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Kortison (Glukokortikoide): Sichere Anwendung und Nebenwirkungen

Kortison ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Glukokortikoide (auch Glukokortikosteroide). Welche Medikamente es mit Kortison gibt, wann es eingesetzt werden kann, wie es wirkt und welche Nebenwirkungen es gibt.

kortison salbe
Kortison wird häufig in Salben oder Cremes bei Allergien und entzündlichen Reaktionen der Haut verwendet.
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Unter dem Begriff Kortison (Glukokortikoide) werden umgangssprachlich verschiedene Wirkstoffe zusammengefasst. Seit über 50 Jahren sind Kortison-Präparate auf dem Markt erhältlich. Allerdings war man sich zunächst nicht über die Nebenwirkungen im Klaren und setzte die Präparate mit Kortison dementsprechend unbedacht ein. Durch eine zu hohe Dosierung und eine zu lange Anwendung kam es zu einer Reihe unerwünschter Nebenwirkungen kommen, weswegen Kortison heute teilweise noch einen schlechten Ruf hat. Dies ist jedoch in der Regel unbegründet, wenn Präparate mit Kortison richtig dosiert und nur begrenzt eingesetzt werden. Außerdem kommt es darauf an, in welcher Form das Kortison angewendet wird.

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Wirkungsweise von Kortison

Kortison wird vom Körper selbst als Stresshormon Cortisol in der Nebennierenrinde hergestellt. In Arzneimitteln kommen synthethische Glukokortikoide zum Einsatz. Ihr Name leitet sich von ihrer Funktion im Zuckerstoffwechsel ab, wo sie die Umwandlung von Eiweiß in Glukose und Glykogen fördern. Kortison hat unterschiedliche Wirkungen auf den Körper, die wichtigsten für die Behandlung sind:

  • entzündungshemmend

  • antiallergisch

  • immunsuppressiv

  • kreislaufstabilisierend

Anwendung von Kortison: von rezeptfrei bis stark wirkend

Zu den Glukokortikoiden zählen über 30 Wirkstoffe in unterschiedlichen Stärken. Sie werden in vier Gruppen eingeteilt:

  • schwache Glukokortikoide wie Hydrokortison und Prednisolon

  • mittelstarke Glukokortikoide wie Prednicarbat und Methylprednisolonaceponat

  • starke Glukokortikoide wie Betamethasonvalerat und Mometasonfuroat

  • sehr starke Glukokortikoide wie Clobetasol

Medikamente mit Kortison sind in der Regel rezeptpflichtig. Eine Ausnahme bilden die schwachen Glukokortikoide: Salben, Gels und Cremes mit Hydrokortison und Nasenspray mit Beclometasondipropionat in niedriger Dosierung und kleinen Verpackungsgrößen sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sie dürfen aber nur für kurze Zeit und nicht bei Kindern unter sechs Jahren angewendet werden.

Indikationen für Kortison

Kortison kann sowohl äußerlich (lokal) als auch innerlich (systemisch) angewendet werden. Die äußerliche Anwendung ist bei Entzündungen der Haut gegeben, wie sie bei Neurodermitis, Schuppenflechte oder Allergien mit Juckreiz auftreten.

Die systemische Behandlung mit Glukokortikoiden umfasst viele Krankheitsbereiche, da es bei fast allen entzündlichen Erkrankungen als Therapie infrage kommt. Hierzu zählen unter anderem:

Nebenwirkungen von Kortison

Bei richtiger Anwendung ist das Risiko von Nebenwirkungen gering. Die Nebenwirkungen von Kortison unterscheiden sich bei den verschiedenen Arten der Mittel. Bei der äußerlichen Anwendung können bei einer zu langen Anwendung als Nebenwirkungen Hautverdünnung (Pergamenthaut), Haarwurzelentzündungen, leichte Pigmentstörungen der Haut (weiße Flecken) und die Bildung von Dehnungsstreifen (Schwangerschaftsstreifen) auftreten.

Bei Kortisonspritzen sind Nebenwirkungen sehr selten, wenn ein Abstand von vier bis zwölf Wochen zwischen den Injektionen eingehalten wird. An der Einstichstelle kann es zu Schwellungen und Schmerzen kommen, außerdem kann die Haut dort etwas heller werden. Sehr selten können Gelenkinfektionen, Sehnenrisse (vor allem am Schultergelenk) und Nervenschäden auftreten, beispielsweise beim Karpaltunnelsyndrom.

