Lungenhochdruck führt oft zu Herzversagen.
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Ohne Behandlung oft tödlich

Pulmonale Hypertonie: Gefährlicher Lungenhochdruck

Ist von erhöhtem Blutdruck die Rede, ist in der Regel der arterielle Bluthochdruck in den großen Gefäßen, die vom Herz wegführen, gemeint. Bluthochdruck kann allerdings in allen Gefäßen vorkommen, so auch in denen der Lunge. Chronisch erhöhter Druck in den Gefäßen des Lungenkreislaufs wird fachsprachlich als pulmonale Hypertonie bezeichnet.

Was ist eine Pulmonale Hypertonie?

Bei einem gesunden Menschen liegt der Blutdruck in den Lungenarterien im Mittel bei unter 20 mmHg. Die Druckverhältnisse im kleinen Lungenkreislauf sind um ein Vielfaches geringer als im großen Körperkreislauf. Das schützt vor allem die kleinen Kapillaren, in denen der Gasaustausch stattfindet. Bei einer pulmonalen Hypertonie sind die Werte dauerhaft erhöht und liegen über 25 mmHg, wenn der Körper in Ruhe ist. Der Bereich dazwischen, also zwischen 21 und 24 mmHg kann als symptomfreie Vorstufe betrachtet werden und wird auch latente (verborgene) pulmonale Hypertonie genannt.

Pulmonale Hypertonie ist ein Obergriff, unter welchem eine Vielzahl an Krankheitsbildern und Ursachen für den Lungenhochdruck zusammengefasst sind.

Entstehungsmechanismus: Das passiert bei der pulmonalen Hypertonie

Bei einer pulmonalen Hypertonie sind die Blutgefäße der Lunge verengt, wodurch der Strömungswiderstand des Blutes und infolgedessen der Druck erhöht sind. Die Gefäßverengung kann vielfältige Ursachen haben. Durch den erhöhten Druck in den verengten Gefäßen, kommt es mit der Zeit zu einer Umbildung der Gefäßwände. Diese verdicken sich immer weiter, was den Zustand der Betroffenen verschlimmert und den Druck weiter ansteigen lässt.

Der Lungenkreislauf dient der Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff. Aus der rechten Herzkammer wird sauerstoffarmes Blut zur Lunge gepumpt. Der vom Herzen wegführende Lungenstamm (Truncus pulmonalis) teilt sich bald in eine linke und eine rechte Lungenarterie, die in den jeweiligen Lungenflügel führt. Nach dem Gasaustausch in den feinen Kapillaren, gelangt das sauerstoffreiche Blut über Lungenvenen zum linken Vorhof des Herzens.

Besteht der Lungenhochdruck über einen längeren Zeitraum hinweg, verdicken sich nicht nur die Gefäßwände der Lunge, sondern auch der Herzmuskel. Die Verdickung der rechten Herzhälfte im Zuge des Lungenhochdrucks wird auch als Cor pulmonale (Lungenherz) bezeichnet. Das Herz muss bei erhöhtem Widerstand kräftiger pumpen, um noch ausreichend Blut in den Lungenkreislauf zu befördern. 

Kann nicht mehr genügend Blut durch den Lungenkreislauf fließen, ist die Sauerstoffversorgung des Körpers reduziert, deshalb sind von einer pulmonalen Hypertonie Betroffene weniger leistungsfähig. Schreitet die Verengung der Lungengefäße voran und wird der Körper immer weniger mit Sauerstoff versorgt, kann es zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommen. Insbesondere die rechte Herzkammer wird zunehmend belastet, die pulmonale Hypertonie kann zu einer Rechtsherzinsuffizienz (Herzschwäche) führen.

Unterscheiden lassen sich zwei Formen des Lungenhochdrucks:

  • Präkapillare pulmonale Hypertonie: Bei der präkapillaren Form des Lungenhochdrucks ist vor allem die Lungenarterie betroffen. Sie wird auch pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) genannt.
  • Postkapillare pulmonale Hypertonie: Die postkapillare Form entsteht häufig durch eine Erkrankung der linken Herzhälfte, durch welche sich Blut in den Lungengefäßen staut.

Pulmonale Hypertonie: Was sind die Ursachen für den Lungenhochdruck

In der Regel wird die pulmonale Hypertonie durch eine Grunderkrankung verursacht. In seltenen Fällen entsteht sie, ohne dass eine andere Krankheit zugrunde liegt. Ärzte sprechen dann von einer primären oder auch idiopathischen pulmonalen Hypertonie. Oft besteht ein Ungleichgewicht von gefäßerweiternden und gefäßverengenden körpereigenen Botenstoffen. Teilweise spielen genetische Faktoren eine Rolle, häufig sind mehrere Familienmitglieder von dem Lungenhochdruck betroffen (hereditäre Form).

Bei der sekundären pulmonalen Hypertonie können zahlreiche Erkrankungen als Auslöser infrage kommen. Eine Linksherzinsuffizienz, Sauerstoffmangel sowie Erkrankungen der Lunge können den Lungenhochdruck bedingen:

Mögliche Erkrankungen, die eine pulmonale Hypertonie verursachen können:

  • HIV-Infektion
  • Angeborene Herzfehler
  • Lungenfibrose
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen)
  • Parasiten-Infektion mit dem tropischen Pärchenegel (Saugwürmer, die das Krankheitsbild der Bilharziose auch Schistosomiasis genannt, auslösen)

Auch eine vorangegangene Lungenembolie kann den Lungenhochdruck bedingen, wenn Narbengewebe im Blutgefäß den Fließwiderstand erhöht (thrombembolische pulmonale Hypertonie). Außerdem können Drogen, Toxine und Medikamente wie Appetitzügler als Auslöser für die pulmonale Hypertonie infrage kommen.

