Neue Methode zur Schmerzbehandlung bei Angina pectoris

Neurostimulator gegen Herzschmerzen

Ein kleiner Stromgeber sorgt mit Mikroimpulsen für Schmerzfreiheit bei Herzbeschwerden

Der Neurostimulator ist ein Gerät, das in den Körper eingepflanzt wird und dort mittels kleiner Impulse direkt auf die Nervenfasern einwirkt, welche die Schmerzempfindungen zum Gehirn leiten. Das Verfahren verspricht Abhilfe bei chronischen Herzschmerzen (Angina pectoris, Herzenge).

Neurostimulator
Kleine Impulse wirken direkt auf die Nervenfasern ein.
Getty Images/Hemera

Personen, die unter chronischen Herzschmerzen (Angina Pectoris, Herzenge) leiden, sind in ihrem Alltag häufig stark beeinträchtigt. Die Angina pectoris, ein Erscheinungsbild der Koronaren Herzkrankheit (KHK), führt zu starken, chronischen Schmerzen in der Herzgegend und in umgebenden Körperbereichen, die bei den Betroffenen Übelkeit und Erbrechen sowie Angstzustände bis zur Todesangst auslösen können. Viele der Betroffenen werden mit herkömmlichen Medikamenten (Schmerzmitteln) behandelt, oder aber es wird ein chirurgischer Einriff (Bypass, Ballondilatation) vorgenommen, um die Durchblutung des Herzens wieder herzustellen. Falls weder die Medikamente noch der chirurgische Eingriff die gewünschte Hilfe bringen, kann nun ein neuartiges Gerät eingesetzt werden.

Neurostimulator verspricht Hilfe

Abhilfe verspricht nun ein Gerät (Neurostimulator), das in den Körper eingepflanzt (implantiert) wird und dort mittels kleiner Impulse direkt auf die Nervenfasern einwirkt, welche die Schmerzempfindungen zum Gehirn leiten. Diesen Vorgang bezeichnet man als Neuromodulation.

Bereits sehr mehr als 40 Jahren ist diese Rückenmarkstimulation, umgangssprachlich auch als "Schmerzschrittmacher" bekannt, als wirksame Therapie für schwer behandelbare Glieder- und Rumpfschmerzen anerkannt. An mehreren Kliniken in Deutschland wird seit 1995 der Neurostimulator in einem risikoarmen Eingriff auch gegen Angina pectoris-Beschwerden implantiert. Betroffene werden mithilfe der so genannten Spinal Cord Stimulation (SCS) von ihren Schmerzen befreit und sie verspüren nur noch ein ganz feines, durchaus angenehmes Kribbeln. Ihre Lebensqualität kann auf diese Weise deutlich verbessert werden.

Weitere Informationen zur Neurostimulation finden Sie auch bei Medtronic.

Funktionsweise des Neurostimulators

Der Neurostimulator besteht aus der Elektrodenspitze (Mikroelektrode), die am Rückenmark der Wirbelsäule eingesetzt wird, dem Verbindungskabel und dem Impulsgenerator. Bei beginnenden Angina pectoris-Beschwerden leiten Nervenfasern die Schmerzempfindung zum Gehirn weiter. Nach Einsetzen eines Neurostimulators sendet der Impulsgenerator über das Verbindungskabel elektrische Impulse an die Elektrodenspitze. Die Elektroden stimulieren dann bestimmte Nervenfasern, die ihrerseits die schmerzleitenden Nervenfasern blockieren. Daher leitet sich auch der Begriff Spinal Cord Stimulation (Stimulierung des Rückenmarks) ab.

Über ein externes Programmiergerät kann der Arzt die Stromimpulsstärke und die Impulsdauer einstellen und Grenzen definieren. Außerdem kann mit dem Programmiergerät eine regelmäßige Funktionskontrolle des Neurostimulators durchgeführt werden.

Mithilfe eines Programmiergeräts, das wie eine Fernbedienung funktioniert, kann der Betroffene die Intensität, den Zeitpunkt und die Dauer der Stimulation innerhalb der vom Arzt vorgegebenen Grenzen flexibel seinem individuellen Schmerzempfinden anpassen.

 

Einsetzen des Neurostimulators

Die Mikroelektrode wird in einem kleinen Eingriff mithilfe einer Punktionsnadel nahe der Rückenmarksnerven unter örtlicher Betäubung eingesetzt. Dann überprüft der operierende Arzt mithilfe einer Probestimulation, ob sie am richtigen Platz sitzt. Ist dies nicht der Fall, muss die Position korrigiert und erneut überprüft werden. Ist die Elektrode an der richtigen Stelle, wird der Impulsgenerator, der die Größe einer Taschenuhr besitzt, mit der Elektrode verbunden und dann unsichtbar unter die Bauchhaut, meist unter dem Rippenbogen, implantiert.

Nach diesem Eingriff muss der Betroffene für zwei bis drei Stunden im Bett liegen bleiben. Meist reicht anschließend ein Tag aus, um den Impulsgenerator passend einzustellen. In der Regel kann man am nächsten Tag bereits das Krankenhaus wieder verlassen.

Vorteile des Neurostimulators

Die Therapie von Angica pectoris-Beschwerden mithilfe eines Neurostimulators haben sich in Studien als sichere Behandlungsmethode erwiesen. Es wurde keine höhere Sterblichkeit festgestellt und auch Perioden von verringerter Herzdurchblutung treten nicht häufiger auf. Besonders wichtig ist auch, dass der Neurostimulator Schmerzen, die auf einen Herzinfarkt hinweisen können, nicht überdeckt.

