Mann hält sich die Brust vor Schmerzen
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Schmerzen in der Brust

Angina pectoris: Symptome ernst nehmen

Bei einer Angina pectoris tritt unter Anstrengung oder Aufregung ein Engegefühl oder Schmerzen in der Brust auf. Was sind die Ursachen, sind die Brustschmerzen gefährlich und wie lässt sich eine Angina pectoris behandeln? 

Was ist eine Angina pectoris?

Angina pectoris bedeutet wörtlich „Brustenge“. Sie wird auch als Herzenge (Stenokardie) bezeichnet. Betroffene fühlen meist bei Anstrengung oder Aufregung ein Enge- oder Druckgefühl und Schmerzen in der Brust. Diese rühren von einem Sauerstoffmangel im Herzmuskel her. Erhält das Herz zu wenig Sauerstoff, drohen lebensgefährliche Folgen. Deshalb sollte bei einer Angina pectoris sofort der Notruf alarmiert werden. Bei Frauen und Männern unterscheiden sich die Beschwerden. Eine Angina pectoris ist ein Symptom der Koronaren Herzerkrankung (KHK).

Ursachen für eine Angina pectoris

Das Herz benötigt viel Sauerstoff und Energie, um seine gewaltige Muskelarbeit zu leisten. Täglich pumpt es rund 12.000 Liter Blut durch den Körper. Bei körperlicher Anstrengung muss es bis zu dreimal so viel Blut befördern wie in einer Ruhephase. Wenn dann nicht genügend Blut durch die Herzkranzgefäße fließt, etwa weil diese durch Arteriosklerose verengt sind, entsteht ein Sauerstoffmangel im Herzen. Meist treten die Beschwerden allerdings erst auf, wenn sich der Querschnitt der Gefäße durch die Ablagerung von Plaques schon auf ein Viertel des ursprünglichen Durchmessers verengt hat. Dieser Sauerstoffmangel macht sich durch die typischen Symptome einer Angina pectoris bemerkbar. Mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr einer Koronaren Herzerkrankung. Auch Krämpfe (Spasmen) in den Herzkranzgefäßen können eine ungenügende Sauerstoffversorgung verursachen (Prinzmetal-Angina).

Ausgelöst wird eine Angina pectoris meist bei körperlicher Anstrengung wie Treppensteigen oder Aufregung und Sorgen, also wenn der Herzschlag beschleunigt ist und eine stärkere Durchblutung des Herzmuskels notwendig wird. Daneben können auch Kälte oder eine große Mahlzeit zu einer Brustenge führen. Morgens tritt eine Angina pectoris bei vielen Menschen schneller auf als abends. Bei einer Walk-Through-Angina pectoris lassen die Beschwerden nach einiger Zeit trotz andauernder Belastung nach. Dann nutzt der Körper andere Gefäße, um eine Engstelle zu umgehen. In manchen Fällen ist auch an den großen Herzkranzgefäßen keine Veränderung zu sehen, dafür sind feine Gefäße rund um den Herzmuskel (Mikrovaskulatur) verengt.

Diese Faktoren steigern das Risiko, an einer Angina pectoris zu erkranken:

  • Rauchen oder anderer Nikotinkonsum
  • Ein erhöhter LDL-Cholesterin-Wert
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht
  • Wenig Bewegung
  • Stress und Sorgen
  • Genetische Veranlagung (gehäuftes Auftreten in der Familie)
  • Vorhandene Herz- oder Lungenerkrankungen

Angina pectoris: Symptome bei Frauen oft nicht eindeutig

Plötzlich fühlen Betroffene einen Schmerz, einen Druck oder ein Engegefühl in der Brust. Häufig haben sie gleichzeitig ein Gefühl der Atemnot. Auch Angstzustände sind möglich. Die Schmerzen strahlen manchmal bis in die Arme, den Rücken oder den oberen Bauch aus. Hals und Unterkiefer sind ebenfalls häufig betroffen. Meist hält ein Angina pectoris-Anfall für wenige Minuten an und lässt dann nach. Bei der Prinzmetal-Angina tritt in Ruhe ohne Vorwarnung ein stechender Schmerz in der Brust auf.

Frauen zeigen andere Symptome als Männer bei einer Angina pectoris: Häufiger als über Schmerzen in der Brust klagen sie über Brennen im Bauch, plötzliche und unerklärliche Müdigkeit oder Übelkeit. Oft fehlt dabei das typische Engegefühl in der Brust. Auch betagte Menschen oder solche mit Diabetes mellitus fühlen den Brustschmerz manchmal nicht, sondern nur die Atemnot und Erschöpfung.

