem gesunden Menschen werden pro Tag etwa ein bis zwei Liter Sekundärharn gebildet.

Kommen Diuretika in diesen Stoffwechsel-Kreislauf der Niere, bewirken sie im Nephron eine verstärkte Ausscheidung von Wasser sowie Elektrolyten wie Kalium und Natriumchlorid.

Welche Arten von Diuretika gibt es?

Je nach Wirkstoffklasse beeinflussen diuretische Medikamente den Nierenstoffwechsel unterschiedlich: 

  • Schleifendiuretika: Diese Diuretika verhindern im renalen Tubulussystem, genauer gesagt in dessen schleifenförmigem Abschnitt (“Henle-Schleife”), die Rückresorption von Natrium und Kalium. In der Folge werden die Salze und mit ihnen das Wasser, das an sie gebunden ist, ausgeschieden.
  • Kaliumsparende Diuretika: Kaliumsparende Diuretika wie Amilorid, Triamteren oder Kaliumcanrenoat fördern die renale Ausscheidung von Natrium und das daran gebundene Wasser. Sie hemmen hingegen die Kaliumausscheidung, wodurch es auch zu einem Kaliumüberschuss kommen kann. Da die Wirkung kaliumsparender Diuretika begrenzt ist, werden sie häufig mit anderen diuretischen Wirkstoffklassen kombiniert.
  • Thiaziddiuretika: Thiazide und thiazidartige Wirkstoffe, etwa Xipamid oder Hydrochlorothiazid (HCT), fördern die Ausscheidung von Natrium und erhöhen die Menge an Primärharn, die im Nierenstoffwechsel filtriert wird.

Weitere Wirkstoffklassen von Diuretika sind:

  • Osmodiuretika
  • Carboanhydrasehemmer
  • Aldosteronantagonisten
  • Vasopressinantagonisten

Bei welchen Erkrankungen kommen welche Diuretika zum Einsatz?

In erster Linie werden Diuretika bei folgenden gesundheitlichen Problemen beziehungsweise Erkrankungen eingesetzt:

  • Hypertonie (Bluthochdruck): Thiazide, oft kombiniert mit ACE-Hemmern
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Schleifendiuretika, kaliumsparende Diuretika
  • Erkrankungen mit Ödembildung (Wassereinlagerungen): Schleifendiuretika, Osmodiuretika, Thiazide, Aldosteronantagonisten
  • Aszites bei Leberzirrhose: Schleifendiuretika bei akuter, Aldosteronantagonisten bei chronischer Form
  • akute und chronische Niereninsuffizienz: Schleifendiuretika

Da das Risiko für diese Erkrankungen mit zunehmendem Alter steigt, werden Diuretika vor allem älteren Menschen verabreicht. 

Zudem ist eine Behandlung mit Diuretika möglich bei:

  • Intoxikationen (Vergiftungen): Schleifendiuretika
  • Diabetes insipidus (Hormonmangelerkrankung mit Polyurie, also sehr hoher Harnausscheidung: Thiazide)
  • Höhenkrankheit: Carboanhydrasehemmer
  • Glaukom (Grüner Star): Osmodiuretika, Carboanhydrasehemmer
  • Hyperkalzämische Krise (lebensbedrohlicher Zustand durch zu viel Kalzium im Blut): Schleifendiuretika
  • Hirnödem: Osmodiuretika

Therapie mit Diuretika: Was ist bei der Einnahme zu beachten?

  • Diuretika werden normalerweise morgens eingenommen, damit der Schlaf des*der Patienten*Patientin nicht durch den gesteigerten Harndrang gestört wird.
  • Üblicherweise werden die Medikamente zu Beginn der Diuretika-Therapie täglich und später wöchentlich eingenommen.
  • Blutdruck und Gewicht sollten täglich kontrolliert werden, bei Diabetikern zusätzlich der Blutzuckerspiegel.
  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.
  • Kommt es bei gleichzeitiger Gabe von Diuretika zu starkem Schwitzen oder Durchfall, sollte noch mehr als sonst auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Insbesondere ältere Menschen sollten im Zweifel lieber einmal mehr als zu wenig zum Arzt gehen.
  • Mögliche Nebenwirkungen sollten bekannt sein, um diese zu erkennen. Besonders Muskelkrämpfe und Herzrhythmusstörungen können Warnsignale sein, die ärztlich abgeklärt werden sollten.
  • Die Einnahme anderer Medikamente sowie von Nahrungsergänzungsmitteln, hier insbesondere von Kalium- und Vitamin-D-Präparaten, sollte immer mit dem*der behandelnden Arzt*Ärztin abgesprochen werden.

Welche Nebenwirkungen sind durch die Gabe von Diuretika möglich?

Durch die Ableitung von Wasser wird das Blut bei Diuretika-Gabe dicker. Dies erhöht das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln. Damit steigt gleichzeitig die Gefahr, eine Thrombose zu erleiden. 

Die Mineralsalze Kalium und Natrium spielen als positiv geladene Teilchen im Körper eine entscheidende Rolle für den Elektrolythaushalt. Sie sorgen für die elektrische Spannung außerhalb der Zellen, genauer an den Zellmembranen. Diese Spannung ist auch wichtig für die Stabilität der Zellen innerhalb des Herzens, die Signalübertragung von Nervenimpulsen und den Herzrhythmus.

Kommt es durch die Gabe von Diuretika zu einem verringerten Kalium- und Natriumspiegel (Hyponatriämie) im Blut, kann dies zu Störungen im Herzrhythmus und anderen gesundheitlichen Problemen führen, darunter zum Beispiel:

  • plötzlich erniedrigter Blutdruck (Hypotonie)
  • Muskelkrämpfe
  • Magen- und Darmprobleme
  • Kreislaufkollaps
  • Nierenschäden: akutes Nierenversagen und chronische Niereninsuffizienz
  • Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge)
  • Kammerflimmern (nur in sehr schlimmen Fällen, selten)
  • plötzlicher Herztod (nur in sehr schlimmen Fällen, selten)
  • Hauttumoren

Um diesen möglichen Nebenwirkungen entgegenzuwirken, werden oft kaliumsparende Diuretika eingesetzt. Zudem sind in diuretischen Medikamenten oft unterschiedliche Wirkstoffklassen so miteinander kombiniert, dass der Kaliumspiegel möglichst konstant gehalten wird. Kaliumsparende Diuretika bergen allerdings auch Risiken, wenn diese zu einem stark erhöhten Kaliumspiegel führen. Möglich sind dann Herzrhythmusstörungen, schlimmstenfalls droht Herzstillstand.

Aufgrund der teilweise schweren möglichen Nebenwirkungen sollte die Sinnhaftigkeit einer Diuretika-Behandlung immer individuell abgewägt werden. Ob der Nutzen gegenüber den Risiken überwiegt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab, vorrangig von der zu behandelnden Krankheit und dem allgemeinen Gesundheitszustand des*der Patienten*Patientin sowie von der Wirkstoffklasse des Diuretikums.

Gegenanzeigen: Wann sollten Diuretika nicht eingesetzt werden?

Je nachdem, welcher Wirkstoff eingesetzt wird, ist eine Diuretika-Therapie in einigen Fällen nicht möglich oder sollte mit dem*der behandelnden Arzt*Ärztin überprüft und gegebenenfalls angepasst werden:

  • bei schweren Leber- und Nierenfunktionsstörungen
  • bei starken Verschiebungen im Elektrolythaushalt
  • bei sehr niedrigem Blutdruck und dafür typischen Symptomen, die den Kreislauf betreffen, etwa Schwindel
  • bei zu wenig zirkulierendem Blut (Hypovolämie)