Arzt führt Angiographie durch
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So werden Blutgefäße sichtbar

Angiographie: Formen, Ablauf, Dauer und Risiko

Die Angiographie ist eine bildgebende Untersuchung der Blutgefäße, mit der Erkrankungen an Arterien oder Venen festgestellt werden können. Lesen Sie hier, wie genau eine Angiographie abläuft, wie lange sie dauert und welche Risiken sie birgt.

Was ist eine Angiographie?

Mit einer Angiographie (wörtlich: Gefäßzeichung) lassen sich Verengungen, Verschlüsse, Blutungen oder andere krankhafte Veränderungen der Blutgefäße feststellen. Dazu wird ein Kontrastmittel direkt oder über einen Katheter (ein feiner, biegsamer Kunststoffschlauch) in das entsprechende Gefäß eingebracht und anschließend eine Serie von Aufnahmen angefertigt. Die Aufnahmen werden entweder mit einem Röntgengerät, einem Computertomographen (CT-Angiographie) oder einem Magnetresonanztomographen (MR-Angiographie) erstellt. Abhängig von der dargestellten Gefäßart unterscheiden Fachleute zwischen einer Arteriographie (der Darstellung von Arterien) und der Phlebographie beziehungsweise Venographie (der Darstellung von Venen).

Eine rein diagnostische Angiographie dauert in der Regel mindestens 30 bis 60 Minuten. Wird auch direkt eine Behandlung – beispielsweise die Aufweitung einer Gefäßengstelle oder der Verschluss einer Gefäßaussackung (Aneurysma) – vorgenommen, kann der Eingriff auch deutlich länger dauern.

Wie wird eine Angiographie durchgeführt?

Eine Angiographie erfolgt im Liegen und unter örtlicher Betäubung der Stelle, an der der Katheter in den Körper eingeführt wird. Da die Blutgefäße an ihren Innenseite keine Nerven haben, ist die Untersuchung vollkommen schmerzfrei und erfolgt ohne Narkose bei vollem Bewusstsein der*des Betroffenen.

Mithilfe eines Führungsdrahtes wird der Katheter an der gewünschten Stelle des Gefäßsystems platziert. Dann wird zunächst ein Bild ohne Kontrastmittel (das sogenannte Leerbild) erstellt. Danach wird Kontrastmittel in das Gefäß eingespritzt und eine Serie von weiteren Aufnahmen erstellt. Im Computer werden das Leerbild und die anderen Bilder übereinandergelegt und identische Bereiche ausgeblendet, sodass nur noch das Bild der kontrastmittelgefüllten Gefäße sichtbar ist (Digitale Subtraktionsangiographie). So lassen sich krankhafte Veränderungen an den Blutgefäßen feststellen und gegebenenfalls auch sofort behandelt: Unter Umständen schließt sich direkt an die diagnostische Angiographie beispielsweise das Aufdehnen einer Gefäßengstelle oder der Verschluss von Gefäßmissbildungen an.

Nach der Untersuchung wird die Einstichstelle für circa zehn Minuten von Hand komprimiert und dann mit einem Druckverband versorgt, damit es nicht nachblutet. Oft muss die*der Betroffene noch einige Stunden liegenbleiben. Wurde auch direkt behandelt, ist ein Klinikaufenthalt über Nacht erforderlich.

Anders als bei der Digitalen Subtraktionsangiographie, die mithilfe eines Röntgengerätes erfolgt, muss das Kontrastmittel bei einer CT-Angiographie oder einer MR-Angiographie nicht direkt in das darzustellende Gefäß eingebracht werden. So kann bei einer CT-Angiographie oder einer MR-Angiographie auf den Katheter verzichtet werden, das Kontrastmittel wird über einen intravenösen Zugang verabreicht.

Wann ist eine Angiographie notwendig?

Eine Angiographie wird dann durchgeführt, wenn eine genaue Beurteilung der Blutgefäße erforderlich ist. Das ist bei allen Erkrankungen der Fall, die mit Gefäßveränderungen einhergehen, darunter unter anderem:

  • Schlaganfall oder Gehirnblutung
  • Verdacht auf akuten Herzinfarkt
  • chronische Herzinsuffizienz, Herzklappenfehler und unklare Herzbeschwerden
  • Verengungen oder Verschlüssen von Gefäßen (Stenosen und Thrombosen)

Auch zu therapeutischen Zwecken werden Röntgen-Angiographien, CT-Angiographien und MR-Angiographien durchgeführt. Sie kommen unter anderem zum Einsatz bei 

  • Erweiterung oder Eröffnung von Gefäßen mittels Ballonkatheter
  • Implantation von Stents (Gefäßstützen)
  • Absaugen von Gerinnseln
  • Versorgung von Gefäßerweiterungen (Aneurysma)

Welche Risiken birgt eine Angiographie?

Obwohl es sich bei einer Angiographie um eine Routineuntersuchung handelt, ist sie – wie alle medizinischen Eingriffe – mit einem Risiko verbunden. So kann sich an der Einstichstelle des Katheters ein Bluterguss bilden, der jedoch nicht behandelt werden muss. In seltenen Fällen wird bei der Angiographie eine Gefäßwand verletzt, was eine Operation nötig machen kann. Auch kann es zu einem Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel kommen.

Vor einer Angiographie muss unbedingt geprüft werden, ob eine Allergie gegen das Kontrastmittel, eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine schwere Nierenschädigung vorliegt. In diesen Fällen darf kein Kontrastmittel gegeben werden, Risiko und Nutzen müssen genau gegeneinander abgewogen werden. Bei bestehender Schwangerschaft sollte von einer Angiographie abgesehen werden.