Schweregrade der Angina pectoris

Grad 1 Die Symptome treten nur bei starker körperlicher oder psychischer Belastung auf, vor allem wenn die Belastung plötzlich einsetzt oder lange andauert.
Grad 2 Die Symptome machen sich bei mäßiger körperlicher Anstrengung wie Treppensteigen oder schnellem Laufen bemerkbar.
Grad 3 Schon bei leichter Belastung wie Ankleiden oder normalem Gehen treten Symptome auf.
Grad 4 Die Symptome sind im Ruhezustand oder bei sehr geringer körperlicher Belastung spürbar.

 

Stabile Angina pectoris

Bei einer stabilen Angina pectoris bleiben die Schmerzen und das Druckgefühl bei gleicher Belastung immer ähnlich und verschlechtern sich nicht. Durch Ruhe oder die Einnahme von Nitropräparaten lassen die Beschwerden zügig nach. Bei der nächsten Belastung treten die Schmerzen jedoch in gleicher Stärke wieder auf. Bei der stabilen Angina pectoris kommt es selten zu ernsthaften Komplikationen.

Instabile Angina pectoris

Die Symptome der instabilen Angina pectoris werden von Anfall zu Anfall heftiger und dauern länger. Selbst durch die Einnahme von Nitropräparaten lassen die Schmerzen in der Brust nicht direkt nach. Immer geringere Auslöser führen zu den Beschwerden. Am Schluss schmerzt die Brust sogar bei Alltagstätigkeiten wie Anziehen oder beim ruhigen Sitzen. Eine instabile Angina pectoris kann sich aus der stabilen Angina pectoris entwickeln. Oft verschlimmern sich die Symptome innerhalb von Stunden oder Tagen.

Bei einer instabilen Angina pectoris sollte schnell unter Telefon 112 ein notärztliche Hilfe eingeholt werden! Es droht ein lebensgefährlicher Herzinfarkt.

Angina pectoris: Diagnose mit EKG und MRT

Der Arztbesuch beginnt mit einer Abfrage von Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus. Dann folgt eine Blutdruckmessung. Nach einer Blutabnahme werden im Labor verschiedene Blutwerte bestimmt. Wichtige Erkenntnisse vermitteln Ruhe-EKG und Belastungs-EKG. Mit einer Ultraschalluntersuchung wird die Tätigkeit des Herzens beobachtet. Oft wird dabei eine so genannte Stress-Echokardiographie eingesetzt: Dabei wird das pumpende Herz per Ultraschall während körperlicher Anstrengung auf einem Laufband oder Standfahrrad kontrolliert. Alternativ kann ein Medikament eine ähnliche Belastung hervorrufen.

Weiterhin ermöglichen bildgebende Verfahren eine detaillierte Beurteilung des Zustands von Herz und Koronargefäßen. MRT und CT zeigen den Herzmuskel während seiner Tätigkeit. Dafür wird oft ein Kontrastmittel in die Blutbahn gespritzt. Bestimmte Medikamente simulieren eine Belastung des Herzens. Um zu klären, ob bestimmte Bereiche der Herzwand noch funktionieren oder bereits abgestorben sind, können außerdem eine Myokardszintigraphie, Radionuklid-Ventrikulographie oder eine Positronenemissionstomographie hilfreich sein.

Behandlung von Angina pectoris mit Medikamenten

Laien können bei einem Anfall von Angina pectoris helfen, indem sie den Notruf wählen und dann Kragen oder Gürtel des*der Betroffenen öffnen. Der Oberkörper sollte hochgelagert werden. In Innenräumen empfiehlt es sich, das Fenster aufzumachen. Bei einer instabilen Angina pectoris sollten Betroffene immer im Krankenhaus behandelt werden.

Zur Behandlung akuter Anfälle von Angina pectoris bekommen gefährdete Menschen Sprays oder Kapseln mit Nitroglyzerin. Dieser Wirkstoff erweitert die Gefäße und verbessert dadurch die Durchblutung. Die Medikamente wirken sehr schnell. Nitropräparate dürfen nicht zusammen mit Potenzmitteln wie Phosphodiesterase-5-Hemmern genommen werden, sonst wird der Blutdruck lebensbedrohlich stark gesenkt.

