Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Wenn eine verschleppte Grippe plötzlich aufs Herz übergreift

Eine Herzmuskelentzündung wird häufig durch Viren und Bakterien ausgelöst, die auch grippale Infekte oder Magen-Darm-Erkrankungen verursachen. Die Krankheitserreger greifen den Herzmuskel an, wodurch dieser an Leistungsfähigkeit verliert.

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Eine Herzmuskelentzündung ensteht häufig durch Gripperreger.

Die Erkrankung ist in Europa und USA überwiegend auf Viren und Bakterien zurückzuführen, selten kommen auch auch Pilze, Medikamente oder Autoimmunerkrankungen als Auslöser infrage. In Südamerika ist die Herzmuskelentzündung fast immer Folge der Chagas-Krankheit, die durch Parasiten übertragen wird. Diese Form der Erkrankung spielt in unseren Breitengraden keine Rolle.

Unerkannt kann die Krankheit tödlich enden

Die Symptome einer Herzmuskelentzündung sind vielfältig und oft nicht auf den ersten Blick als ernste Erkrankung zu erkennen. Unbehandelt kann die Krankheit jedoch zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und zu plötzlichem Herztod führen.

Ursache sind oft harmlose Infekte

Werden scheinbar harmlose Infekte wie Erkältungen oder Brechdurchfall nicht vollständig auskuriert, ist das Risiko an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken besonders groß. Häufig sind  Menschen betroffen, die sich nach und/oder während eines Infekts nicht genug Schonung gönnen. Bei jungen, sonst herzgesunden Menschen und Leistungssportlern ist eine Herzmuskelentzündung die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod.

Da die Symptome einer Herzmuskelentzündung oft nicht erkannt werden und die Erkrankung auch  symptomlos verlaufen kann, sind genaue Angaben zur Häufigkeit schwierig. Eine Infektion des Herzmuskels wird bei ein bis fünf Prozent der Patienten mit einem verschleppten viralen Infekt angenommen. Die Erkrankung kann bei Kindern, Erwachsenen und alten Menschen auftreten.

Die Symptome sind oft nicht leicht zu erkennen

Die Symptome einer Herzmuskelentzündung sind vielfältig und selten eindeutig. Betroffene ordnen den ersten Anzeichen oft zunächst keinen Krankheitswert zu. Häufige Anfangssymptome der Erkrankung sind:

  • Leistungsschwäche
    
Vor allem nach einem vermeintlich banalen Infekt können häufige Schlappheit oder rasche Ermüdungserscheinungen auf eine Herzmuskelentzündung hinweisen. Werden beispielsweise leichte Hausarbeiten, kleine Fußwege oder kurzes Treppensteigen als ungewöhnlich anstrengend empfunden, steckt möglicherweise ein angegriffener Herzmuskel hinter der Leistungsschwäche. Auch Gliederschmerzen und/oder Kurzatmigkeit können erste Anzeichen einer Herzmuskelentzündung sein.
  • Herzrhythmusstörungen
    
In einigen Fällen macht sich die Herzmuskelentzündung durch Herzstolpern, Herzrasen oder (auch leichte) Schmerzen im Brustkorb bemerkbar. Wichtig: Viele Menschen leiden gelegentlich unter harmlosem Herzstolpern ohne Krankheitswert. Wenn Sie kürzlich einen Infekt durchgemacht haben, sollten Sie solche Symptome aber ernst nehmen und umgehend beim Arzt abklären lassen.

Auch Wasseransammlungen (Ödeme) in den Beinen, Fieber und unerklärlicher Gewichtsverlust können zu den Symptomen der Myokarditis gehören.

Beim ersten Anzeichen der Herzmuskelentzündung zum Arzt

Um einen ernsten Verlauf der Erkrankung abzuwenden, ist es wichtig beim ersten Verdacht auf Herzmuskelentzündung einen Arzt aufzusuchen. Rechtzeitig erkannt und behandelt (strikte körperliche Schonung und/oder Medikamente) heilt die Erkrankung regelmäßig ohne bleibende Schäden aus. Unbehandelt kann sie einen chronischen Verlauf nehmen oder lebensbedrohlich werden.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Ursachen

Viren

Die Ursache für Entzündungen am Herzmuskel sind sehr häufig Infekte. Viren, die beispielsweise Erkältungen, Grippe, Magen-Darm-Infekte, die Hand-Fuß-Mund-Krankheit oder Meningitis (Hirnhautentzündung) auslösen, können auch den Herzmuskel angreifen.

Besonders häufig sind Enteroviren (z.B. Cocksackie-B-Virus) Auslöser für eine Myokarditis. Auch Grippe-, Adeno-, und Masernviren können die Erkrankung hervorrufen.

Bakterien

Bei Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem können auch Bakterien den Herzmuskel schädigen. Auslöser der Entzündung sind dann zum Beispiel Streptokokken, Staphylokokken, Borellien oder der Erreger von Diphtherie.

Andere Ursachen

Eine sogenannte "toxische" Myokarditis kann sich durch die Einnahme von Substanzen, die sich schädigend auf den Herzmuskel auswirken, entwickeln. Zu den Auslösern gehören große Alkoholmengen, Drogen (zum Beispiel Kokain) und bestimmte Medikamente (z.B. Schlaftabletten, Antipsychotika und Chemotherapeutika).

