Vorhofflimmern

Atriale Fibrillation, AF

Das Herz ist ein spezieller Muskel, der die Hauptarbeit beim Transport (Pumpen) des Bluts durch den Körper leistet. Das Herz besitzt zwei Vorkammern (Vorhöfe oder Atrien) sowie zwei Hauptkammern (Herzkammern oder Ventrikel), wobei das Blut aus den aus dem Körper bzw. der Lunge zum Herzen führenden Venen zunächst in die Atrien gelangt.

Vorhofflimmern
Die normale Herzfrequenz weist eine große Bandbreite auf.
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Das sauerstoffarme ("blaue") Blut gelangt über die obere und die untere Hohlvene aus dem Körperkreislauf in das rechte Atrium. Sobald sich die Vorhöfe gefüllt haben, ziehen sie sich zusammen und pressen das Blut durch die sich dabei öffnenden Atrioventrikularklappen (Trikuspidalklappe beim rechten und Mitralklappe beim linken Vorhof) in die jeweiligen Herzkammern.

Die rechte Herzkammer pumpt dann das sauerstoffarme Blut durch die Lunge, während die linke Herzkammer das sauerstoffreiche Blut in alle Regionen des Körpers pumpt. Das elektrische Reizleitungssystem stellt die korrekte Abfolge dieser Ereignisse im Herzen sicher. Der Sinusknoten fungiert als Haupttaktgeber des Herzens, der jeden einzelnen Herzschlag einleitet. Das elektrische Signal läuft dann wie eine Welle durch die Vorhöfe und gelangt zum Atrioventrikularknoten (AV-Knoten). Dieser leitet das Signal an die Herzkammern weiter, wodurch diese sich zusammenziehen und das Blut weiterpumpen, nachdem sie sich mit Blut gefüllt haben.

Was versteht man unter "Vorhofflimmern" (Atriale Fibrillation, AF)?

Normalerweise schlägt das Herz mit einer regelmäßigen Frequenz ("Sinusrhythmus"), die sich je nach körperlicher oder emotionaler Belastung beschleunigt oder verlangsamt. Diese normale Herzfrequenz weist eine große Bandbreite auf. So ist während des Schlafs eine Herzfrequenz von 40 Schlägen je Minute ebenso normal wie 200 Herzschläge je Minute unter Belastung.

Anormale Herzrhythmen (Arrhythmien) treten auf, wenn der Sinusknoten die Kontrolle über die Kontraktionen des Herzmuskels verliert und die Herzfrequenz zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig wird. Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Arrhythmien. Dabei wird der regelmäßige Sinusrhythmus plötzlich durch eine Vielzahl kleiner elektrischer Impulsgeber überall in den Vorhöfen ersetzt, die zu willkürlichen Kontraktionen der Vorhöfe führen. In der Folge kommt es zu einem unregelmäßigen, üblicherweise zu schnellem Herzschlag. Man kann sich dies als "elektrischen Kurzschluss" des üblichen Signalwegs durch die Vorhöfe vorstellen.

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Vorhofflimmern: Symptome

Bei sporadisch auftretenden Vorhofflimmern (paroxysmale AF) sind manche Patienten in der Lage, einen reproduzierbaren Auslöser für Vorhoflimmer-Episoden zu identifizieren, beispielsweise den Genuss alkoholischer Getränke, Verdauungsstörungen, Schlaf oder andere Aktivitäten. Bei den meisten Patienten treten Vorhofflimmer-Episoden jedoch ohne einen solchen reproduzierbaren, offensichtlichen Auslöser auf. Vorhofflimmern kann auch dauerhaft vorliegen (chronische AF) und mit einer Vielzahl unterschiedlicher Symptome einhergehen.

Am häufigsten werden Herzklopfen (Palpitationen) oder das Gefühl eines willkürlichen oder unregelmäßigen Herzschlags beobachtet. Weitere Symptome sind Erschöpfungszustände, Belastungsintoleranz, Kurzatmigkeit, Schwindelanfälle sowie Schmerzen und Druckgefühle in der Brust. Erstaunlicherweise sind sich manche Erkrankte mit Vorhofflimmern keinerlei Unregelmäßigkeit in ihrem Herzschlag bewusst und führen ihr Leben ohne jede Wahrnehmung einer Beeinträchtigung.