Symptome: Wie äußert sich Lungenhochdruck?

Eine pulmonale Hypertonie äußert sich meist erst spät durch Symptome, die unterschiedlich stark ausfallen können. Betroffene werden oft beim Arzt vorstellig und klagen über:

  • Blaue Lippen (Zyanose)
  • Schnelle Ermüdbarkeit und Erschöpfung
  • Schwellungen in den Beinen
  • Atemnot vor allem nach Anstrengung
  • Beschleunigte Herzfrequenz (Sinustachykardie)
  • Schwindel

In schwerwiegenden Fällen kann es auch zu Ohnmacht nach körperlicher Anstrengung kommen. Einige Symptome der pulmonalen Hypertonie, etwa die Schwellungen in den Beinen, entstehen durch die Herzschwäche, also wenn das Herz durch den Lungenhochdruck bereits stark geschädigt wurde.

Lungenhochdruck: So stellt ein Arzt die Diagnose pulmonale Hypertonie

Die Lungenhochdruck-Symptome sind nicht trennscharf von anderen Erkrankungen abzugrenzen, weshalb ein Arzt viele Untersuchungen machen muss, um die genaue Ursache zu finden und die pulmonale Hypertonie festzustellen. Die Untersuchung sollte am besten in einem auf pulmonale Hypertonie spezialisierten Fachzentrum erfolgen, denn es kommt wegen der unklaren Symptome oftmals zu einer Fehldiagnose.

Zu den wichtigsten Untersuchungen bei Verdacht auf eine pulmonale Hypertonie gehören unter anderem:

  • Transthorakale Echokardiografie (spezielle Ultraschalluntersuchung des Brustbereichs)
  • Röntgenuntersuchung des Brustkorbs
  • Lungenfunktionstest (Spirometrie)
  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Computertomografie (CT)
  • Bestimmung der Blutgaswerte

Besonders aussagekräftig für die Diagnose ist die Ultraschalluntersuchung des Brustkorbs. Die anderen Untersuchungen können teilweise ohne Befund sein, obwohl ein erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf besteht.

Blutdruck messen in der Lunge

Auch eine Blutdruckmessung in der Lunge wird meist für die Diagnose der pulmonalen Hypertonie durchgeführt.  Der Blutdruck kann nicht einfach von außen mit einer Manschette gemessen werden, sondern ist nur mit einem Katheter möglich. Der Eingriff muss von einem Spezialisten durchgeführt werden, denn es können Komplikationen auftreten.

Pulmonale Hypertonie: Therapie bei Lungenhochdruck

Unbehandelt kann die pulmonale Hypertonie zu Herzversagen führen. Deshalb ist es besonders wichtig, den Hochdruck in der Lunge früh festzustellen und zu behandeln. Eine spezielle Therapie gegen pulmonale Hypertonie gibt es nicht. Eine vollständige Heilung ist nicht möglich, aber eine Linderung der Symptome. Verursacht eine bestehende Grunderkrankung den Lungenhochdruck, muss diese vorrangig behandelt werden. Der Lungenhochdruck wird oft mit Medikamenten therapiert, die gefäßerweiternd wirken. 

Für manche Formen der Hypertonie in der Lunge gibt es eine gesonderte Behandlungsform. So zum Beispiel bei der thrombembolischen pulmonalen Hypertonie. Lungenhochdruck nach einer Embolie kann beispielsweise durch einen sehr komplexen Eingriff (pulmonale Endarteriektomie) behandelt werden, bei dem das durch den Gefäßverschluss entstandene Narbengewebe operativ entfernt wird. Diese Operation ist mit einem großen Risiko verbunden, doch kann sie Betroffenen oft viel Lebensqualität wiedergeben. Auch die Lebenserwartung steigt nach einem erfolgreichen Eingriff stark an.

Pulmonale Hypertonie: Ohne Behandlung oft tödlich

Unbehandelt hat eine pulmonale Hypertonie eine sehr schlechte Prognose. Ohne Therapiemaßnahmen überleben Betroffene im Durchschnitt nicht einmal vier Jahre. Je höher der Druck in den Lungengefäßen, desto ungünstiger ist die Prognose. Die Lebenserwartung hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise dem Alter des Patienten oder auch dem Zeitpunkt der Diagnosestellung.

Die Lebensqualität von Betroffenen kann stark eingeschränkt sein. Die Symptome wie ständige Erschöpfung und Kurzatmigkeit können eine große Einschränkung darstellen. Betroffene sollen starke körperliche Belastung meiden, da dies den Druck noch temporär erhöhen kann. Ein Arzt kann aber ein moderates Bewegungsprogramm auf den Patienten abstimmen, das kann die Situation mancher Patienten verbessern. 

Auch müssen weitere Lebensstilfaktoren, die das Herz-Kreislaufsystem belasten eingeschränkt werden, da diese die Aussichten für einen an Lungenhochdruck erkrankten Menschen drastisch verschlechtert und das Voranschreiten der Erkrankung fördert. So kann Rauchen beispielsweise die Überlebenschancen bei bestehendem Lungenhochdruck stark reduzieren und sollte möglichst vermieden werden.

Dem Lungenhochdruck vorbeugen

Einer pulmonalen Hypertonie vorzubeugen ist nur indirekt möglich, da sie meist als Folge einer bestehenden Grunderkrankung auftritt. Wichtig ist vor allem, die Risikofaktoren zu kennen und bei einer Krankheit, die den Lungenhochdruck zur Folge haben kann, regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt wahrzunehmen. So kann ein möglicher Lungenhochdruck schnell erkannt und Folgeschäden eingedämmt werden.