Symptome und Ursachen

Herzinfarkt: Schnelles Handeln ist überlebenswichtig

Nicht Krebs, infektiöse oder entzündliche Krankheiten – in den westlichen Industrienationen ist der Herzinfarkt die häufigste Todesursache. Bei Männern ist er in der Regel leicht an seinen typischen Anzeichen zu erkennen. Bei Frauen dagegen müssen Ärzte genauer hinsehen.

Notärzte versorgen Mann mit Herzinfarkt
Ein Herzinfarkt ist ein medizinischer Notfall.
iStock

Am Anfang steht die Arteriosklerose, dann kommt die koronare Herzkrankheit und zum Schluss der Herzinfarkt? Ein Krankheitsverlauf wie dieser ist durchaus möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Denn bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt, (N)STEMI) stoppt – infolge verstopfter Adern – plötzlich die Blutzufuhr zum Herzen.

Jährlich etwa 250.000 Herzinfarkte in Deutschland

Herzkranzgefäße (Koronararterien) versorgen unseren wichtigsten Muskel – das Herz – mit Blut und den darin enthaltenen Nährstoffen. Sind diese Blutbahnen akut verschlossen, kommt es zu einem Myokardinfarkt. Werden die Muskelzellen nicht schnell wieder mit Blut versorgt, sterben sie ab, vernarben und unser Herz kann nicht mehr richtig arbeiten – ohne medizinische Hilfe eine tödliche Situation.

Cholesterin senken – so einfach gehts

2015 behandelten Ärzte allein in Deutschland rund 250.802 Menschen mit Herzinfarkt, 50.948 davon überlebten ihn nicht. Aber auch in den anderen westlichen Industrienationen steht der Myokardinfarkt ganz oben auf der Liste der häufigsten Todesursachen.

Häufigste Symptome: Thoraxschmerzen und Angst

In den meisten Fällen kündigt sich der Myokardinfarkt durch einen plötzlich einsetzenden heftigen Thoraxschmerz (Vernichtungsschmerz) an. Dieser kann vom Brustkorb aus ausstrahlen. Meist ziehen die Schmerzen in den linken Arm und die linke Schulter. Aber auch Hals, Kiefer, Oberbauch, rechte Schulter, rechter Arm und am Rücken zwischen den Schulterblätter sind die Empfindungen möglich. Die Schmerzen treten oft in Kombination mit starker Todesangst auf, weshalb zusätzlich weitere Begleitsymptome auftreten können:

  • Schweißausbrüche
  • Engegefühl in der Brust
  • Luftnot
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blässe
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck)

Herzinfarkt bei Frauen: unspezifische Symptome

Allerdings treten diese Symptome nicht bei allen Herzinfarkt-Patienten in Erscheinung: Etwa 15 bis 20 Prozent der Betroffenen erleben einen stummen Infarkt und bemerken überhaupt nicht, wie ihnen der Sauerstoff ausgeht. Nur im Elektrokardiogramm (EKG) ist der Infarkt dann nachweisbar.

Eine weitere Besonderheit sind die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Symptome des Herzinfarkts: So kann er sich bei Frauen auch ausschließlich durch starke Kurzatmigkeit, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen zeigen. Treten diese unspezifischen Symptome ungewohnt heftig auf, sollten Frauen unbedingt mit einem Arzt sprechen.

So äußert sich ein Herzinfarkt bei Frauen

Lifeline/Wochit

Ursachen: Arteriosklerose als Grunderkrankung

Die Arteriosklerose stellt die Grundlage eines Herzinfarkts dar. Dabei lagert sich Fett und Kalk als sogenannte Plaques an den Innenseiten der Gefäßwände ab. Je stärker diese Schicht anwächst, desto enger wird die Ader, die infolge dessen weniger bis kein Blut mehr durchlässt.

Die häufigste Ursache für Herzinfarkte ist aber ein plötzliches Aufreißen dieser Gefäßablagerungen. Der hochgradig gerinnungsfördernde Plaque-Inhalt wird dadurch in die Blutbahn freigesetzt und löst eine Gerinnungsreaktion aus: vorbeiströmende Blutplättchen sammeln sich auf der geöffneten Stelle und bilden ein Blutgerinnsel (Thrombus). Erreicht dieser eine entsprechende Größe, verschließt er die Ader und verhindert damit die Blut- und Nährstoffversorgung dieses Teils des Herzmuskels. Das Gewebe stirbt ab und hat schlimmstenfalls den Tod des Patienten zur Folge.

