Tachykardie: Frau misst Puls
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Plötzliches Herzrasen

Tachykardie: Wenn das Herz zu schnell schlägt

Bei Sport, Aufregung und Freude ist ein schneller Herzschlag normal. Doch plötzliches Herzrasen (Tachykardie) im Ruhezustand kann auf Herzprobleme hinweisen. Liegt die Ursache in den Herzkammern, kann ein lebensbedrohlicher Zustand entstehen. Hier erfahren Sie, was Sie tun können bei Herzrasen.

Tachykardie: Was bedeutet plötzliches Herzrasen?

Ein normaler Puls in Ruhe liegt bei 60 bis 90 Schlägen pro Minute. Der Herzschlag wird vom Sinusknoten im Vorhof des Herzens als elektrischer Impuls ausgelöst und an die Herzmuskeln weitergegeben, die sich dann koordiniert zusammenziehen. Sobald wir uns körperlich betätigen, uns aufregen oder freuen, erhöht sich der Puls. Kinder haben dabei grundsätzlich einen schnelleren Herzschlag als Erwachsene. Doch manchmal tritt ein plötzliches Herzrasen im Ruhezustand auf, etwa nachts. Das Herz schlägt mehr als 100 Mal pro Minute, manchmal über 140 Mal, ohne dass es dafür einen erkennbaren Anlass gibt. Der medizinische Fachausdruck dafür ist Tachykardie.

Ob eine Tachykardie gefährlich oder harmlos ist, lässt sich nur durch eine ärztliche Untersuchung klären. Das hängt davon ab, wo genau das Herzrasen entsteht. In Deutschland werden jährlich rund 61.000 Fälle von Tachykardie diagnostiziert. Dabei kann die Tachykardie sowohl akut (plötzlich) auftreten als auch als chronische Erkrankung. Sie kann junge Menschen ebenso treffen wie ältere.

Herzrasen: Verschiedene Formen der Tachykardie

Je nach Entstehungsort des Herzrasens unterscheidet die Medizin verschiedene Formen der Tachykardie.

Ventrikuläre Tachykardie (Kammertachykardie): Die elektrischen Impulse werden in den Herzkammern nicht ordnungsgemäß weitergeleitet. Dadurch entstehen zusätzliche Impulse, die zum Zusammenziehen der Herzmuskeln führen. Dabei sind die Grenzen zwischen schnellem Herzschlag, Kammerflattern und Kammerflimmern fließend. Sind die elektrischen Impulse so schnell, dass sich das Herz gar nicht mehr zusammenziehen kann, wird das pulslose ventrikuläre Tachykardie genannt. Dann besteht Lebensgefahr. Bei einer Kammertachykardie ist sofortige notärztliche Hilfe notwendig.

Supraventrikuläre Tachykardie: Das Herzrasen wird durch Störungen außerhalb der Herzkammer ausgelöst, oft in den Vorhöfen. Diese Form ist meist nicht akut lebensbedrohlich.

Paroxymale Tachykardie/AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) oder Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom): Das Herzrasen beginnt und endet sehr abrupt. Aufgrund einer erblich bedingten zusätzlichen elektrischen Verbindung im Herzen wird der elektrische Impuls des Sinusknotens beschleunigt. Diese Formen gehören zu den supraventrikulären Tachykardien.

Ursachen für Tachykardie

Für Herzrasen gibt es verschiedene Ursachen. Besonders häufig löst das Vorhofflimmern eine Tachykardie aus, insbesondere bei hochbetagten Menschen. Dann ziehen sich die Vorhöfe nicht mehr koordiniert zusammen, sondern verschiedene Muskeln reagieren durch fehlgeleitete Signale zu unterschiedlichen Zeiten. Deshalb "flimmert" der Vorhof nur noch. In den Wechseljahren sorgen die Hormonveränderungen manchmal für ein harmloses Herzrasen. Und auch psychische Einflüsse wie Stress können zu einem schnelleren Herzschlag führen.

Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die eine Tachykardie verursachen können oder das Risiko erhöhen, an Herzrasen zu leiden:

Herzrasen in der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft und manchmal auch in der Stillzeit können Hormone wie Prolaktin ein plötzliches Herzrasen auslösen. Außerdem muss das Herz gerade am Ende der Schwangerschaft mehr Blut bewegen, sodass besonders zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche viele Frauen über schnelleren Herzschlag berichten. Meist ist dieser erhöhte Puls jedoch ungefährlich. Nur in Verbindung mit weiteren Symptomen wie Abgeschlagenheit und Luftnot besteht eine Gefahr.