Die vermutlich schwerwiegendste Komplikation von Vorhofflimmern ist die Bildung von Blutgerinnseln im linken Vorhof. Ursächlich hierfür ist die aufgrund des Vorhofflimmerns reduzierte Pumpleistung der Vorhöfe, wodurch ein gewisses Blutvolumen in den selbigen verbleibt, anstatt hindurch zu fließen. Diese Blutgerinnsel können sich lösen und an einer beliebigen Stelle des Körpers den Blutstrom verstopfen, wodurch es zu Schäden in der entsprechenden Körperregion kommt.

Geschieht dies im Hirn, kann es zu einem Schlaganfall kommen. Bestimmte, ansonsten gesunde Vorhofflimmer-Patienten haben nur ein sehr geringes Schlaganfallrisiko. Andere hingegen, die bereits an anderen Erkrankungen wie Diabetes, hoher Blutdruck (Hypertonie) oder Herzvergrößerung (Kardiomegalie) leiden, haben ein höheres Schlaganfallrisiko. Der behandelnde Arzt sollte eingehend beraten, ob Medikamente zur Verhinderung von Blutgerinnseln eingenommen werden müssen. Üblicherweise werden zu diesem Zweck "Blutverdünner" eingesetzt.

Vorhofflimmern (Atriale Fibrillation, AF): Ursachen

Vorhofflimmern ist vermutlich die häufigste Arrhythmie, die einer medizinischen Behandlung bedarf. Zu den möglichen Ursachen zählen u. a. Erkrankungen des Herzens (z. B. Angina Pectoris und Myokardinfarkt) und der Herzklappen sowie Hypertonie (hoher Blutdruck). Diese können Überdehnungen und Vernarbungen der Vorhöfe bewirken, die zu Störungen des Reizleitungssystems des Herzens führen.

Vorhofflimmern kann auch als Begleiterkrankung anderer Erkrankungen (z. B. der Lunge oder der Schilddrüse) auftreten. Vorhofflimmern kann letztlich auch bei ansonsten gesunden Personen ohne erkennbare Ursache ("idiopathische AF") oder ohne erkennbare Grundkrankheit ("lone AF") auftreten.

Vorhofflimmern kann in jedem Alter auftreten, jedoch nimmt die Erkrankungshäufigkeit mit zunehmendem Alter zu. Nach aktuellen Schätzungen leiden mindestens fünf Prozent der Personen über 75 Jahren an Vorhofflimmern. Vorhofflimmern tritt bei Frauen wie bei Männern etwa gleich häufig auf.

Vorhofflimmern (Atriale Fibrillation, AF): Therapie

Manche Patienten mit Vorhofflimmern benötigen überhaupt keine Medikation oder müssen nur für einen begrenzten Zeitraum Medikamente einnehmen. Kann eine  Ursache für Vorhofflimmern identifiziert und diese Ursache behandelt und beseitigt werden, sollte Vorhofflimmern nicht wieder auftreten. Werden die Vorhofflimmer-Episoden beispielsweise durch den Genuss alkoholischer Getränke ausgelöst, sollten diese in der Folge gemieden werden. Ebenso kann durch Einstellung einer Schilddrüsenüberfunktion das Auftreten von dadurch verursachtem Vorhofflimmern verhindert werden. Bei den meisten Patienten ist jedoch die regelmäßige und normalerweise permanente Einnahme von Medikamenten erforderlich.

Für die medikamentöse Therapie stehen drei Kategorien von Medikamenten zur Verfügung:

  • Medikamente zur Senkung der Herzfrequenz: Diese Medikamente können keine Vorhofflimmer-Episoden verhindern oder beenden, senken die Herzfrequenz aber auf einen normaleren Wert. Das Wirkprinzip aller dieser Medikamente besteht darin, den Fluss der elektrischen Impulse durch den Atrioventrikularknoten zu behindern.
  • Medikamente zur Stabilisierung des Herzrhythmus: Diese Medikamente zielen auf die Stabilisierung der elektrischen Aktivität der Zellen des Herzens und damit auf die Wiederherstellung und Erhaltung eines normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) ab. Manche dieser Medikamente tragen auch zu einer Senkung der Herzfrequenz bei.
  • Medikamente zum "Verdünnen" des Bluts: Diese Medikamente sollen Blutgerinnsel verhindern und die Schlaganfallgefahr reduzieren. Bei der Einnahme bestimmter "Blutverdünner" müssen regelmäßig Bluttests durchgeführt werden, um den Grad der "Blutverdünnung" (Antikoagulation) zu bestimmen. Die mit der Einnahme dieser Medikamente einhergehende verstärkte Blutungsneigung kann möglicherweise die Einschränkung bestimmter Aktivitäten (z. B. Kontaktsportarten) erfordern.