Zusätzlich zur angestrebten Wirkung der Schmerzausschaltung haben Studien ergeben, dass der Einsatz des Neurostimulators zudem die Durchblutung des Herzens, der Skelettmuskeln und der Haut deutlich verbessert und die Anzahl der Angica pectoris-Anfälle verringert.

Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass die eigentlichen Ursachen der chronischen Herzschmerzen durch den Neurostimulator nicht behoben werden. Eine medikamentöse Therapie sollte daher auf jeden Fall fortgesetzt werden. Wichtig ist auch weiterhin eine regelmäßige Betreuung durch einen Kardiologen.

Komplikationen und Nebenwirkungen

Die Rückenmarkstimulation durch den Neurostimulator hat keine merklichen Nebenwirkungen auf den Organismus. Dies ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber chemischen Schmerzmitteln.

Komplikationen kann es durch eine Verlagerung oder Verschiebung der Elektroden (Elektrodendislokation) oder deren Bruch geben. Die Häufigkeit derartiger systembezogener Komplikationen wird mit etwa zehn Prozent angegeben. Chirurgische Komplikationen, also Probleme beim Einsetzen selbst, treten mit einer Häufigkeit von null bis vier Prozent auf, und die Rate der Wundinfektionen wird mit ein bis fünf Prozent beziffert. Selten, aber möglich, sind im Zusammenhang mit der Implantation

  • Blutungen
  • Infektion der Einstichstelle/der Implantattasche
  • Kopfschmerzen
  • Allergie
  • Verletzung des Rückenmarks

Eine weitere mögliche Komplikation besteht im Wandern der Elektrode, dieses Verhalten wird jedoch meist nur im ersten Jahr nach dem Einsetzen (Implantation) beobachtet.

Für wen eignet sich der Neurostimulator?

Der Neurostimulator gilt allgemein als Schmerzbehandlungsmethode für Personen mit häufigen, belastungsabhängigen Angina pectoris-Beschwerden, die mit konventionellen Therapien wie Medikamente, Bypass-Operation, Stents oder Ballondilation nicht ausreichend gebessert werden können.

Der behandelnde Arzt wird diese verschiedenen Kriterien durch eine Untersuchung, in Gesprächen und aufgrund der Krankengeschichte überprüfen. Sie lassen sich wie folgt formulieren:

  • Es bestehen Beschwerden durch chronische Herzschmerzen (Angina pectoris) trotz optimaler Medikamententherapie und keine akute Angina pectoris aufgrund eines Herzinfarkts.
  • Herzspezialisten halten weitere Operationen oder Kathetereinsätze nicht für sinnvoll.
  • Die Tagesaktivitäten sind durch die Schmerzen stark eingeschränkt.
  • Es darf keine Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit vorliegen.
  • Es darf keine Kontraindikation vorliegen (zum Beispiel Herzschrittmacher mit unipolarer Sonde)

Leben mit dem Neurostimulator

Das alltägliche Leben mit dem Neurostimulator ist nur wenig eingeschränkt. Ganz im Gegenteil, denn Betroffene mit chronischen Herzschmerzen (Angina pectoris) beobachten stattdessen eine deutliche Erweiterung ihres Aktivitätsradius und eine Verbesserung der Lebensqualität durch die Schmerzfreiheit.

Dennoch gibt es einige Dinge, die Sie mit einem Neurostimulator-Implantat beachten müssen. So ist zwar die Verwendung elektrischer Haushaltsgeräte und Computer normalerweise möglich, aber bestimmte andere Geräte sollten Sie meiden, da die Magnete in ihnen das Implantat deaktivieren oder schädigen können. Dazu gehören

  • Geräte zur Magnetresonanz-Tomographie (MRT)
  • Diebstahldetektoren
  • Stromgeneratoren
  • Umspannwerke
  • große Lautsprecherboxen

Ärzte und medizinisches Personal immer informieren

Ärzte und medizinisches Personal immer informieren Bei Arztbesuchen müssen Sie das medizinische Personal immer informieren, dass Sie ein Neuromodulations-Gerät tragen. Dafür erhalten Sie auch einen SCS-Ausweis, den Sie immer mitführen sollten. Probleme kann es mit folgenden Geräten oder Untersuchungsverfahren geben:

  • Magnetresonanz-Tomographie (MRT)
  • Herzschrittmacher
  • Kardioverter/ Defibrillator

Vermeiden müssen Sie auf jeden Fall

  • Hochleistungsultraschall
  • Strahlentherapie
  • Diathermie

Besprechen Sie Fragen und Zweifel auf jeden Fall gründlich mit dem behandelnden Arzt, der dann unter Abwägung des individuellen Risikos und Nutzens über die durchzuführenden Untersuchungen zu entscheiden hat.

Wenn Sie mehr über das Thema chronische Herzschmerzen (Angina pectoris) und SCS (Spinal Cord Stimulation) wissen wollen, wenden Sie sich an eine Spezialklinik in Ihrer Nähe.

Haben Sie Fragen zum Thema Herz? Dann wenden Sie sich an unseren Expertenrat Herzberatung!

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. September 2013
Durch: Andreas Gill / Lifeline
Quellen: Produktinformationen der Medtronic GmbH, Düsseldorf Eddicks, et al.: Thoracic spinal cord stimulation improves functional status and relieves symptoms in patients with refractory angina pectoris: the first placebo-controlled randomized study; Heart, Vol. 93, pp. 585-590 (Mai 2007)

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