Frau hat ein gebrochenes Herz (Broken-Heart-Syndrom)
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Form der Kardiomyopathie

Broken-Heart-Syndrom: Kann das Herz brechen?

Ob nach dem Tod eines Angehörigen oder durch Liebeskummer – umgangssprachlich heißt es oft, man habe ein gebrochenes Herz. Doch kann das Herz wirklich in Mitleidenschaft gezogen werden, weil man trauert? Tatsächlich ist in der Medizin das sogenannte Broken-Heart-Syndrom bekannt – dahinter verbirgt sich eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankung.

Was ist das Broken-Heart-Syndrom?

Durch emotionalen oder physischen Stress kann das Herz zwar nicht wortwörtlich brechen, aber seine Funktion kann nach solchen akuten Auslösern in der Tat plötzlich beeinträchtigt sein. In der Medizin spricht man vom Broken-Heart-Syndrom (übersetzt: Gebrochenes-Herz-Syndrom). Bei dieser seltenen, lebensbedrohlichen Herzerkrankung handelt es sich um eine Funktionsstörung der linken Herzkammer mit einer lokalisierten Bewegungsstörung meist im apikalen Abschnitt des Herzens – also im Bereich der Herzspitze.

Das Broken-Heart-Syndrom zählt zu den primären Kardiomyopathien. Diese spezielle Störung betrifft zu 90 Prozent Frauen – vor allem nach der Menopause etwa ab einem Alter von 60 Jahren – und ist bis heute wenig erforscht. In der Medizin wird das seltene Krankheitsbild auch als Stress-Kardiomyopathie, stressinduzierte Kardiomyopathie, Apical-ballooning-Syndrom oder als Tako-Tsubo-Kardiomyopathie bezeichnet.

Die Funktionsstörung wurde im Jahr 1991 erstmals offiziell von den japanischen Ärzten Keigo Dote und Hikaru Sato beschrieben. Den ursprünglichen Namen „Tako-Tsubo“ trägt sie aufgrund einer optischen Ähnlichkeit: Die linke Herzkammer sieht am Ende der Systole (Zusammenziehen des Herzmuskels zum Auswurf des Blutes) aus wie eine traditionelle, japanische Tintenfischfalle – ein ausgebuchteter Tonkrug mit einem verengten Hals.

Ursachen des Broken-Heart-Syndroms: Liebeskummer als Auslöser?

Meist gehen dem Broken-Heart-Syndrom sogenannte Trigger voraus. Zu diesen Auslösern gehören emotional stressige Erlebnisse, wie der Tod eines Angehörigen, Geldnot und andere extreme Sorgen oder körperlich belastende Ereignisse wie Operationen oder Traumata. Außerdem ist in der Medizin das sogenannte Happy-Heart-Syndrom bekannt, bei dem die Symptome durch freudige Ereignisse wie den Lottogewinn ausgelöst werden. Allerdings sind solche Trigger kein Muss – das Broken-Heart-Syndrom kann auch ohne solche Erlebnisse auftreten.

Obwohl viele Menschen emotionale oder körperliche Belastungssituationen erleben, kommt es nur selten zu einem Broken-Heart-Syndrom. Warum die Betroffenen diese Form der Kardiomyopathie erleiden, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es werden verschiedene Ursachen als mögliche Auslöser diskutiert. Dazu gehören unter anderem Koronarspasmen, eine Schädigung durch Katecholamine (Stresshormone wie Adrenalin) oder eine Mikrozirkulationsstörung (eingeschränkter Blutfluss in den kleinsten Blutgefäßen). Zudem gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die eine genetische Beteiligung festgestellt haben, da es unter anderem zu familiären Häufungen kommt.

Symptome: Wie äußert sich das Broken-Heart-Syndrom?

Die vorübergehende Funktionsstörung des Herzens tritt durch eine Symptomatik in Erscheinung, die der eines Herzinfarkts ähnelt. Die Symptome äußern sich meist in ausgeprägter Form: Plötzlich einsetzende Brustschmerzen treten in etwa 70 bis 80 Prozent der Fälle auf, Atemnot in etwa 20 bis 40 Prozent der Fälle.