Weitere Ursachen eines Herzinfarkts können eine Lungenembolie oder – bei jüngeren Menschen – eine plötzliche Verkrampfung eines Herzkranzgefäßes (Vasospasmus) sein. Dabei verursacht jeweils ebenfalls ein Blutgerinnseln den Verschluss wichtiger Gefäße.

Gesunder Lebensstil kann Herzinfarkt-Risiko reduzieren

Ob jemand einen Herzinfarkt bekommt oder nicht, lässt sich natürlich nicht voraussagen. Allerdings gibt es einige beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren, die einen Hinweis auf eine mögliche Erkrankung geben können.

Nicht beeinflussen können wir:

  • höheres Lebensalter (Männer: älter als 55 Jahre; Frauen: älter als 65 Jahre)
  • männliches Geschlecht (Männer bekommen oft früher einen Herzinfarkt als Frauen)
  • familiäre Belastung (gehäufte oder frühzeitige Herzinfarkte bei nahen Verwandten)

Daneben gibt es aber noch eine Reihe beeinflussbarer Risikofaktoren:

Wer diese Risikofaktoren vermeidet oder reduziert, senkt seine individuelle Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden.

EKG: wichtigste Hilfe bei der Diagnose eines Herzinfarkts

Wer die typischen Symptome eines Herzinfarkts an sich oder anderen bemerkt, sollte schleunigst den Notarzt (Notruf 112) alarmieren – bei einem Infarkt zählt jede Sekunde!

Der Arzt beginnt die Diagnose mit einer Anamnese. Dabei muss der Patient Fragen zu Vorerkrankungen, Familiengeschichte sowie Dauer und Intensität seiner Beschwerden beantworten. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung mit Blutdruck- und Pulsmessung sowie dem Abhören von Herz und Lunge (Auskultation).

Die wichtigste Untersuchung beim Herzinfarkt ist aber das Elektrokardiogramm (EKG). Es zeichnet die Herzströme des Patienten auf und ermöglicht dem Arzt Ort und Größe des Infarkts zu erkennen. Der Infarkt ist aber nicht immer sofort im EKG sichtbar. Daher ist es möglich, dass der Mediziner über mehrere Stunden verteilt immer wieder ein EKG macht.

STEMI oder NSTEMI? Die Blutanalyse bringt Gewissheit

Je nachdem, was der EKG-Befund ergibt, sind weitere Untersuchungen nötig: Erkennt der Arzt eine anhaltende ST-Streckenhebung (ST ist ein Teilabschnitt des EKG's), kann er direkt mit der Therapie beginnen, denn die Diagnose ist eindeutig: Es handelt es sich um einen sogenannten STEMI (ST-elevation myocardial infarction).

Weist das EKG allerdings – trotz typischer Symptome – keine ST-Hebung auf, sind weitere Untersuchungen notwendig. Diese sollen klären, ob es sich um einen NSTEMI (Non- ST-elevation myocardial infarction) oder eine andere Erkrankung handelt. Dafür ziehen Mediziner die Labordiagnostik zu Rate: Durch einen Infarkt steigt die Anzahl biochemischer Marker im Blut. Die wichtigsten sind:

  • kardiales Troponin T und I (cTNT beziehungsweise cTNI)
  • Kreatinkinase (CK)
  • herzmuskelspezifische Kinase (CK-MB)

Troponine sind wichtiger Indikator für NSTEMI

Da Troponine im Blut gesunder Menschen nicht nachweisbar sind, ist jeglicher Troponin-Anstieg ein Hinweis auf einen Herzmuskelschaden. Daher ist die Bestimmung dieser Werte seit einigen Jahren der "Goldstandard" in der Labordiagnostik, um Myokardschäden zu erkennen. Dennoch sind Troponine erst drei bis vier Stunden nach dem Infarkt nachweisbar. Sowohl Kreatinkinase als auch die herzmuskelspezifische Kinase finden sich erst nach vier bis sechs Stunden im Blut wieder.

