Mann hat wegen einer Lungenembolie Atemnot und Schmerzen in der Brust
© GettyImages/ljubaphoto
Medizinischer Notfall

Lungenembolie: Wie entsteht sie und wie wird sie behandelt?

Eine Lungenembolie entsteht, wenn sich eine Arterie in der Lunge verschließt. Dabei handelt es sich um einen medizinischen Notfall, der schnellstmöglich behandelt werden muss – denn schlimmstenfalls besteht Lebensgefahr. Erfahren Sie hier alles rund um Symptome, Ursachen und Behandlung!

Was ist eine Lungenembolie?

Unser gesamter Organismus ist von einem Netz fein verzweigter Blutgefäße durchzogen. So gelingt es, jedes Organ und Gewebe des Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Der Verschluss eines oder mehrerer Blutgefäße ist fatal: Der Blutkreislauf ist dann unterbrochen. Setzt sich in der Lunge ein sogenannter Embolus (Pfropf) fest, kann sich daraus eine Lungenembolie entwickeln. Pro Jahr und 100.000 Einwohner kommt es in Deutschland zu bis zu 200 Fällen einer Pulmonalarterienthrombembolie.

Eine Lungenembolie kann mitunter für den gesamten Körper verheerende Folge haben: Das Blut wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff angereichert. Obwohl die Atmung an sich reibungslos funktioniert, kommt es zum Sauerstoffmangel.

Ärzt*innen unterscheiden in erster Linie drei Formen der Lungenembolie:

  • Akute Lungenembolie: die Erkrankung entwickelt sich plötzlich, zuvor gab es keine chronischen Schädigungen von Lungengefäßen.
  • Akut auf chronische Lungenembolie: Embolie fußt auf einer vorherigen, teilweisen Verstopfung von Blutgefäßen in der Lunge (Betroffene bemerken im Vorfeld zum Beispiel bereits Kurzatmigkeit).
  • Primär chronische Lungenembolie: Erkrankung hat sich schleichend über einen längeren Zeitraum entwickelt, bis sich eines oder mehrere Gefäße verschließen.

Ursachen: Wie entsteht eine Lungenembolie?

In den meisten Fällen ist ein Blutgerinnsel Ursache für eine Lungenembolie. Blutgerinnsel bildet der Körper natürlicherweise bei Verletzungen: Sie sollen die entstandene Wunde verschließen und die Blutung stoppen. Sie entstehen nicht nur bei äußerlich sichtbaren Verletzungen, sondern auch bei inneren.

Problematisch wird es, wenn sich ein Gerinnsel innerhalb des Herz-Kreislauf-Systems ablöst und vom Blutstrom in andere Teile des Körpers gespült wird. Besonders in den feinen Arterien der Lunge kann der sogenannte Embolus leicht stecken bleiben und ein Gefäß verschließen. Zweigen davon hinter der Verstopfung noch weitere Arterien ab, sind auch sie vom Blutkreislauf abgeschnitten.

Typisch für Lungenembolien sind Gerinnsel aus den Venen im Becken oder in den Beinen. Ursache ist in vielen Fällen Bewegungsmangel. Langsam fließendes Blut begünstigt Ablagerungen an den Gefäßwänden, die dadurch zunehmend starr werden, leichter einreißen und letztendlich die Bildung von Gerinnseln bedingen. Menschen, die viel sitzen oder durch eine Operation längere Zeit bettlägerig werden, sind besonders gefährdet.

Weitere Risikofaktoren, welche die Entwicklung von Blutgerinnseln und Lungenembolien begünstigen:

  • hohes Lebensalter (Neigung zu Ablagerungen in Gefäßen steigt)
  • Rauchen
  • Verletzungen im Bereich von Hüfte, Becken oder Beinen
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Thrombose oder ein überstandener Schlaganfall in der Vergangenheit
  • Erkrankungen der Nieren
  • Medikamente mit weiblichen Geschlechtshormonen (zum Beispiel die "Pille")
  • komplizierte, natürliche Geburt oder Kaiserschnitt
  • Krebserkrankungen

Darüber hinaus verursachen gelegentlich Operationen oder das Einsetzen eines Katheters sowie Knochenbrüche eine Lungenembolie. Löst sich dabei beispielsweise aus dem Knochenmark eine größere Menge Fett ab (Fettembolie) oder gelangt Luft ins Gefäßsystem (Luftembolie) kann auch hier eine Lungenarterie verstopfen.

