Darauf kommt es an

Puls messen: Fehler vermeiden und den Ruhepuls richtig ermitteln

Egal ob am Handgelenk, Hals, der Leiste oder dem Fußrücken – wer die richtige Technik beherrscht, kann seinen Ruhepuls innerhalb weniger Minuten herausfinden. Wie das geht und was es mit diesem Vitalwert auf sich hat, erfahren Sie hier.

sportliche Frau sieht auf Uhr
Um Ihren Puls zu ermitteln, benötigen Sie eine Stoppuhr oder eine Uhr mit Sekundenzeiger.
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Wenn unser Herz das Blut in den Körper pumpt, breitet sich dieses über die großen bis in die kleinsten Arterien aus. Allerdings läuft es nicht einfach durch, sondern übernimmt die pumpenden Bewegungen des Herzens. Diese deutlich spürbaren Druckwellen bilden den Puls, den man einfach und schnell messen kann.

Der Puls-Code: Was ein unregelmäßiges Pumpen verrät

Der Ruhepuls ist allerdings leicht beeinflussbar. Neben kontrollierbaren Faktoren wie Tageszeit oder Ernährung hängt der Wert vom Alter ab: Je älter jemand wird, desto niedriger ist der normale Puls. Säuglinge zum Beispiel erreichen einen Wert von 130 Druckwellen pro Minute, bei Kindergartenkindern liegt er dagegen nur noch bei 100.

Erwachsene haben in der Regel einen Ruhepuls zwischen 60 und 80. Eine Ausnahme bilden Sportler – aufgrund des trainierten Herzens ist deren Puls sehr niedrig und kann sogar auf 50 bis 30 sinken. Unsportliche Menschen und Frauen haben dagegen meist einen etwas höheren Puls.

Puls besonders gut messbar an Hand und Hals

Bevor Sie mit der Pulsmessung beginnen, sollten Sie sich eine Uhr mit Sekundenzeiger oder eine Stoppuhr zurechtlegen. Außerdem ist es wichtig, dass Sie unmittelbar zuvor mehrere Minuten entspannen. Messen Sie Ihren Ruhepuls am besten morgens nach dem Aufwachen und noch bevor Sie aufstehen. Denn dann gibt es fast keine Faktoren (beispielsweise Nahrungsmittel, Temperatur, Medikamente), die Ihre Pulswerte beeinflussen.

Der Puls von Arterien, die dicht unter der Haut verlaufen, ist besonders gut tastbar. Dazu zählen zum Beispiel die Speichenarterie (Arteria radialis) am Handgelenk sowie die Halsschlagader (Arteria carotis communis). Daneben liegen auch die Blutgefäße der Leiste (Arteria iliaca communis), Kniekehle (Arteria poplitea) und des Fußrückens (Arteria dorsalis pedis) dicht unter der Haut. Daher sind auch hier die Druckwellen gut spürbar.

Eine Minute lang Pulswellen mitzählen

Um den Ruhepuls zu messen, legen Sie zwei Finger entlang der Arterie auf die Haut. Haben Sie eine geeignete Stelle gefunden, dann zählen Sie eine Minute lang die eintreffenden Schläge. Diese Anzahl an Pulswellen pro Minute stellt die Pulsfrequenz dar und ist bei gesunden Menschen gleichbedeutend mit der Herzschlagfrequenz.

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Lifeline/Wochit

Wer nicht eine volle Minute lang mitzählen will, kann auch nur Bruchteile davon registrieren. Diese müssen dann aber entsprechend auf 60 Sekunden hochgerechnet werden. Wenn jemand beispielsweise nur 15 Sekunden mitzählt, muss er den Wert anschließend mit vier malnehmen. Allerdings wird das Ergebnis ungenauer, je kürzer man misst.

Puls am Hals auch bei schlechten Kreislaufverhältnissen tastbar

Falls Sie die Druckwellen des Pulses am Handgelenk nicht spüren, überprüfen Sie am besten, ob Ihre Finger auf der richtigen Handhälfte liegen: Die Arteria radialis verläuft auf der Seite der Hand, an der sich der Daumen befindet. Auf der Kleinfingerseite ist der Puls dagegen kaum oder gar überhaupt nicht mehr zu spüren.

Haben Sie Probleme, den Ruhepuls zu ertasten, ist die Messung am Hals besser, da die Pumpbewegungen auch bei schlechten Kreislaufverhältnissen spürbar sind. Dort finden Sie die Halsschlagadern in den Vertiefungen zu beiden Seiten des Kehlkopfes.

Puls: So messen Sie den Ruhepuls richtig

Sie sollten generell – bei allen Arterien – darauf achten, zu fühlen, aber nicht zu drücken. Denn mit zu viel Kraft können Sie das Blutgefäß versehentlich abquetschen – dann registrieren Sie gar keine Druckwellen mehr. Insbesondere am Hals kann ein zu starker Druck auf die Arterie Auswirkungen auf den Pulswert, im schlimmsten Fall aber sogar einen kurzzeitigen Herzstillstand zur Folge haben. Auch sollten Sie am Hals nicht auf beiden Seiten gleichzeitig die Finger auflegen. Denn: Selbst wenn Sie nur sanften Druck auf die Schlagader ausüben, kann das die Blutzufuhr zum Gehirn verringern, den Herzschlag stark verlangsamen und möglicherweise in einem Kollaps resultieren.

Vorsicht vor beliebten Fehlern

Wie Sie sehen, ist das Messen des Pulses eigentlich ganz einfach. Achten Sie jedoch darauf, keinen der folgenden Fehler zu machen:

  • mit dem Daumen messen: Der Daumen hat einen starken Eigenpuls – dadurch ist es möglich, die falschen Pumpbewegungen, nämlich die des Daumens, zu erfassen.
  • verschiedene Arterien messen: Wenn Sie Ihren Puls regelmäßig kontrollieren wollen, sollten Sie immer am gleichen Blutgefäß messen. Nur dann sind Ihre Werte vergleichbar.
  • beeinflussende Faktoren ignorieren: Wetter, Tageszeit, Infektionen, Medikamente, Stress, Koffein oder weitere Aspekte können den Ruhepuls verändern. Diesen Einfluss können Sie vermeiden, wenn Sie direkt morgens nach dem Aufwachen messen.

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Letzte Aktualisierung: 29. November 2017

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