Mann hält sich vor Schmerzen die Brust wegen seiner Aortendissektion
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Potenziell tödlich

Aortendissektion: Gefährlicher Riss der Hauptschlagader

Bei einer Aortendissektion handelt es sich um eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung der Hauptschlagader. Dabei kommt es zu einem Riss in der inneren Schicht der Aorta, wodurch Blut in die Gefäßwand einsickert und diese weiter aufspaltet. Welche Formen gibt es und wie äußert sich eine Aortendissektion?

FAQ: Aortendissektion

Rund 60 Prozent der Betroffenen stirbt innerhalb von 48 Stunden unbehandelt an einer akuten Aortendissektion, deshalb ist schnelles Handeln wichtig. Erfolgt rechtzeitig eine Operation, so überleben rund 80 Prozent der Erkrankten.

Bei einer Aortendissektion reißt die innere Wand der Hauptschlagader ein, wodurch Blut in die Aortenwand einströmt und dort einen neuen Gefäßraum bildet. Die Gefäßwand spaltet sich durch den Druck immer weiter auf, im schlimmsten Fall reißt es. Bei einer akuten Aortendissektion besteht Lebensgefahr: Sie muss schnellstmöglich behandelt werden.

Eine akute Aortendissektion äußert sich in der Regel durch starke Schmerzen in der Brust und dem Rücken, die auch als Vernichtungsschmerzen bezeichnet werden. Daneben treten je nach betroffenen Abschnitts der Schlagader Anzeichen eines Schlaganfalls, Herzinfarkts oder auch Lähmungen der Beine und Arme auf. Bei entsprechenden Symptomen ist in jedem Fall ein Notruf abzusetzen.

Was ist eine Aortendissektion?

Eine Aortendissektion ist ein Einriss der Wand der Hauptschlagader, dabei handelt es sich um das größte Blutgefäß im Körper, welches vom Herzen wegführt. 

Blutgefäße sind in der Regel in drei Schichten aufgebaut. Die innerste Schicht ist sehr dünn und wird als Tunica intima bezeichnet. Die mittlere Schicht besteht aus spezialisierten Muskelzellen, Fachleute sprechen auch von der Tunica media. Bei der äußersten Schicht handelt es sich um einen bindegewebigen Schutz des Gefäßes, sie wird Tunica externa genannt.

Reißt die Innenhaut der Hauptschlagader, kann Blut zwischen die Tunica intima und Tunica media sickern. Die Aortenwand spaltet sich zudem immer weiter auf. Dadurch entsteht neben dem eigentlichen Gefäßinnenraum (auch Lumen genannt) ein zweiter Gefäßraum, der sich mit Blut füllt (falsches Lumen).

Fachleute sprechen dann von einer Aortendissektion oder einem Aneurysma dissecans aortae. Daneben wird die Erkrankung oftmals als Aortensyndrom bezeichnet: Allerdings handelt es sich dabei um einen Überbegriff für verschiedene Krankheiten der Hauptschlagader, wozu etwa auch Hämatome der Aortenwand zählen.

Die Folge der Gefäßverletzung ist ein gestörter Blutfluss durch die Aorta. Von der Hauptschlagader abgehende Gefäße können nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Es drohen je nach betroffenem Abschnitt der Aorta ein Schlaganfall oder Herzinfarkt, wenn etwa die Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel durchbluten, nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Auch Lähmungen sind mögliche Konsequenzen einer Aortendissektion.

Wie häufig ist eine Aortendissektion?

Aortendissektionen sind eher selten: Auf 100.000 Personen kommen aktuellen Daten zufolge rund 12 Fälle. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind Männer, Frauen haben ein geringeres Risiko. Jährlich sterben in Deutschland zirka 900 Menschen an einem Einriss der Aortenwand.

Aortendissektion: Formen und Einteilung

Die Aorta ähnelt in ihrer Form einem Gehstock: Vom Herzen aus steigt sie erst auf, biegt sich dann (Aortenbogen) und verläuft anschließend nach unten in Richtung Beine. Von der Hauptschlagader gehen zahlreiche Arterien ab, die die Organe und Muskeln versorgen.

Je nachdem, ob die Aortendissektion im aufsteigenden oder absteigenden Bereich der Hauptschlagader vorkommt, wird nach der Stanford-Klassifikation zwischen einer Typ A- oder Typ B-Dissektion unterschieden.