Symptome bei einem gebrochenen Herzen:

  • Brustschmerzen
  • Luftnot
  • kurze Phasen der Bewusstlosigkeit (Synkopen)
  • Beklemmungsgefühl
  • Schwäche

Diagnose: Broken-Heart-Syndrom oder Herzinfarkt?

Nicht nur die Symptome des Broken-Heart-Syndroms ähneln denen eines Herzinfarkts, auch während der Diagnose machen sich Ähnlichkeiten bemerkbar. Die Herzstromkurve im EKG zeigt die typischen Auffälligkeiten einer ST-Hebung und die Herzenzymwerte im Blut wie Troponin sind ebenfalls erhöht – jedoch beim Broken-Heart-Syndrom häufig milder als beim Herzinfarkt. Die Unterscheidung wird erst durch eine Herzkatheteruntersuchung sichtbar: Werden keine verschlossenen Herzkranzgefäße wie bei einem Herzinfarkt entdeckt, handelt es sich wahrscheinlich um das Broken-Heart-Syndrom. Zur Abgrenzung kann außerdem die Magnetresonanztomografie (MRT) hilfreich sein. Durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) wird zudem die Funktion der linken Herzkammer beurteilt.

In der Fachliteratur wird meist angegeben, dass es sich bei etwa zwei Prozent der Betroffenen einer Herzinfarkt-Symptomatik nicht um einen Infarkt, sondern um das Broken-Heart-Syndrom handelt. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie gibt an, dass dies noch häufiger als vermutet der Fall sein könnte und etwa drei bis fünf Prozent aller vermeintlichen Herzinfarkte tatsächlich eine Tako-Tsubo-Kardiomyopathie sind.

Behandlung des Broken-Heart-Syndroms – noch fehlen Richtlinien

Für das Broken-Heart-Syndrom gibt es noch keine einheitlichen Therapierichtlinien und die Behandlungsempfehlungen basieren auf Expertenmeinungen. Neuere Untersuchungen zu den Ursachen lassen darauf hoffen, dass es zukünftig angepasste Therapieverfahren für ein gebrochenes Herz geben könnte.

In der akuten Phase werden Betroffene wie bei einem Herzinfarktleiden in der Klinik intensivmedizinisch betreut. In der weiteren Therapie des gebrochenen Herzens muss die Wahl der Medikamente genau nach dem individuellen Fall ausgewählt werden, da bestimmte Arzneistoffe, die zum Beispiel bei der Behandlung von akuter Herzschwäche eingesetzt werden, möglicherweise ungeeignet sind. Medikamente, die gegebenenfalls verabreicht werden, sind Betablocker oder ACE-Hemmer.

Komplikationen: Langzeitschäden durch Broken-Heart-Syndrom?

Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung gibt an, dass in der akuten Phase fast ein Viertel der Betroffenen ernsthafte Komplikationen mit Todesfolge entwickeln. Mögliche Komplikationen des gebrochenen Herzens, die mit einem erhöhten Risiko verbunden sind, können zum Bespiel sein:

  • Herzthrombosen (Bildung von Blutgerinnseln innerhalb des Herzens)
  • Kardiogener Schock (Pumpversagen des Herzens)
  • Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern

Ist die Akutphase überstanden, gilt die Prognose in der Regel als günstig, da sich die Funktion der linken Herzkammer meist wieder erholt. Neuere Studien haben laut Deutscher Gesellschaft für Kardiologie allerdings auch gezeigt, dass Betroffene des Broken-Heart-Syndroms häufiger einen Schlaganfall entwickeln könnten als Betroffene nach einem Herzinfarkt. Das Schlaganfallrisiko betrug den Untersuchungen zufolge innerhalb von fünf Jahren nach einem Broken-Heart-Syndrom 6,5 Prozent und nach einem Herzinfarkt 3,2 Prozent.

Das Risiko erneut am Broken-Heart-Syndrom zu erkranken, liegt bei etwa zehn Prozent.