Lungenembolie: Anzeichen und Symptome

Eine Lungenembolie kann sich von Mensch zu Mensch unterschiedlich äußern. Die Symptome hängen dabei nicht nur vom bisherigen Gesundheitszustand, sondern auch von der betroffenen Lungenarterie sowie vom Ausmaß der Verstopfung ab. Schwächere Embolien verlaufen manchmal völlig unbemerkt, während ausgeprägtere Varianten unter Umständen mit Lebensgefahr einhergehen.

Zu den häufigsten Anzeichen einer Lungenembolie zählen:

  • Kurzatmigkeit (Beschleunigung der Atmung)
  • Luftnot
  • Brust- und/oder Lungenschmerzen
  • Unruhezustände, Angst
  • erhöhter Puls
  • Herzrhythmusstörungen
  • Verwirrtheit
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zur Ohnmacht

Fällt die Versorgung des Lungenbereichs hinter dem betroffenen Blutgefäß komplett aus, kann außerdem ein Lungeninfarkt hinzukommen. Die Symptome der Lungenembolie erweitern sich dann gegebenenfalls um stechende Lungenschmerzen und das Abhusten von Blut. Anders als das Herz kann sich die Lunge aber von einem Infarkt erholen.

Mitunter zieht eine Lungenembolie auch das Herz in Mitleidenschaft: Es muss verstärkt pumpen, um „ausgefallene“ Lungenarterien zu ersetzen und eine ausreichende Versorgung des Organismus mit Sauerstoff sicherzustellen. Eine Beteiligung des Herzens erhöht die Gefahr lebensbedrohlicher Konsequenzen. Die Diagnose lautet in diesem Fall „Lungenembolie mit akutem Cor pulmonale“, dabei weitet sich die rechte Herzkammer extrem aus.

Diagnose einer Lungenembolie

Um eine Lungenembolie festzustellen, haben Mediziner*innen mehrere Optionen. Neben einer genauen Anamnese und einer ersten körperlichen Untersuchung kommen diese Verfahren zum Einsatz:

  • Blutuntersuchung: zum Beispiel im Hinblick auf D-Dimere als Biomarker bei Thrombosen
  • Röntgenuntersuchung des Brustkorbs: die Bilder können allerdings vor allem zu Beginn noch unauffällig sein
  • Elektrokardiogramm: Ein EKG macht die Auswirkungen einer Lungenembolie auf das Herz sichtbar
  • Blutgasanalyse: Sie gibt an, wie hoch die Anteile der Atemgase im Blut sind – das lässt Aussagen über die Funktionsfähigkeit der Lunge zu
  • Computertomografie (alternativ auch Magnetresonanztomografie): Die beiden bildgebenden Verfahren erlauben einen detaillierten Blick ins Innere der Lunge
  • Szintigrafie: Dabei wird eine leicht radioaktive Substanz in die Lunge eingebracht – lagert sie sich in einem Bereich nicht oder nur sehr wenig an, kann das auf Durchblutungsstörungen hinweisen.
  • Ultraschall von Herz, Lunge und Beinvenen: Mittels Ultraschall lässt sich eine Thrombose nachweisen, erhärtet das den Verdacht auf eine Lungenembolie
  • Pulmonalisangiografie: Über einen Katheter bringt der*die Mediziner*in Kontrastmittel in die großen Lungengefäße ein. Das erleichtert die Darstellung der Blutgefäße in der Lunge, beispielsweise bei Röntgenuntersuchungen, Magnetresonanztomografie oder Computertomografie

Für Ärzt*innen ist der Befund häufig eine Herausforderung. Unter anderem liegt das daran, dass die Beschwerden bei einer Lungenembolie nicht immer eindeutig sind: Sie können auch auf eine Vielzahl weiterer Erkrankungen hinweisen. Verwechslungsgefahr besteht insbesondere mit einem Herzinfarkt.

Wie wird eine Lungenembolie behandelt?

Nach Diagnosestellung wird die Therapie schnellstmöglich eingeleitet – in der Regel wird eine Lungenembolie stationär im Krankenhaus behandelt. Dort ist eine genaue Überwachung des Zustands von Herz und Lunge möglich. Je früher die Behandlung einsetzt, desto stärker sinkt das Risiko für Komplikationen und die Ablösung weiterer Blutgerinnsel.

Die genaue Therapie richtet sich nach der Schwere der Embolie beziehungsweise der Größe und Lage des Embolus in der Lunge. Setzt die Lungenembolie mit sehr starken Beschwerden ein, muss erst der Zustand stabilisiert und bei Bedarf Sauerstoff verabreicht werden. Möglicherweise ist eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. Betroffene sollten sich wenig bewegen und mit erhöhtem Oberkörper liegen.

