Venen sind Blutgefäße und transportieren Blut zum Herzen
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Venen: Funktion, Aufbau, Erkrankungen

Die Venen gehören zum bedeutsamsten Transportsystem des menschlichen Körpers. Sie sind die Schwerstarbeiter unter den Blutgefäßen: Denn um das Blut zum Herzen zu transportieren, müssen sie gegen die Schwerkraft ankämpfen. Wie ihnen das gelingt und was es über Venen und Venenklappen zu wissen gibt.

Was sind Venen?

Venen, Arterien und Kapillaren bilden das Gefäßsystem. Venen werden definiert als die Gefäße, die Blut zum Herzen hinführen – sie werden auch Blutadern genannt. Als Verästelungen durchziehen sie den gesamten Körper: Die kleinsten Kapillaren werden zu Venolen (kleine Venen) zusammengeführt, dann zu Venen und letztendlich gelangt das darin befindliche Blut über die obere und die untere Hohlvene zum Herzen. Nur durch das Zusammenspiel aller Gefäße können die Organe ständig mit ausreichend Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Gemeinsam hat das Gefäßsystem eine Länge von über 100.000 Kilometern. 

Fast alle Venen transportieren sauerstoffarmes (venöses) Blut zum Herzen. Eine Ausnahme stellt die Lungenvene dar, die sauerstoffreiches Blut zum Herzen leitet. Arterien führen das Blut vom Herzen weg. Das sauerstoffarme Blut in den Venen ist dunkler als das sauerstoffreiche in den Arterien. Venen und Arterien verlaufen mit einigen Ausnahmen parallel zueinander, das Venensystem ist aber noch größer und dichter. Meist tragen Arterien und Venen die gleichen lateinischen Namen – zum Beispiel Arteria femoralis (Oberschenkelarterie) und Vena femoralis (Oberschenkelvene).

Welche Venen gibt es?

Das Venensystem besteht aus tief gelegenen Venen (Venae profundae) und oberflächlichen Venen (Venae superficiales). Die Venennetze sind durch Perforansvenen miteinander verbunden. Eine oberflächliche Vene wird zum Beispiel verwendet, wenn Blut für Laboruntersuchungen aus der Armbeuge entnommen wird.

Die größten Venen des menschlichen Körpers sind die Hohlvenen. In der oberen Hohlvene sammelt sich das Blut aus den oberen Körperregionen wie Kopf, Hals und Arme. In der unteren Hohlvene fließt das Blut aus den unteren Körperregionen wie Beine, Bauch und Becken zusammen. Von dort aus wird es direkt zum Herzen geführt.

Im Magen-Darm-Trakt befindet sich das sogenannte Pfortadersystem, das einen venösen Blutkreislauf darstellt: Es wird das gesamte Blut aus dem Magen-Darm-Bereich gesammelt über die Leber zur unteren Hohlvene und weiter zum Herzen geleitet. 

Wichtige Venen im Überblick:

  • obere Hohlvene (Vena cava superior)
  • untere Hohlvene (Vena cava inferior)
  • Halsvenen wie innere Drosselvene (Vena jugularis interna) und äußere Drosselvene (Vena jugularis externa)
  • Hirnvenen (Venae cerebri)
  • Arm-Kopf-Vene (Vena brachiocephalica)
  • Achselvene (Vena axillaris)
  • Schlüsselbeinvene (Vena subclavia)
  • Lebervenen (Venae hepaticae)
  • Nierenvene (Vena renalis)
  • Beckenvenen wie innere Beckenvene (Vena iliaca interna), äußere Beckenvene (Vena iliaca externa) und gemeinsame Beckenvene (Vena iliaca communis)
  • Oberschenkelvene (Vena femoralis)

Funktion von Venen: So wichtig sind gesunde Venen

Venen erfüllen im Körper bedeutende Funktionen, deshalb ist auf ihre Gesunderhaltung besonders achtzugeben:

  • Transportfunktion: Vom linken Vorhof und der linken Herzkammer wird sauerstoffreiches Blut in die Aorta (Hauptschlagader) gepumpt und über die Arterien im Körper verteilt. Die Venen transportieren das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen. Es gelangt über den rechten Vorhof in die rechte Herzkammer, wird von dort aus über die Lungenarterie zur Lunge transportiert, gibt Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf. Die Lungenvene leitet das sauerstoffreiche Blut wieder zum linken Vorhof und zur linken Herzkammer – der Kreislauf beginnt von vorne. Auf diese Weise läuft innerhalb einer Minute das gesamte Blut – also etwa fünf Liter – einmal durch den menschlichen Körper.
  • Speicherfunktion: Venen dienen dem Körper zudem als Blutspeicher. 85 Prozent des gesamten Blutvolumens im systemischen Kreislauf befindet sich im Venensystem. Aufgrund ihres großen Fassungsvermögens werden Venen daher als Kapazitätsgefäße bezeichnet. Ihnen ist zum Beispiel zu verdanken, dass einer Person bei einer Kreislaufschwäche durch das Hochlagern der Beine und durch die damit verbundene Erhöhung der Strömungsgeschwindigkeit im Venensystem wieder mehr Blut zugeführt werden kann.