Wer unter einer stabilen Angina pectoris leidet, erhält oft Medikamente zur dauerhaften Anwendung. Sie werden individuell auf die Betroffenen abgestimmt. Häufig kommen folgende Wirkstoffe zum Einsatz:

  • Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel: Diese Thrombozytenaggregationshemmer verhindern, dass die Blutplättchen zusammenklumpen. Dadurch beugen sie einem Verschluss der Gefäße vor.
  • Betablocker: Sie senken den Blutdruck bei Belastung und verringern die Herzfrequenz.
  • Nitrate: Diese Vasodilatatoren erweitern die Gefäße. Allerdings gewöhnt sich oft nach einiger Zeit der Körper daran und die Wirkung lässt nach.
  • Calciumantagonisten: Sie erweitern ebenfalls die Gefäße.
  • Weitere Blutdrucksenker: Bluthochdruck kann die Symptome der Angina pectoris verschlimmern und erhöht auch das Risiko für Folgeerkrankungen wie einen Infarkt, weshalb der hohe Blutdruck behandelt werden muss.
  • Statine: werden bei zu hohem Cholesterinspiegel eingesetzt, da Cholesterin eine weitere Verengung der Herzkranzgefäße begünstigen und somit die Symptome verschlimmern kann.

Außerdem hilft es, das Rauchen aufzuhören und sich viel zu bewegen. Auch eine gesunde Ernährung ohne Alkohol verringert meistens das Auftreten von Angina pectoris sowie das Risiko für weitere Herz-Kreislauferkrankungen.

Operation bei Angina pectoris

Reichen Medikamente nicht aus zur Behandlung der Angina pectoris oder tritt diese in extremer Erscheinungsform auf, so folgt oft eine minimalinvasive Operation. Dabei wird ein Katheter (Kunststoffschlauch) von der Hüfte oder dem Arm aus zu den Blutgefäßen am Herzen vorgeschoben. Die Engstelle wird mit einem Ballon aufgedehnt. Dann wird oft ein Stent (Gitternetz aus Metall) an die Stelle gesetzt. Es soll verhindern, dass sich erneut Plaques dort absetzt und das Gefäß weit halten. Gibt es jedoch mehrere Engstellen, insbesondere an verschiedenen Blutgefäßen, so ist ein Bypass erforderlich. Dabei wird die Engstelle (Stenose) durch das Einsetzen künstlicher oder körpereigener Gefäße überbrückt.

Nach der Operation müssen die Patient*innen mindestens 24 Stunden lang im Krankenhaus überwacht werden. Nach dem Aufdehnen einer Arterie durch einen Ballon treten die Beschwerden bei einem Drittel bis der Hälfte der Betroffenen später wieder auf. Wird gleichzeitig ein Stent gesetzt, reduziert sich die Rückfallrate um etwa zehn Prozent. Anschließend hilft moderate körperliche Aktivität, erneute Anfälle von Angina pectoris zu verhindern. Besonders geeignet sind dafür spezielle Sportgruppen für herzkranke Menschen. Wer seinen Lebensstil nicht ändert, riskiert Folgeerkrankungen wie Herzschwäche oder Herzinfarkt.

Wie lange dauert eine Angina pectoris?

Ein typischer Anfall von Angina pectoris dauert rund 15 Minuten. Wer einen Anfall hatte, kann jedoch jederzeit erneut einen erleiden. Mit einer stabilen Angina pectoris und gut eingestellten Medikamenten können Betroffene allerdings lange unbeschwert leben. Gut ist eine möglichst frühzeitige Behandlung. Einmal pro Jahr sollte eine Kontrolluntersuchungen erfolgen. Dabei wird auch ein Belastungs-EKG durchgeführt.

Vorbeugen von Angina pectoris

Einer Angina pectoris lässt sich gut vorbeugen – je früher, desto wirkungsvoller. Wer einen gesunden Lebensstil hat, senkt das Risiko für eine Angina pectoris erheblich. Dazu gehören:

  • Gesundes Essen mit vielen Ballaststoffen, wenig Fett insbesondere Cholesterin
  • Verzicht auf Nikotinkonsum
  • Regelmäßige Bewegung, am besten an der frischen Luft
  • Bluthochdruck rechtzeitig und zuverlässig behandeln
  • Diabetes mellitus behandeln
  • Übergewicht vermeiden oder reduzieren
  • Stress durch Bewegung oder Entspannungstechniken abbauen