Typ-A-Aortendissektion

 Mit 70 Prozent fällt ein Großteil der Dissektionen auf die Typ-A-Aortendissektion. Dabei liegt der Intimaeinriss im aufsteigenden Teil der Aorta (Aorta ascendens) und im Aortenbogen. Sie kann sich von hier aus über die gesamte Hauptschlagader erstrecken. Eine akute Typ-A-Aortendissektion gilt als einer der gravierendsten Notfälle im Bereich der Herzchirurgie und bedarf einer schnellstmöglichen medizinischen/chirurgischen Versorgung. Mögliche Komplikationen sind eine Aortenruptur: Dabei hält auch die äußerste Bindegewebeschicht dem wachsenden Druck der Einblutung nicht mehr stand und reißt plötzlich. Der Tod tritt dann oftmals sofort ein. Daneben kann es auch zu Einblutungen in den Herzbeutel kommen. Fachleute sprechen auch von einer Herzbeuteltamponade, in deren Folge das Herz kaum noch schlagen kann. Auch dies gilt als lebensbedrohliche Komplikation.

Typ-B-Artoendissektion

Der B-Typ einer Aortendissektion tritt mit rund 30 Prozent seltener auf, dabei kommt es zu einer Einblutung in die Gefäßwand im absteigenden Teil der Aorta (Aorta descendens). Das Risiko für schwerwiegende Komplikationen ist bei dieser Form deutlich geringer, nicht zuletzt deshalb, weil der Blutdruck in diesem Gefäßabschnitt niedriger ist und die Gefäßwand nicht so stark beansprucht wird.

Chronische Aortendissektion

Eine Aortendissektion kann akut oder chronisch verlaufen, im zweiten Fall besteht die Einblutung in die Gefäßwand über mindestens zwei Wochen hinweg. Eine chronisch Aortendissektion schreitet langsam voran und gilt auch als weniger gefährlich. Trotzdem muss eine regelmäßige Verlaufskontrolle erfolgen. Kommen plötzlich neue Beschwerden hinzu, ist sofort ärztliche Hilfe einzuholen.

Ursachen und Risikofaktoren einer Aortendissektion

Die genauen Ursachen für die Entstehung einer Aortendissektion sind bislang nicht vollständig geklärt. So ist die Forschung beispielsweise noch dabei herauszufinden, warum Aortendissektionen gehäuft im Winter vorkommen und vor allem am Morgen beziehungsweise Vormittag auftreten.

Gesichert ist allerdings, dass die Gefäßerkrankung mit einem altersbedingten Verschleiß einhergeht: Ein Großteil der Fälle ereignet sich ab dem 60. Lebensjahr. 

Darüber hinaus kommen weitere Ursachen und Risikofaktoren infrage:

  • Bluthochdruck
  • Arteriosklerose
  • Gefäßentzündungen (Vaskulitiden)
  • Erbkrankheiten, die mit schwachem Bindegewebe einhergehen (Marfan-Syndrom oder auch Ehlers-Danlos-Syndrom)
  • Vorangegangene Herzoperationen oder auch Katheteruntersuchungen und -behandlungen
  • Rauchen
  • Angeborene Herzklappenfehler (wie etwa eine bikuspidale Aortenklappe)
  • Plötzliche Blutdruckerhöhungen wie beim Gewichtheben
  • Drogenkonsum (etwa Kokain oder Ecstasy)
  • Schwangerschaft und Geburt
  • Bestehende Aussackungen der Gefäßwand (Aortenaneurysma)

Auch Unfälle wie ein Sturz aus großer Höhe können eine Verletzung der Blutgefäße und damit eine Aortendissektion bedingen. 

Aortendissektion: Welche Symptome sind typisch?

Je nach Lage treten verschiedene Beschwerden auf, eine chronische Aortendissektion im absteigenden Teil der Aorta kann auch symptomlos verlaufen.

Im Fall einer akuten Aortendissektion kommt es hingegen zu heftigen Symptomen, wie plötzlich einsetzenden, reißenden oder stechenden Schmerzen in der Brust oder dem Rücken. Die Schmerzen sind häufig so heftig, dass sie bei Betroffenen Todesangst auslösen. Deshalb werden sie auch als "Vernichtungsschmerz" bezeichnet. 

Je nachdem, wo die Blutzufuhr durch die Aortendissektion eingeschränkt wird, können weitere Symptome auftreten, etwa:

  • Luftnot
  • Lähmungen in den Gliedmaßen
  • Empfindungsstörungen wie Kribbeln in den Fingern
  • Fehlender Puls am Hals, Handgelenk oder Knöchel
  • Bewusstseinsstörungen und Ohnmacht
  • Hängendes Augenlid und/oder Mundwinkel

Daneben sind Durchblutungsstörungen des Darms oder der Nieren möglich, die sich unter anderem über starke Bauchschmerzen äußern oder in einem Nierenversagen enden können.

Treten Symptome wie plötzliche und heftige Schmerzen in der Brust auf, ist sofort ein Notruf zu wählen. Selbst wenn keine Aortendissektion der Auslöser ist, kann eine schwerwiegende Erkrankung wie ein Herzinfarkt dahinterstecken.

Diagnose: Wie wird eine Aortendissektion festgestellt?

