Das Herz wird versorgt durch die Herzkranzgefäße.
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Wichtige Blutgefäße

Herzkranzgefäße: Versorgung des Herzens

Das Herz pumpt Blut durch den gesamten Körper, sodass jede Zelle mit Sauerstoff versorgt wird. Es schlägt etwa 100.000 Mal am Tag. Damit ist das Herz ein Hochleistungsorgan. Es braucht jede Menge Energie und Sauerstoff – versorgt wird es selbst durch die Herzkranzgefäße. Wie sind sie aufgebaut und welche Folgen hat ein verengtes Gefäß am Herzen?

Was sind die Herzkranzgefäße?

Herzkranzgefäße oder auch Koronargefäße sind Arterien und Venen, die das Herz mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Der Name leitet sich von ihrer Anordnung ab: Die Blutgefäße umschließen das Hohlorgan kranzförmig. Sie sind eingebettet in das Fett -und Bindegewebe, welches unterhalb des Epikards (Innere Schicht des Herzbeutels) liegt.

Koronararterien

Die Koronararterien versorgen das Herz mit sauerstoffreichem Blut. Sie entspringen direkt hinter der Aortenklappe und sind die ersten abgehenden Äste der Hauptschlagader. Es gibt zwei Koronararterien, die sich dann fein verästeln, um jeden Bereich des Herzens mit Blut zu versorgen.

Die rechte Koronararterie (Arteria coronaria dextra) hat einen Hauptast, der sich dann verzweigt. In der Regel ist sie für die Versorgung

  • der rechten Herzkammer (Ventrikel) und des Vorhofs (Atrium),
  • der Rückwand der Herzwand und der Herzscheidewand (Septum)
  • und von Sinus- und AV-Knoten (Teile des Erregungsleitungssystem, Schrittmacher des Herzens)

zuständig. Auch Teile der linken Kammer werden an der Rückseite von der rechten Koronararterie versorgt.

Die linke Koronararterie (Arteria coronaria sinistra) teilt sich schnell in zwei Hauptäste: Einen nach hinten ziehenden Ast (Ramus circumflexus) und den vorderen Zwischenkammerast (Ramus interventricularis anterior). Deshalb spricht man auch häufig von drei Koronararterien.

  • Hinterer Hauptast: Der Ramus circumflexus zieht sich zur Rückseite des linken Herzens, verästelt sich dort noch weiter und versorgt vor allem den linken Vorhof und die Rückseite des linken Ventrikels. 
  • Zwischenkammerast: Der Zwischenkammerast verläuft auf der Vorderseite nach unten zur Herzspitze zwischen linker und rechter Herzkammer entlang und versorgt dabei hauptsächlich die linke Herzkammer.

Zwischen den Koronararterien und den feinen Verästelungen bestehen oft kleine Querverbindungen, die Anastomosen, die eine bessere Versorgung ermöglichen. Das kann bei einer voranschreitenden Verengung des Gefäßes (Stenose) eine weitere Versorgung gewährleisten. Kommt es in einem Gefäß zu einem vollständigen Verschluss, reicht diese Verbindung allerdings nicht mehr aus, um den Bereich des Herzmuskels ausreichend zu versorgen.

Die Anatomie der Herzkranzgefäße ist sehr variabel – nicht bei jedem Menschen erfolgt die Blutversorgung entsprechend diesem recht ausgeglichen Muster. Nur bei etwa 50 Prozent handelt es sich um den Normaltyp, bei dem beide Koronararterien einen etwa gleich großen Bereich durchbluten. In einem Viertel der Fälle ist die linke Arterie dominanter (Linksversorgertyp), beim Rechtsversorgertyp hat die rechte Seite ein größeres Gebiet des Myokards zu versorgen. Das kann bei gegebener Notwendigkeit durch eine Koronarangiographie erfasst werden.

Koronarvenen: Rückfluss ins Herzen

Das sauerstoffarme Blut muss nach Versorgung des Herzmuskelgewebes auch wieder zum Herz zurück und in den Lungenkreislauf eingespeist werden. Für den Rückfluss sind die Koronarvenen verantwortlich. Der venöse Abfluss des Herzens erfolgt relativ parallel zu den arteriellen Gefäßen. Es gibt drei verschiedene Koronarvenen-Systeme:

  • Sinus-Coronarius-System
  • Transmurales System
  • Endomurales System

Der Großteil des Blutes wird über den Sinus Coronarius zurück zum Herzen transportiert. Dieser ist ein venöses Sammelgefäß, in den die Herzvenen münden und welches direkt in den rechten Vorhof einläuft. Das restliche Blut läuft über das trans-und endomurales System ab.

Was passiert, wenn die Herzkranzgefäße verstopft sind?

Lagert sich in den Herzkranzgefäßen sogenannte Plaque ab, kommt es infolgedessen zu einer Verengung der Gefäße, einer Koronarstenose. Durch diesen Engpass kann Blut schlechter hindurchfließen. Plaque, also Kalk- und Fettrückstände können sich sowohl innerhalb und außerhalb der Gefäße ablagern und die Elastizität dadurch reduzieren – die sogenannte Arteriosklerose.

Chronische Arteriosklerose und Verengungen in den Herzkranzgefäßen führen zur koronaren Herzkrankheit (KHK), bei welcher die Durchblutung des Herzmuskels gestört ist und damit auch die Sauerstoffzufuhr. Besonders bei körperlicher Anstrengung, wenn das Herz öfter pumpen muss, um den Körper ausreichend zu versorgen, gelangt durch die verengten Gefäße nicht mehr genug Blut und Sauerstoff zu den Herzmuskelzellen.

Symptome der koronaren Herzkrankheit:

  • Schmerzen und Engegefühl in der Brust (Angina Pectoris)
  • Übelkeit
  • Atemnot
  • Schweißausbrüche

Wird die rechte Herzkranzarterie nicht mehr ausreichend durchblutet, kann es außerdem zu Herzrhythmusstörungen kommen, da dieses Gefäß die Zellen des Erregungsbildungs- und Leitsystems versorgt.

Bei einem kompletten Gefäßverschluss im Herzen durch ein Blutgerinnsel oder durch gelöste Plaque-Partikel von den Gefäßwänden, kommt es zu einem Herzinfarkt. Herzmuskelzellen werden dann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und können absterben. Bildet sich Narbengewebe im Herzen durch das Absterben von Zellen, senkt das die Kontraktilität des Gewebes: Das Herz kann sich nicht mehr so effektiv anspannen, um Blut mit hohem Druck durch den Körper zu befördern. Dieser Zustand wird auch Herzschwäche (Herzinsuffizienz) genannt.