Ältere Mann wird per Ultraschall am Hals auf eine bestehende Carotisstenose hin untersucht.
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Oft hilft nur eine Operation

Carotisstenose: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Carotisstenose ist eine Verengung der Halsschlagader, Ursache ist meist Arteriosklerose. Diese Arterienverkalkung schreitet sehr langsam voran und bleibt daher oftmals unentdeckt, im fortgeschrittenen Stadium kann sie jedoch zu einem Schlaganfall führen. Lesen Sie hier, welche Anzeichen auf eine Carotisstenose hinweisen, wie sie diagnostiziert und behandelt wird.

Was ist eine Carotisstenose?

Als Carotisstenose (auch Karotisstenose) wird eine Verengung (Stenose) der Halsschlagader (Carotis) bezeichnet. Die Verengung kann zu einer verminderten Durchblutung des Gehirns führen und ist ein großer Risikofaktor für die Entstehung eines Schlaganfalls.

In den meisten Fällen tritt die Verengung an der sogenannten Carotisgabel auf – das ist die Stelle, an der die Halsschlagader sich in Arteria carotis interna (versorgt das Gehirn mit Blut) und Arteria carotis externa (versorgt das Gesicht mit Blut) unterteilt.

Circa vier Prozent der Erwachsenen sind von einer mehr als 50-prozentigen Verengung der Halsschlagader betroffen, unter ihnen deutlich mehr Männer als Frauen. In Deutschland leben somit circa eine Million Menschen mit einer mehr als 50-prozentigen Verengung der Halsschlagader. Ab dem 65. Lebensjahr steigt die Häufigkeit von Carotisstenosen deutlich auf sechs bis 15 Prozent an.

Carotisstenosen sind für circa 15 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich, in Deutschland werden circa 30.000 Schlaganfälle pro Jahr durch eine Carotisstenose ausgelöst. 

Ursachen einer Carotisstenose

In mehr als 90 Prozent der Fälle ist eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung) für die Entstehung einer Carotisstenose verantwortlich. Dabei lagern sich Blutfette, Blutgerinnsel, Bindegewebe und Kalk in den Gefäßwänden an und führen zur Bildung von sogenannten Plaques, welche die Blutgefäße zunehmend verengen oder auch akut verschließen. 

Folgende Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose:

  • Rauchen
  • hoher Blutdruck
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Bewegungsmangel
  • fettreiche Ernährung
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Fettstoffwechselstörungen
  • genetische Veranlagung

Carotisstenose: Oftmals lange symptomlos

Im Anfangsstadium einer Carotisstenose treten meist keine Symptome auf, weil die Schlagader nur geringfügig verengt ist – Fachleute sprechen in diesem Fall von einer asymptomatischen Carotisstenose. Bei einer symptomatischen Carotisstenose kommt es durch die unzureichende Durchblutung des Gehirns zunächst zu vorübergehenden neurologischen Ausfallerscheinungen wie

  • Sehstörungen
  • Schwindel
  • Sprachstörungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Gefühlsstörungen

Diese Warnsignale verschwinden meist innerhalb von Minuten oder maximal 24 Stunden wieder und werden von Mediziner*innen als transitorische ischämische Attacke (TIA) bezeichnet. Halten sie länger als einen Tag an, sprechen Fachleute von einem prolongierten reversiblen ischämischen neurologischen Defizit (PRIND), im Volksmund auch als „kleiner Schlaganfall“ bezeichnet. Auch bei einem PRIND bilden sich die Symptome innerhalb von maximal drei Wochen zurück.

TIA und PRIND sind jedoch oft Vorboten eines schweren Schlaganfalls mit bleibenden Schäden. Dabei wird das Gehirn durch ein verengtes oder verschlossenes Gefäß dauerhaft mit zu wenig Blut und Nährstoffen versorgt, es kommt zum Absterben von Nervenzellen und bleibenden motorischen, sensiblen und kognitiven Ausfällen.

Diagnose: So wird eine Carotisstenose festgestellt

Oft fällt eine Carotisstenose schon beim Abhören der Halsgefäße mit einem Stethoskop durch typische Strömungsgeräusche auf. Mithilfe einer speziellen Ultraschalluntersuchung (Duplexsonografie) kann das genaue Ausmaß der Verengung festgestellt werden. Bei nicht eindeutigem Ergebnis oder zur Planung der Behandlung wird zusätzlich eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT) vorgenommen, um die Halsgefäße und möglicherweise geschädigte Hirnareale besser beurteilen zu können. In seltenen Fällen wird auch eine Angiographie durchgeführt, bei der das betroffene Blutgefäß mithilfe von eingespritztem Kontrastmittel sichtbar gemacht wird.

Behandlung einer Carotisstenose: Operation oder nicht?

Ziel der Therapie einer Carotisstenose ist die Wiederherstellung einer optimalen Blutversorgung des Gehirns und die Verhinderung eines Schlaganfalls. Erste und wichtigste Maßnahme ist daher die Beseitigung aller beeinflussbaren Risikofaktoren, empfohlen wird daher:

  • Gewichtsreduktion
  • Nikotinverzicht
  • regelmäßige Bewegung

Außerdem ist die medikamentöse Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten ratsam.

Ist die Halsschlagader nur gering verengt, genügen regelmäßige Ultraschallkontrollen, um den weiteren Verlauf im Blick zu behalten. Außerdem kommen blutverdünnende Medikamente, sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer zum Einsatz, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.

Bei einer mehr als 50-prozentigen symptomatischen Carotisstenose oder einer mehr als 60-prozentigen asymptomatischen Carotisstenose wird die Verengung durch eine Operation behoben. Bei dieser sogenannten Carotis-Thrombendarteriektomie (TEA) wird die Halsschlagader unter Vollnarkose mit einem kleinen Schnitt geöffnet und die Verkalkung herausgeschält. Anschließend wird das betroffene Gefäß wieder zusammengenäht oder bei Bedarf mit einem kleinen Kunststoffflicken (Patch) verschlossen.

Alternativ kann das betroffene Gefäß in einer minimal-invasiven OP unter örtlicher Betäubung mit einem Ballonkatheter von innen aufgedehnt und mit einem Stent versorgt werden (Stentangioplastie). Diese kleine Gefäßstütze hält das Gefäß dauerhaft offen und bewahrt Betroffene so vor einem Schlaganfall mit schwerwiegenden Folgen.

Die Operation einer Carotisstenose sollte nur in erfahrenen Zentren durchgeführt werden, da bei jedem Eingriff an der Halsschlagader das Risiko besteht, dass durch die Operation selbst ein Schlaganfall ausgelöst wird.

Carotisstenose: Verlauf und Prognose

Mithilfe einer Carotis-Operation wird die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls um 65 Prozent gesenkt. Um eine erneute Verengung der Halsschlagader auszuschließen, sollte diese nach der Operation einer Carotisstenose regelmäßig per Ultraschall kontrolliert werden. Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte werden medikamentös eingestellt, ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, gesunder Ernährung und Nikotinverzicht verringert das Risiko einer erneuten Carotisstenose erheblich. Betroffene müssen meist dauerhaft blutverdünnende Medikamente einnehmen.