Aufgrund der ähnlichen Symptome eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts kommt es des Öfteren zu einer falschen Erstbehandlung durch das Notfallteam. Deshalb ist eine fundierte Diagnostik wichtig. Hinweise auf eine Aortendissektion können unter anderem bestehende Risikofaktoren sein, welche die*der behandelnde Ärztin*Arzt meist abfragt.

Zum Ausschluss eines Infarkts wird unter anderem ein Elektrokardiogramm (EKG) angefertigt. Eine gesicherte Diagnose ist in der Regel erst durch bildgebende Verfahren wie einer Computertomografie (CT) möglich. In manchen Fällen wird alternativ eine Magnetresonanztomografie eingesetzt.

Darüber hinaus kann eine Blutdruckmessung an beiden Armen sinnvoll sein, eine große Differenz der Werte kann ein Indiz für die Erkrankung sein.

Wie wird eine Aortendissektion behandelt?

Unbehandelt versterben rund 60 Prozent der Patient*innen innerhalb der ersten 48 Stunden an einer akuten Typ-A-Aortendissektion. Pro verstrichener Stunde steigt das Risiko um etwa zwei Prozent an. Deshalb ist eine schnellstmögliche Behandlung notwendig.

Behandlung einer akuten Typ-A-Aortendissektion

Zunächst werden Patient*innen Medikamente verabreicht, die zum einen die Schmerzen lindern und zum anderen den Blutdruck senken sollen, um die Aorta und damit die Gefäßwand zu entlasten. Um die Schäden an der Aortenwand zu beheben, ist eine Operation am offenen Brustkorb unausweichlich. In der Regel wird der zerstörte Gefäßabschnitt mithilfe einer Gefäßprothese repariert. Solche Implantate werden meist aus Kunststoff gefertigt und sind damit sehr widerstandsfähig. Darüber hinaus kann manchmal auch der Einsatz einer künstlichen Herzklappe notwendig sein.

Im Anschluss an die Operation müssen Betroffene weiterhin intensivmedizinisch betreut werden. Es bedarf eines längeren Aufenthalts in einer Klinik. Akute Typ-A-Aortendissektionen werden, falls möglich, in einem spezialisierten Herzzentrum behandelt.

Behandlung einer Typ-B-Aortendissektion

Im Falle einer chronischen Form oder einer Typ-B-Aortendissektion, die mit leichten Beschwerden einhergeht, reicht zu Beginn oftmals eine medikamentöse Behandlung etwa zur Senkung des Blutdrucks aus. Daneben erfolgt eine engmaschige Überwachung, um Veränderungen und Verschlimmerungen wie eine Ruptur frühzeitig entdecken und therapieren zu können. Droht etwa die Aorta zu reißen, ist auch hier eine Operation und der Einsatz einer Gefäßprothese oder eines endovaskulären Stents (Gefäßgerüst aus Metall) notwendig. Der Eingriff kann in einigen Fällen minimalinvasiv erfolgen, der Gefäßersatz wird dann mittels Katheter über einen kleinen Schnitt in der Leistengegend in ein Gefäß eingebracht und zur betreffenden Stelle geschoben.

Aortendissektion: Verlauf und Nachsorge

Unbehandelt verläuft eine akute Aortendissektion in der Regel tödlich. Bei frühzeitiger Behandlung überleben rund 80 Prozent der Betroffenen die Typ-A-Aortendissektion. Ist der absteigende Aortenabschnitt betroffen, ist die Prognose günstiger.

Um die Aorta nach einer überstandenen Dissektion zu schützen, ist es wichtig, den Blutdruck weiterhin zu kontrollieren und niedrig einzustellen. Hierzu müssen regelmäßig Blutdrucksenker eingenommen werden. Auch gilt es, einen herzgesunden Lebensstil zu pflegen und beispielsweise mit dem Rauchen aufzuhören.

Darüber hinaus sind anschließende Kontrolluntersuchungen wichtig, um weitere Probleme von Herz und Gefäßen frühzeitig aufdecken zu können. Entsprechende Untersuchungen werden direkt nach Aortendissektion alle drei bis sechs Monate empfohlen, später dann etwa einmal jährlich.

Lässt sich einer Aortendissektion vorbeugen?

Meist tritt eine Aortendissektion plötzlich auf, erste Warnzeichen gibt es nicht. Deshalb ist es schwierig, gezielt vorzubeugen. Allerdings kann ein gesunder, rauchfreier Lebensstil helfen, Herz und Blutgefäße zu schützen und auch Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Arteriosklerose zu verhindern. 

Im Fall von Vorerkrankungen wie einem bestehenden Bluthochdruck oder auch Diabetes mellitus sollten diese behandelt und richtig eingestellt sein, da auch dies das Risiko einer Arteriosklerose und damit für eine Aortendissektion reduziert.