Weitere bildgebende Verfahren wie Echokardiografie oder Magnetresonanztomografie (MRT) können noch genauere Informationen zur Erkrankung liefern.

Therapie: Das sind die Notfallmaßnahmen

Da bei einem Herzinfarkt der Faktor Zeit sehr wichtig ist, sollten Anwesende unbedingt folgende Hinweise beachten: 

  1. Notarzt unter der 112 oder der örtlichen Notrufnummer alarmieren
  2. Betroffenen bei Bewusstsein halten und darauf achten, dass er atmet
  3. Beengende Kleidung öffnen (zum Beispiel Krawatte lockern, oberste Hemdknöpfe öffnen)
  4. Den Patienten in einer bequemen Position und mit leicht erhöhtem Oberkörper lagern
  5. Unruhe und Aufregung des Betroffenen vermeiden

Erleidet der Patient einen Kreislaufstillstand zum Beispiel durch Kammerflimmern, sollten die Ersthelfer unverzüglich mit einer Herzdruckmassage und Beatmung beginnen.

Reanimation (Wiederbelebung)

Trifft der Notarzt ein, legt er einen venösen Zugang, erstellt ein EKG, misst den Blutdruck und verabreicht dem Betroffenen Sauerstoff sowie schmerz- und angstlindernde Medikamente.

Behandlung: PCI ist Methode der Wahl

Im Krankenhaus angekommen werden Herzinfarktpatienten in der Regel mit zwei verschiedenen Ansätzen behandelt:

  • primäre perkutane Koronarintervention (PCI)
  • intravenöse Lysetherapie

Wenn der Betroffene innerhalb von 90 Minuten nach dem Herzinfarkt behandelt werden kann, ist die primäre perkutane Koronarintervention (PCI) die Therapie der Wahl. Dabei führt der Mediziner zunächst einen Katheter (dünner Schlauch), der von einem Ballon umgeben ist, in das betroffene Gefäß ein. An der verengten Stelle bläst sich der Ballon auf und weitet so die Ader wieder. Diese kann durch einen sogenannten Stent zusätzlich stabilisiert werden. Bei einem Stent handelt es sich um ein kleines Plastik- oder Drahtrohr.

Trifft der Patient erst nach den 90 Minuten in einem Krankenhaus mit Herzkatheterlabor ein, setzen Ärzte die medikamentöse systematische Thrombolyse ein: Dafür injizieren sie Fibrinolytika (zum Beispiel Streptokinase, Urokinase oder rekombinantes TPA), die das Gerinnsel auflösen sollen. Nur in Ausnahmefällen und als Notfallmaßnahme, führen Mediziner eine Bypass-Operation durch. Dabei leiten sie den Blutfluss über ein anderes Gefäß an der verschlossenen Stelle vorbei.

Prognose: Erste Stunde nach Herzinfarkt ist sehr kritisch

  • zum Test

    Stress, Rauchen, hoher Blutdruck sind Faktoren, die einen Herzinfarkt begünstigen können. Sind Sie gefährdet?

Etwa die Hälfte aller Menschen mit akutem Herzinfarkt erreicht die Klinik nicht rechtzeitig. Sie sterben an einem plötzlichen Herztod bevor ein Arzt gerufen werden kann. Patienten, die es in das Krankenhaus schaffen, haben dagegen eine bessere Prognose: Bei optimalen Bedingungen liegt die Sterbewahrscheinlichkeit nur noch bei sechs Prozent. Innerhalb eines Jahres nach dem Myokardinfarkt beträgt das Mortalitätsrisiko sieben bis zehn Prozent.

Nach einem Herzinfarkt überwacht das medizinische Personal den Patienten bis zu drei Tage auf der Intensivstation. Anschließend wird er auf eine internistische Station verlegt und kann nach einigen weiteren Tagen das Krankenhaus verlassen.