Bei den meisten Patienten ist eine ein- oder mehrmalige Anpassungen oder Änderungen der Medikation an die spezifischen Bedürfnisse erforderlich. Es kann unmöglich vorhergesagt werden, ob ein bestimmtes Medikament bei einem bestimmten Patienten zum gewünschten Erfolg führt oder nicht.

Alle Medikamente besitzen mögliche Nebenwirkungen, und bei allen Medikamenten sind gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Die meisten Wirkstoffe der zweiten Kategorie haben bei entsprechend anfälligen Personen schon einmal schwerwiegende und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen hervorgerufen.

Alternative Behandlung

Vorhofflimmern kann sehr frustrierend sein und manche Patienten müssen eine Vielzahl von Medikamenten ausprobieren, um festzustellen, dass keines dieser Medikamente zufriedenstellend wirkt und dass weiterhin intolerable Symptome auftreten. In diesen Fällen stehen weitere Behandlungsoptionen zur Verfügung.

Die häufigste alternative Behandlungsform ist die so genannte AV-Knoten-Ablation. Bei diesem Eingriff wird ein dünner Draht in eine Vene eingeführt und unter Röntgen- oder Durchleuchtungskontrolle zum Herzen vorgeführt. Dann wird mithilfe dieses Drahts eine kleine Verödung am AV-Knoten gesetzt und so das elektrische Reizleitungssystem des Herzens unterbrochen.

Auf diese Weise wird verhindert, dass die vielen irritierenden elektrischen Impulse aus den Vorhöfen die Herzkammern erreichen, und eine effektive Verlangsamung des Herzschlags  erreicht. Anschließend wird ein permanenter Herzschrittmacher implantiert, der dem Herzen eine für die Aktivitäten des Alltags angemessene Herzfrequenz aufprägt.

Das Vorhofflimmern wird auf diese Weise nicht geheilt, jedoch wird verhindert, dass es das Herz zum Rasen bringt. Nach einer AV-Knoten-Ablation können möglicherweise alle mit Vorhofflimmern verbundenen Medikamente bis auf die Blutverdünner, die möglicherweise weiterhin erforderlich sind, abgesetzt werden. Der Eingriff ist üblicherweise mit einem ein- bis zweitägigen Krankenhausaufenthalt verbunden, wobei bereits nach kurzer Zeit (ein bis zwei Wochen) die maximale Aktionsfähigkeit wiederhergestellt ist.

Weiterhin besteht die Möglichkeit eines operativen Eingriffs (Korridor- oder Maze-Operation) die zu einer Rekanalisierung der elektrischen Impulse im Vorhof und damit einem Ausbleiben des Vorhofflimmerns führt. Diese Eingriffe zeigen eine hohe Erfolgsquote, erfordern aber unglücklicherweise eine Operation am offenen Herzen.

Weitere experimentelle Verfahren zur Eliminierung von Vorhofflimmern durch Einführung dünner Drähte durch die Venen und Verödung bestimmter Areale werden sich möglicherweise eines Tages als geeignete Behandlungsmaßnahme entpuppen, befinden sich jedoch derzeit noch in einem sehr frühen und wenig aussagekräftigen Stadium.

Sie haben Fragen zum Vorhofflimmern? Dann besuchen Sie unseren Expertenrat zu Herz- und Gefäßkrankheiten!

Vorhofflimmern: Verlauf

Kürzere Episoden verursachen nur dann Probleme, wenn sie mit einer sehr hohen Herzfrequenz (mehr als 150 Schläge je Minute) einhergehen oder wenn der Patient zusätzlich an weiteren schwerwiegenden Herzerkrankungen leidet. Üblicherweise führen Vorhofflimmer-Episoden zu keiner anderweitigen Schädigung des Herzens.

