Herz und Gefäße
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Blutversorgung im Körper

Blutgefäße: Welche Arten von Gefäßen gibt es und wie sind sie aufgebaut?

Über 100.000 Kilometer ist das Blutgefäßsystem lang. Blut wird von Herz und Lunge zu jeder Körperzelle transportiert, um diese mit Sauerstoff und Energie zu versorgen. Die Blutgefäße müssen einiges leisten: Tausende Liter Blut werden täglich durch sie transportiert. Welche Arten von Blutgefäßen es gibt und wie sie aufgebaut sind, lesen Sie hier.

Blutgefäße: Leitungen für den Bluttransport

Blutgefäße sind röhrenförmige Hohlorgane. Sie dienen dem Transport von Blut und sind damit essentiell für die Versorgung der Organe und jeder einzelnen Zelle mit Sauerstoff und Nährstoffen. An manchen Stellen sind sie durchlässig für den Stoffaustausch. So können Elektrolyte, Zucker und Hormone an das jeweilige Gewebe abgegeben und Stoffwechselabfallprodukte vom Blut aufgenommen werden.

Arterien und Venen: Welche Blutgefäße gibt es?

Es gibt verschiedene Arten von Blutgefäßen. Sie lassen sich danach unterteilen, ob sie vom Herzen weg zu den Organen oder von diesen zum Herz zurück verlaufen. Außerdem spielt die Größe des Gefäßes für die Einteilung eine Rolle.

  • Aorta (Hauptschlagader): Sie führt direkt vom Herz weg. In der Aorta herrscht ein sehr hoher Druck, sie ist elastisch und sorgt somit für einen kontinuierlichen Blutstrom. Die Aorta kann einen Durchmesser von bis zu drei Zentimetern haben.
  • Arterien (Schlagadern) zweigen von der Aorta ab und führen zu den Organen und in die Peripherie des Körpers.
  • Arteriolen sind die feineren Fortsetzungen von Arterien und damit das Verbindungsstück zwischen den Kapillaren und den Arterien.
  • Kapillaren (Haargefäße) sind die feinsten Gefäße im Körper und bilden den Übergang zwischen dem arteriellen und dem venösen System. An den Kapillaren findet der Nährstoff- und Sauerstoffaustausch statt.
  • Venolen sind die kleinsten Venen. Sie sammeln das sauerstoffarme Blut der Kapillaren. 
  • Venen transportieren das Blut zurück zu Herz und Lunge, wo es wieder mit Sauerstoff angereichert wird. 

Einteilung in Hochdruck- und Niederdrucksystem

Das arterielle System ist ein Hochdrucksystem. Es besteht aus der linken Herzkammer, der Aorta, den Arterien und den Arteriolen. Die Gefäßwände der Hochdruckgefäße unterscheiden sich von denen des Niederdrucksystems etwas im Aufbau, da es dem hohen Blutdruck standhalten muss.

Das Niederdrucksystem, wozu die Venolen und Venen, Kapillaren, das rechte Herz und auch die Lunge gehören, macht den Großteil des Gefäßsystems aus. Bis zu 85 Prozent des Blutes wird im venösen System gespeichert.

Wie sind die Blutgefäße aufgebaut?

In der Regel sind die Gefäßwände von Blutgefäßen dreischichtig. Ausnahme hiervon bilden die Kapillaren, hier sind sie einschichtig. Die drei Schichten der Gefäßwand sind:

Tunica intima: Ein Blutgefäß ist mit einer dünnen Endothelschicht ausgekleidet, der Intima. Sie sorgt für eine glatte Oberfläche im Inneren des Gefäßes und ist teilweise durchlässig für bestimmte Stoffe im Blut, die dann am Gefäß wirken können. Auch hilft sie durch die Freisetzung von bestimmten Substanzen, einer Gerinnselbildung vorzubeugen. 

Tunica media: Die mittlere Schicht eines Blutgefäßes besteht aus speziellen Muskelzellen und bindegewebigen Anteilen. Die Gefäßmuskulatur kann sich zusammenziehen (Vasokonstriktion) und weiten (Vasodilatation) und hat somit Einfluss auf den Blutdruck. Vermittelt wird dies unter anderem durch Botenstoffe des vegetativen Nervensystems. Die Tunica media ist im arteriellen Hochdrucksystem besonders dick und kräftig. Im venösen Niederdrucksystem hingegen ist sie weniger stark ausgeprägt. 

Tunica externa (Adventitia): Das Gefäß wird von außen durch die Adventitia, einer Bindegewebsschicht, geschützt.

Gefäßerkrankungen

Die Blutgefäße sind sehr stark beansprucht: Sie halten dem Blutdruck stand, um rund um die Uhr Blut durch den Organismus zu transportieren. Werden sie mechanisch verletzt, regenerieren sie sich meist schnell wieder. Doch auch die Blutgefäße können erkranken, was verheerende Folgen für den Körper haben kann. Ist der Blutfluss im Zuge eines erkrankten Gefäßes gestört, wird ein Organ oder Gewebe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt und Zellen sterben ab. 

Die Atherosklerose, auch Arteriosklerose genannt, ist eine der häufigsten Gefäßerkrankungen, bei der sogenannte Plaques in die Gefäßinnenwand (Intima) eingelagert werden. Das Gefäß verliert dadurch an Elastizität und verengt sich, wodurch der Blutfluss erschwert sein kann. Arteriosklerose ist einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen, etwa einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Weitere Gefäßerkrankungen sind:

  • Vaskulitis (Gefäßentzündung)
  • Krampfadern
  • Besenreiser
  • Schaufensterkrankheit (PAVK)
  • Aneurysma
  • Thrombose
  • Chronisch-venöse Insuffizienz
  • Venenentzündung (Phlebitis)

Ein gesundes Blutgefäßsystem ist wichtig, um Herzproblemen vorzubeugen. Deshalb sollten bestehende Gefäßerkrankungen immer behandelt werden. Einigen Krankheiten, etwa der Arteriosklerose, lässt sich mit einem rauchfreien Lebensstil, einer gesunden Ernährung und viel Bewegung gut vorbeugen.