Vorbeugen: Nach dem Herzinfarkt ist vor dem Herzinfarkt

Wenn der Patient das Krankenhaus verlässt, beginnt er mit der Nach- oder Rehabehandlung. Dabei erfährt er unter anderem, wie die verschriebenen Arzneien einzunehmen sind. Denn um weitere Thrombosen zu vermeiden, erhält der Betroffene entsprechende Medikamente:

  • Thromobzytenaggregationshemmer, wie etwa Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clopidogrel: verhindern das Anlagern von Blutplättchen
  • ACE-Hemmer: erweitern die Blutgefäße und senken den Blutdruck
  • Betablocker: reduzieren den Blutdruck und verlangsamen den Herzschlag
  • CSE-Hemmer (Statine, Cholesterinsenker)

Während der Reha erhalten Betroffene auch Krankengymnastik, Atemübungen und werden psychisch stabilisiert. Sie lernen, wie sie ihren Alltag nach überstandenem Herzinfarkt gestalten können, Stress vermeiden und ihren Lebensstil anpassen müssen, um gesünder zu leben. Dazu zählen:

  • Verzicht auf Rauchen
  • Bei Übergewicht: Gewichtsreduktion
  • regelmäßige Bewegung: Gehen Sie zum Beispiel jeden Tag mindestens 30 Minuten spazieren.
  • sportliche Aktivitäten: In Abstimmung mit Ihrem Arzt können Sie zum Beispiel Schwimmen, leicht Joggen oder auch Fahrradfahren.
  • regelmäßige Kontrolluntersuchungen
  • ausgewogene und gesunde Ernährung

Ernährung nach dem Herzinfarkt: Viele Ballaststoffe

Um einem ersten oder weiteren Myokardinfarkt vorzubeugen, ist eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung einer der wichtigsten Pfeiler. Laut den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) sowie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind ballaststoffreiche und fettarme Lebensmittel gut für das Herz. Mehr als 20 Gramm Ballaststoffe sollten es pro Tag sein. Fleisch und tierische Fette schaden dagegen eher und sollten daher nicht so häufig auf dem Teller landen. Die DGK rät weniger als 300 Milligramm Cholesterin pro Tag aufzunehmen und weniger als zehn Prozent der Kalorien sollten gesättigte Fette sein.

Tipps für eine herzgesunde Ernährung

Konkret dürfen Vollkornprodukte und Kartoffeln sowie frisches Gemüse, Salat und Obst ("5 am Tag") täglich auf dem Speiseplan stehen. Außerdem wirkt sich eine fischreiche Ernährung (ein- bis zweimal pro Woche) positiv auf das Herz aus. Besonders in Seefischen findet sich ein hoher Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren. Auch in Nüssen (Wal-, Erd-, Haselnüsse) oder Avocados sind die guten Fette reichlich enthalten. Die DGK schätzt zum Beispiel die mediterrane oder asiatische Küche als sehr herzgesund ein.

Wenn Sie zusätzlich viel trinken sowie Salz und Zucker nur in Maßen zu sich nehmen, freut sich Ihr Herz ebenfalls. Wichtig ist zudem, bewusst zu essen und sich Zeit dafür zu nehmen. Wer das Essen zwischen Tür und Angel runterschlingt, setzt sich und seinen Körper stärkerem (herzschädlichem) Stress aus.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 29. September 2017
Quellen: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 266. Auflage, Walter de Gruyter Verlag, Berlin/ Boston 2014; Duale Reihe Innere Medizin, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2009; Steffel, J., Lüscher, T. (Hrsg.): Herz-Kreislauf, 2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2014; Stierle, U.: Klinikleitfaden Kardiologie, 6. Auflage, Elsevier GmbH Deutschland, München 2017; Claussen, C. D. (u.a.): Herz. In: Pareto-Reihe Radiologie, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart/ New York 2007; www.gbe-bund.de, Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Sterbefälle, Sterbeziffern, 2017, http://www.gbe-bund.de/oowa921-install/servlet/oowa/aw92/dboowasys921.xwdevkit/xwd_init?gbe.isgbetol/xs_start_neu/&p_aid=i&p_aid=63741550&nummer=6&p_sprache=D&p_indsp=6026&p_aid=54004065 (zuletzt aufgerufen am 29.09.2017); www.destatis.de, Statistisches Bundesamt: Die 10 häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 2015, https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabellen/HerzKreislaufErkrankungen.html (zuletzt aufgerufen am 29.09.2017)

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  • Expertenrat Herz- und Kreislaufbeschwerd...
    Hatte ich einen Herzinfarkt?
    28.04.2013 | 21:34 Uhr

    Sehr geehrter Herr Schaps, ich bin 19 Jahre alt, normalgewichtig, rauche nicht, trinke...   mehr...

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