Aufbau von Venen – ausgeklügeltes Venensystem mit Venenklappen

Venen bestehen wie Arterien aus drei Wandschichten: einer inneren (Tunica intima) aus elastischen Fasern, einer mittleren (Tunica media) aus glatter Muskulatur und einer äußeren Schicht (Tunica adventitia) aus lockerem Bindegewebe. Jedoch unterscheiden sich die Schichten bei Venen und Arterien aufgrund unterschiedlicher Funktionen und Aufgaben voneinander. Arterien müssen zum Beispiel einem stärken Druck standhalten als Venen. Die glatte Muskulatur der mittleren Schicht sowie die Dreischichtung ist bei Venen schwächer ausgeprägt.

Fast alle Venen besitzen Venenklappen – Ausnahmen stellen unter anderem die Hohlvenen oder die Hirnvenen dar. Mithilfe der Venenklappen gelingt es, die Schwerkraft zu überwinden. Venenklappen sind taschenartige Ausstülpungen des Endothels (Zellen, die das Innere der Blutgefäße auskleiden), sie funktionieren wie Ventile, die dafür sorgen, dass das Blut in Richtung des Herzens strömt und nicht wieder zurück in die untere Körperregion fließt. Als zusätzliche Hilfe dient die sogenannte Muskelpumpe in den Beinen. Beim Anspannen der Muskulatur durch Bewegung werden die Venen, die zwischen der Muskulatur liegen, zusammengepresst und der Rücktransport des Blutes zum Herzen hin gefördert.

Venenerkrankungen: Beinvenen oft von Venenleiden betroffen

Erkrankungen der Venen entstehen häufig in den Beinvenen. Es kann sich dabei um leichte Veränderungen wie Besenreiser handeln, die meist harmlos sind und nur ein ästhetisches Problem darstellen. Jedoch gibt es auch Venenerkrankungen, die eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit sind.

Eine sogenannte Beinvenenthrombose ist beispielsweise eine Erkrankung, die unbehandelt die schwere Komplikation einer Lungenembolie auslösen kann. Eine Thrombose in den Beinvenen kann entstehen, wenn der venöse Rückstrom des Blutes beeinträchtigt ist – zum Beispiel aufgrund von Muskelinaktivität durch langes Sitzen im Flugzeug oder durch Bettlägerigkeit. Kommen dann noch weitere Faktoren wie eine Gerinnungsstörung (Verdickung des Blutes) hinzu, kann sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in den Beinvenen bilden. Es besteht das Risiko, dass sich das Blutgerinnsel löst, mit dem Blut in die Lunge geschwemmt wird und dort ein lebenswichtiges Blutgefäß verstopft (Lungenembolie).

Venenerkrankungen im Überblick:

  • Besenreiser
  • Varizen (Krampfadern)
  • Ödeme (Wassereinlagerungen)
  • Phlebitis (Venenentzündung)
  • Thrombosen (Blutgerinnsel in Blutgefäßen)
  • chronisch-venöse Insuffizienz (Venenschwäche)

Venen-Schmerzen: Was tun?

Wer an einer Venenerkrankung leidet, kennt das Gefühl von schweren, geschwollen und schmerzenden Beinen. Auch langes Sitzen oder Stehen löst solche Beschwerden aus. Um den Venen Erleichterung zu verschaffen, können folgende Tipps helfen:

  • Beine hochlegen: Die Erhöhung der Beine erleichtert den Rückfluss des Blutes, wodurch die entlastet werden.
  • Kaltes Wasser: Das kalte Abduschen der Beine oder die Anwendung von Kneipp-Kuren bewirkt, dass sich die Venen zusammenziehen.
  • Lockere Kleidung: Socken und Unterwäsche sollten nicht einschneiden. Vor allem im Sommer ist Kleidung zu bevorzugen, die nicht einengt.
  • Kompressionsstrümpfe: Zur Vorbeugung einer Thrombose kann zum Beispiel auf Reisen das Tragen von Kompressionsstrümpfen hilfreich sein. Sie üben Druck auf die Venen aus und können dadurch einer Blutanstauung entgegenwirken.
  • Bewegung: Als Akuthilfe etwa bei langen Flug- oder Busreisen empfiehlt es sich, Gymnastikübungen wie das Wippen und Kreisen mit den Füßen am Platz durchzuführen oder für Kniebeugen und das Wadenheben aufzustehen.

Wichtiger Hinweis: Starke Schmerzen, Schwellungen oder Hautverfärbungen an den Beinen können ein Anzeichen für eine Beinvenenthrombose sein und sollten daher ärztlich untersucht werden.

Venen stärken: Bewegung macht müde Venen munter

Damit es erst gar nicht dazu kommt, dass das Blut in den Beinvenen „versackt“ und Beschwerden oder gar Erkrankungen ausgelöst werden, ist Bewegung das beste Mittel zur Vorbeugung. Spaziergänge, Joggen, Walking, Wandern, Tanzen, Aerobic, Fahrradfahren oder Schwimmen sind geeignete Sportarten für ein gutes Venentraining.

Auch eine gesunde Ernährung mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr stärkt die Venen. Durch Bewegung und gesunde Ernährung wird außerdem Übergewicht vorgebeugt oder reduziert. Eine Gewichtsnormalisierung wirkt sich positiv auf das Venensystem aus, da Übergewicht die Beine belastet und die Venen schwächt. Schwangere sollten ebenfalls besonders gut auf ihre Venen achten und sie vorbeugend stärken, da sie ein erhöhtes Risiko für Krampfadern, oberflächliche Venenentzündungen oder Thrombosen haben.