In seltenen Fällen entsteht eine Herzmuskelentzündung auch als Begleiterscheinung bestimmter Autoimmunerkrankungen wie Morbus Boeck oder nach einer Strahlenbehandlung des Brustkorbs (zum Beispiel im Rahmen einer Krebstherapie).

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Lifeline/Dr. Heart

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Symptome

Symptome einer Myokarditis

  • allgemeines Unwohlsein
  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • Müdigkeit, Schwächegefühl
  • Wasseransammlungen (Ödeme) in den Beinen
  • Appetitlosigkeit
  • Kurzatmigkeit
  • Fieber
  • Gewichtsverlust (bei normaler/unveränderter Nahrungsaufnahme)
  • Gliederschmerzen
  • Herzstolpern (Palpitation), Herzrhythmusstörungen
  • Schmerzen in der Brust (Thoraxschmerz)

In vielen Fällen treten nicht alle Symptome einer Herzmuskelentzündung auf. Die Erkrankung kann auch gänzlich ohne Symptome verlaufen.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Diagnose

Befragung des Patienten (Anamnese)

Der Arzt oder die Ärztin wird sich nach typischen Symptomen einer Herzmuskelentzündung, zum Beispiel Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit oder Wasseransammlungen in den Beinen erkundigen.  Entscheidend ist auch, ob in letzter Zeit ein Infekt (z.B. Erkältung, Grippe oder ein Magen-Darm-Infekt) durchgemacht wurde.

Körperliche Untersuchung

Das Abhören von Herz und Lunge kann bereits wichtige Hinweise auf eine Myokarditis liefern. Bei Verdacht auf Herzmuskelentzündung wird der Arzt ein EKG (Elektrokardiogramm) und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) durchführen.

Besonders bei chronischen oder schweren Verläufen können auch eine Gewebeentnahme aus dem Herzmuskel (Myokardbiopsie) und/oder ein MRT (Magnetresonanztomographie) wichtige Hinweise zur Erkrankung liefern.

Blutuntersuchung

In einigen Fällen kann eine Blutuntersuchung ebenfalls Aufschluss über eine bestehende Myokarditis geben. Bestimmte Enzyme oder Antikörper im Blutserum weisen auf Schäden des Herzmuskels hin.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Verlauf

Bei unkomplizierten Herzmuskelentzündungen zeigt sich die Erkrankung meist "nur" durch  allgemeine Leistungsschwäche des Patienten, geringfügige Veränderungen im EKG und/oder leichte Herzrhythmusstörungen. Bei solch problemarmen Verläufen und früher Diagnose und Behandlung heilt die Myokarditis in der Regel innerhalb weniger Wochen folgenlos ab.

Manchmal kommt es zu "Wasser in den Beinen"

Ist die Funktion des Herzens durch die Infektion bereits stärker eingeschränkt, bilden sich häufig auch Wasseransammlungen in den Beinen (Ödeme) oder auch in der Lunge.   Durch strikte körperliche Schonung und medikamentöse Therapie kann die Myokarditis auch in diesen Fällen ausheilen – in einigen Fällen bleibt nach der Genesung aber eine reduzierte Funktion des Organs bestehen (verringerte Pumpleistung). 

Eine Herzmuskelentzündung kann chronisch werden

Wird eine Herzmuskelentzündung zu spät entdeckt und behandelt, ist ein chronischer Verlauf möglich.

Eine akute Myokarditis kann innerhalb weniger Tagen bis Wochen zu tödlichem Herzversagen führen – dies ist aber sehr selten.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Therapie

Bei Herzmuskelentzündung ist Bettruhe oberstes Gebot

In den ersten Wochen nach der Diagnose ist es sehr wichtig, Bettruhe einzuhalten. Danach wird dem Patienten empfohlen, sich weiterhin körperlich zu schonen, bis alle Symptome vollständig verschwunden sind und sich die Herzfunktion (Rhythmus, Pumpleistung) normalisiert hat.

Antibiotika können helfen

Sind Bakterien Auslöser der Myokarditis, werden in den meisten Fällen parallel zur körperlichen Schonung Antibiotika gegen die ursächlichen Erreger eingesetzt.

Bei der viralen (und häufigsten) Form der Herzmuskelentzündung gibt es keine medikamentöse Behandlung, welche die Ursache der Erkrankung bekämpft. Behandelt wird die Krankheit in diesem Fall mit konsequenter Bettruhe und Medikamenten, die die Symptome der Myokarditis lindern (z.B. entwässernde Medikamente oder Beta-Blocker bei starken Herzrhythmusstörungen).

Spezielle Medikamente gegen spezielle Ursachen

Ist die Herzmuskelentzündung durch eine Autoimmunerkrankung ausgelöst worden, können spezielle Medikamente (Immunsuppressiva) eingesetzt werden, um das überreagierende Immunsystem "herunterzufahren".

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Vorbeugen

Die beste und wirksamste Vorbeugung ist deshalb, Erkältungskrankheiten, grippale Infekte oder Magen-Darm-Erkrankungen vollständig auszukurieren und dem Körper genügend Zeit zur Regeneration zu gönnen.

Vorbeugung von Herzmuskelentzündung durch sorgfältiges Auskurieren von Infekten

Konkret bedeutet das: Während eines akuten Infekts und einige Zeit danach keinen Sport treiben und körperliche Anstrengungen meiden.

Selten wird die Herzmuskelentzündung auch vom Diphterie-Erreger ausgelöst. Deshalb ist  eine Impfung gegen Diphtherie auch als vorbeugende Maßnahme zu betrachten.

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