Stellt Vorhofflimmern ein schwerwiegendes Problem dar?

Vorhofflimmern kann sich als drastische Beeinträchtigung der Lebensqualität erweisen und erfordert möglicherweise mehrere Anpassungen der Medikation und/oder andere Behandlungen, bis das Problem unter Kontrolle ist.

Vorhofflimmern an sich stellt bei angemessener Behandlung im Allgemeinen keinen lebensbedrohlichen Zustand dar; die meisten Patienten leben ein normales Leben ohne weitere Einschränkungen, sofern keine anderen schwerwiegenden Gesundheitsprobleme vorliegen.

Grundsätzlich ist jedoch zu berücksichtigen, dass Vorhofflimmern mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einhergehen kann.

Vorhofflimmern: Vorbeugen

 

Das Aktionsbündnis "Rote Karte dem Schlaganfall" unter Schirmherr Michael Ballack und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie haben ein paar einfach Grundregeln aufgestellt, die Patienten mit Vorhofflimmern unbedingt beachten sollten:

  • Machen Sie es wie die Italiener

    Wählen Sie die mediterrane Küche mit viel frischem Obst, Gemüse, Fisch und Olivenöl

  • Lieber öfter und länger

    Auch wenn Bewegung den Blutdruck in die Höhe treibt, verzichten Sie auf keinen Fall auf Sport. Mindestens dreimal pro Woche sollten Sie sich für 30 Minuten körperlich konstant betätigen. Lassen Sie es beispielsweise beim Walking dabei aber langsam und gleichmäßig angehen oder nutzen Sie das Angebot von Herz- und Koronarsportgruppen.

  • Weniger ist mehr

    Trainieren Sie Ihre Geschmacksnerven und entwöhnen sich von einem zu hohen Salzverbrauch. Unser Kochsalz ist eine Verbindung aus Natrium und Chlor. Als Natriumchlorid (NaCl) gelangen die gelösten Ionen in unseren Stoffwechsel und die Blutbahn. Natrium setzt der Körper selbst als Signal zur Blutdrucksteuerung ein. Je mehr Salz Sie essen, desto mehr gelangt in die Gefäße und signalisiert den Blutdruckanstieg. Mit einer salzarmen Kost senken Sie den Natriumspiegel deutlich. Das macht Blutdruck senkende Medikamente zwar meist nicht entbehrlich, aber die Dosis kann oft herabgesetzt werden. Der verbleibende Inhaltsstoff kann besser wirken und die Verträglichkeit der Arznei steigt.
  • No Smoking!

    Hier gibt es keine Ausreden und nichts zu beschönigen: Für Patienten mit Vorhofflimmern gilt ein striktes Rauchverbot.

  • Zucker und Cholesterin

    Lassen Sie regelmäßig Ihre Blutwerte, besonders die Blutfettwerte, bestimmen. Dabei ist ein hoher Cholesterinwert nicht unbedingt gleich ein Grund aus allen Wolken zu fallen. Entscheidend ist das Verhältnis des "guten" HDL-Cholesterin, das verbrauchte Fette aus den Zellen abtransportiert, zum "schlechten" LDL-Cholesterin. Das LDL liefert für den Zellaufbau unverzichtbare Bausteine an - es als schlecht zu bezeichnen ist deshalb eigentlich nicht richtig. Nur wenn das Verhältnis der beiden, die HDL-LDL-Ratio, nicht stimmt und mehr Cholesterin in die Zellen gebracht, als abtransportiert werden kann, muss reagiert werden. Hier ist der Einsatz von Cholesterinsenkern unverzichtbar.

    Für Diabetiker ist Selbstdisziplin der Schlüssel zum Erfolg gegen den Bluthochdruck. Regelmäßige Bewegung und die richtige medikamentöse Einstellung durch den Hausarzt oder Kardiologen sind die Basis bei der Schlaganfallprävention. Zusätzlich hilft eine Diät den Blutzuckerspiegel natürlich zu kontrollieren. Diät bedeutet aber nicht Verzicht: bewusst genießen und auf Zuckerfallen achten - so können Sie weiter schlemmen und dennoch Ihren Blutzuckerspiegel im Normalbereich halten.

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