Symptome: Herzrasen oft von Schwindel begleitet

Beim plötzlichen Herzrasen im Ruhezustand steigt der Puls auf über 100 Schläge pro Minute. Bei manchen Betroffenen schlägt das Herz 160 oder 180 Mal pro Minute. Das fühlt sich nicht nur seltsam an, sondern wird häufig von weiteren Beschwerden begleitet:

  • Unruhe
  • Schwindelgefühl
  • Übelkeit
  • Druckgefühl auf der Brust
  • Ohnmacht

Die Tachykardie endet meistens von selbst und dauert nur relativ kurz. In manchen Fällen hält das Herzrasen allerdings mehrere Stunden lang an. Gefährlich ist es, wenn die unvorhersehbaren Symptome während des Autofahrens oder Führens von Maschinen auftreten.

Was tun wenn das Herz plötzlich zu schnell schlägt?

Bei starken Beschwerden oder einer Ohnmacht sollte sofort der Rettungsdienst verständigt werden. Insbesondere wenn das Herzrasen von Symptomen wie Atemnot, Schmerzen in der Brust oder einem starken Druckgefühl  auf der Brust begleitet ist, kann Lebensgefahr bestehen! Und auch bei weniger starken und vorübergehenden Beschwerden sollten zwingend die Ursachen ärztlich abgeklärt werden.

Wenn das Herz zu schnell schlägt, können einige Verhaltensweisen harmloses Herzrasen oft beenden: Vielen Betroffenen hilft es, tief und langsam ein- und auszuatmen. Auch das Trinken von kaltem kohlensäurehaltigem Wasser bringt das Herz häufig zur Ruhe. Außerdem wird empfohlen, kräftig in den Bauch zu drücken (ähnlich wie beim Stuhlgang).

Diagnose bei Tachykardie

Beim Arztbesuch stehen zuerst die Symptome im Mittelpunkt – wie häufig, in welchen Situationen und wie stark sie auftreten und ob es dazu Begleiterscheinungen gibt. Außerdem sind bekannte Herzerkrankungen oder Stoffwechselstörungen wichtig. Dann wird meist ein Ruhe-EKG sowie ein Belastungs- oder Langzeit-EKG gemacht. Gut ist es, wenn das EKG während eines Anfalls von Tachykardie aufgezeichnet werden kann. Deshalb ist bei Beschwerden ein schneller Arztbesuch sinnvoll.

Mit einem Herzultraschall kann der Arzt*die Ärztin kontrollieren, ob das Herz beim Schlagen unauffällig wirkt oder direkt Veränderungen zu sehen sind. Eine Blutuntersuchung offenbart Stoffwechselstörungen oder einen Mangel an Mineralien.

In vielen Fällen zeigen diese Untersuchungen jedoch keine Auffälligkeiten. Störungen in der Reizweiterleitung sind nur durch eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU) feststellbar. Dafür wird durch eine Vene ein Herzkatheter bis ins Herz geschoben, der vor Ort die elektrischen Ströme messen kann. Mit mehreren Elektroden dokumentiert er die elektrischen Impulse an den einzelnen Reizweiterleitungspunkten im Herzen. So können Fehler in der Signalweiterleitung entdeckt werden. In manchen Fällen sind auch ein MRT oder ein CT des Herzens sinnvoll.

Welche Medikamente bei Tachykardie?

Ist das Herz gesund, so ist bei einigen Formen der Tachykardie keine Behandlung nötig. Sind Erkrankungen des Herzens oder Stoffwechselstörungen die Ursache für das Herzrasen, so gilt es, diese zu behandeln. Häufig werden dabei Medikamente eingesetzt. Spezielle Wirkstoffe wie Betablocker oder Digitalisglykoside (Antiarrythmika) können einen gleichmäßigen Herzschlag fördern. Bei Tachykardie in der Schwangerschaft kann der Wirkstoff Bromocriptin die Bildung des Hormons Prolaktin hemmen. Besteht wegen des unkoordinierten Zusammenziehens des Herzens oder der Vorhöfe die Gefahr von Thrombosen, werden Blutgerinnungshemmer verschrieben.

Sind zusätzliche elektrische Verbindungen der Grund für das Herzrasen, etwa bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie oder dem Wolff-Parkinson-White-Syndrom, wird diese Leitung während der Katheteruntersuchung direkt verödet (Katheterablation). Bei manchen Ursachen kann auch der Einsatz eines Defibrillators sinnvoll sein. Winzige implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) werden an der Brust unter der Haut eingesetzt und leiten bei Herzrasen einen elektrischen Impuls direkt ins Herzen. Dadurch unterbricht das Gerät das Signalchaos und löst wieder einen normalen, gleichmäßigen Herzschlag aus.

Vorbeugen gegen Herzrasen

Mit einem gesunden Lebensstil lässt sich vielen Herzerkrankungen und damit auch Herzrasen vorbeugen. Insbesondere regelmäßige sportliche Betätigung stärkt das Herz. Ansonsten sorgen diese Maßnahmen für Herzgesundheit:

  • Verzicht auf Nikotin
  • Normales Gewicht
  • Gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse und wenig Fett und Cholesterin
  • Alkohol nur in Maßen
  • Vermeiden von Stress