Kleinere Blutgerinnsel kann der Körper – wenn der*die Patient*in ansonsten stabil ist – unter Umständen selbst auflösen. Unterstützden wirken blutverdünnende (gerinnungshemmende) Medikamente wie Heparin. Sie sollen verhindern, dass sich das bestehende Blutgerinnsel durch weitere Anlagerungen vergrößert. Um Lunge und Herz bei größeren Blutgerinnseln zügig zu entlasten, geben Mediziner*innen gleichzeitig mit den Gerinnungshemmern Medikamente, die zur Auflösung der Verstopfung beitragen (Lyse-Therapie).

Überwiegen im Fall einer schweren Lungenembolie die Vorteile des Eingriffs, stehen zwei Verfahren zur Auswahl: Mittels Katheter können Medikamente direkt am Ort des Geschehens verabreicht oder der Thrombus zerkleinert werden. Alternativ kommt eine Operation an der offenen Lunge infrage (pulmonale Embolektomie).

Prognose und Verlauf

Wird eine Lungenembolie rechtzeitig erkannt und effektiv behandelt, ist die Prognose in der Regel gut. Bis zur vollständigen Genesung kann es allerdings dauern: Knapp 40 Prozent der Genesenen berichten im Anschluss an eine Lungenembolie von einer länger anhaltenden, verringerten Belastbarkeit. War das Herz beteiligt, kann die Pumpleistung dauerhaft beeinträchtigt bleiben.

Seltener entsteht im Anschluss eine chronisch thromboembolische pulmonale Erkrankung (CTED). Hierbei verstopfen immer wieder Blutgerinnsel Arterien in der Lunge. Bei den betroffenen Patient*innen bilden sich die Thromben in der Lunge außerdem nicht jedes Mal vollständig zurück. Vielmehr vernarbt das Gewebe – und erschwert dauerhaft die Versorgung der Lunge und die Verteilung von Sauerstoff im Körper. In der Folge steigt der Blutdruck in der Lunge (pulmonale Hypertonie), auch das Herz kann langfristige Schäden davontragen.

Bei Menschen, die bereits im Vorfeld schwer an Lunge oder Herz erkrankt waren, steigt bei einer Lungenembolie die Gefahr für einen lebensgefährlichen Verlauf. Auch bei einer sehr stark ausgeprägten Lungenembolie kann Lebensgefahr bestehen. Der Tod tritt dann meist sehr schnell ein – bis zu 9 von 10 Todesfällen bei Lungenembolie entwickeln sich innerhalb von zwei Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome. Generell versterben Patient*innen aber nur selten an einer Lungenembolie.

Vorbeugung: Lässt sich eine Lungenembolie verhindern?

Es gibt einige Möglichkeiten, um der Entstehung von Blutgerinnseln und Verstopfungen in den Lungengefäßen vorzubeugen: 

  • Aktiver Lebensstil: Regelmäßige Bewegung kommt nicht nur dem allgemeinen Gesundheitszustand zugute, sondern hält auch den Blutkreislauf in Schwung. Insbesondere Menschen mit überwiegend sitzendem Lebensstil sollten in der Freizeit auf aktiven Ausgleich setzen und regelmäßige Bewegungspausen einlegen.
  • Vorbereitung auf bewegungsarme Phasen: Bei längeren Flugreisen können Kompressionsstrümpfe helfen, einer Thrombose oder Lungenembolie vorzubeugen. Diese unterstützen die Venen und wirken einem Blutstau entgegen. Auch sollte stets genügend getrunken werden, um einer Gerinnselbildung vorzubeugen. 
  • Verzicht auf Zigaretten: Wer es schafft, das Rauchen aufzugeben, hebelt dadurch gleichzeitig einen Risikofaktor für Blutgerinnsel aus.
  • Regelmäßige Checks und Therapietreue: Mit zunehmendem Alter ist es sinnvoll, regelmäßig die Blutwerte überprüfen zu lassen. Auffälligkeiten (zum Beispiel erhöhte Cholesterinwerte) können so rechtzeitig behandelt werden. Verordnete Medikamente sollten zuverlässig eingenommen werden.
  • Gerinnungshemmende Medikamente: Bei einem erhöhten Risiko für Thrombosen und Embolien, werden oftmals gerinnungshemmende Medikamente verschrieben. Sie werden über mehrere Monate oder sogar lebenslang eingenommen. Sie können der gefährlichen Lungenembolie vorbeugen.