Bei Kortisonsprays, die zum Inhalieren sind oder als Nasenspray verabreicht werden, kann das Kortison zu Husten und Heiserkeit führen. Bei immungeschwächten Menschen kann als Nebenwirkung eine Pilzinfektion im Mund auftreten. Um diese Nebenwirkung zu vermeiden, wir empfohlen, den Mund nach Verwendung von Kortison-Inhalationen gründlich auszuspülen, etwas zu trinken oder die Zähne zu putzen. In sehr seltenen Fällen können vor allem bei Kindern allergische Reaktionen im Mund und Gesicht auftreten.

Kortisontabletten werden vor allem bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen angewendet, die auf andere Behandlungen nicht (mehr) ansprechen. Bei einer kurzfristigen Behandlung bis maximal drei Wochen mit einer an die Beschwerden angepassten Dosis sind auch hier keine Nebenwirkungen durch das Kortison zu erwarten. Muss die systemische Behandlung mit Kortison jedoch häufiger oder längerfristiger stattfinden, steigt das Risiko.

Mögliche Nebenwirkungen von Kortison sind dann:

  • Gewichtszunahme

  • Cushing-Syndrom

  • Osteoporose

  • erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte, erhöhter Blutdruck

  • Schlafstörungen

  • emotionale Störungen wie leichte Reizbarkeit oder Depressionen

  • erhöhtes Thrombose- und Infektionsrisiko

  • Magengeschwüre

  • bei Kindern: vorübergehende Wachstumsstörungen

Nebenwirkungen bestmöglich vermeiden

Eine sichere Anwendung zur Vermeidung von Nebenwirkungen bedeutet, dass bei einer äußerlichen Anwendung die Menge des aufgetragenen Kortisons an die Empfindlichkeit und Dicke der Haut angepasst wird. Denn Kortison wirkt an dünnen, empfindlichen Hautstellen wie Ellbogen, an den Augen oder den Geschlechtsorganen stärker, sodass zur Behandlung schwache Präparate mit Hydrokortison oder mittelstarke ausreichen.

Glukokortikoide sind viele verschiedene Wirkstoffe, die nicht alle die genannten Nebenwirkungen auslösen. Es hängt außerdem von der Dosis, Dauer der Einnahme und weiteren Erkrankungen ab, ob Nebenwirkungen durch die Anwendung von Kortison auftreten. Viele Nebenwirkungen sind zudem nur vorübergehend. Während einer systemischen Therapie mit Kortison sollten der Blutdruck, Blutzucker und die Knochendichte regelmäßig kontrolliert werden.

Das Risiko für Magengeschwüre durch Kortison kann gesenkt werden, indem beispielsweise ein zusätzlicher Magenschutz eingenommen wird. Um Osteoporose vorzubeugen, sollten mit dem Beginn der Glukokortikoid-Therapie medikamentöse Maßnahmen zur Vorbeugung ungünstiger Effekte auf die Knochenfestigkeit starten und bis ein Jahr über das Therapieende hinaus fortgeführt werden. Eine Möglichkeit, die schädliche Wirkung des Kortisons zu bremsen, ist die Gabe von Infusionen mit Bisphosphonaten, kombiniert mit Vitamin D und Kalzium. Eine weitere zugelassene Substanz ist Teriparatid, das den Knochenaufbau fördert und das sich der Patient täglich selbst unter die Haut spritzen muss. Eine weitere Alternative ist auch die Therapie mit Denosumab, welches zwei Mal im Jahr appliziert wird. Wichtig ist auch, dass die Medikation bis ein Jahr nach Ende der Glukokortikoid-Therapie fortgesetzt wird, da das Knochenbruchrisiko auch nach Absetzen noch erhöht ist.

Der erhöhten Infektanfälligkeit kann entgegen gewirkt werden, indem Abstand von erkrankten Menschen genommen wird und vor einer Impfung mit dem Arzt besprochen wird, ob diese zu dem Zeitpunkt der Kortison-Einnahme sinnvoll ist. Außerdem sollte vor dem Beginn einer Therapie mit Kortison mit dem Arzt besprochen werden, welche weiteren Medikamente eingenommen werden können, um Wechselwirkungen zu vermeiden.

Unabhängig davon, ob Kortison innerlich oder äußerlich angewendet wird, sollte direkte Sonne gemieden werden, da UV-Strahlen zu Hautirritationen führen können.

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