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Lipoprotein (a)

Die wichtigsten Laborwerte für ein gesundes Herz verstehen

Lipoprotein(a), abgekürzt Lp(a), ist ein Fett-Eiweißkomplex, der hinsichtlich seiner chemischen Struktur mit dem LDL (= Low Density Lipoproteine), dem sogenannten "schlechten Cholesterin" verwandt ist und sogar zum größten Teil ein Bestandteil dieses Stoffes ist. Lipoprotein(a) kann bei bedenklichen Konzentrationen im Blut zur Entstehung von Blutgerinnseln führen und ist ein unabhängiger Risikofaktor für Arteriosklerose und seine Folgeerkrankungen.

Wirkungsweise

Lipoprotein(a) enthält ein besonderes Eiweißmolekül, das sogenannte Apolipoprotein A, das aus Bausteinen besteht, die auch im Eiweißmolekül Plasminogen vorkommen. Im Gegensatz zu Plasminogen, das eine wichtige Rolle bei der Auflösung von Blutgerinnseln spielt, fördert das Lp(a) die Blutgerinnung: Ablauf und Gerinnungsfaktoren, indem es sich bei einer Gefäßverletzung an der Wunde sammelt, sich an Fibrin bindet und zusammen mit den Blutplättchen (Thrombozyten) und LDL-Cholesterin die Wunde verschließt.

Normale und erhöhte Lipoprotein(a)-Werte im Blut 

Die Konzentration des Lipoprotein(a) im Blut, der sogenannte Lp(a)-Spiegel, bleibt bei jedem Menschen ein Leben nahezu konstant, da es in der Leber in fast immer der gleichen Menge produziert wird. Wie viel Lipoprotein(a) in der Leber jedes Menschen gebildet wird, ist genetisch (erblich) festgelegt und damit individuell verschieden.

Die Lipoprotein(a)-Konzentration im Blutserum wird wie die Cholesterin- und Triglyceridwerte in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) angegeben. Lp(a)-Konzentrationen, die unter 30 mg pro Deziliter Blutserum liegen, werden von den Fachärzten als Normwerte eingestuft. Lp(a)-Konzentrationen über 30 mg/dl gelten als bedenklich.

Da der Lp(a)-Spiegel im Blut bei Männern kontinuierlich mit zunehmendem Lebensalter unwesentlich ansteigt, braucht bei ihnen nur einmal dieser Blutfettwert bestimmt werden. Bei Frauen hingegen sollte die Lipoprotein(a)-Konzentration vor und nach der Menopause bestimmt werden, da der Lipoprotein(a)-Spiegel in der Menopause bedeutend ansteigt.

Therapie bedenklicher Lipoprotein(a)-Werte im Blut

Da der Lipoprotein(a)-Spiegel erblich bedingt ist, lassen sich bedenkliche Lp(a)-Konzentrationen bisher nicht durch eine medikamentöse Therapie mit den verfügbaren Lipidsenkern herabsetzen.

Bedenkliche Cholesterin- und Triglyzeridwerte, können durch eine gesunde Lebensweise erniedrigt oder sogar in den Normbereich gebracht werden. Entgegen der bisherigen Meinung, dass bedenkliche Lp(a)-Spiegel nicht durch eine Änderung der Lebensweise oder durch Medikamente gesenkt werden können, haben sich aufgrund neuerer wissenschaftlicher Studien jetzt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten ergeben:

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Dr. Heart / Expertenteam



Bedenkliche Werte und Gefahr

Eine eigenständige Gefahr stellen bedenkliche Lipoprotein(a)-Konzentrationen bei einer Arteriosklerose mt ihren Folgeerkrankungen "Koronare Herzkrankheit", "Herzinfarkt" und "Schlaganfall" dar.

Lipoprotein(a)-Werte, die im Normbereich liegen, begünstigen nach Ansicht der amerikanischen Physiologen Michael S. Brown und Joseph L. Goldstein, die Wundheilung. Den beiden Wissenschaftlern wurde 1985 für ihre Forschungen zum Cholesterinstoffwechsel der Nobelpreis verliehen.

Emboliegefahr durch winzige Blutgerinnsel (Mikrothromben) 

In den Blutgefäßen entstehen immer wieder winzige Blutgerinnsel, sogenannte Mikrothromben, die sich an den inneren Blutgefäßwänden ablagern. Dabei fördern Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung die Entstehung solcher Mikrothromben. Sie können bis zu einem gewissen Grad durch einen Fibrinolyse unschädlich gemacht werden.

Bedenkliche Lp(a)-Spiegel hemmen hingegen diesen Schutzmechanismus, indem sie verhindern, dass sich aus dem Plasminogen das gerinnselauflösende Plasmin bildet und dadurch die Mikrothromben nicht aufgelöst werden können. Reißen sich diese von der inneren Gefäßwand los und werden mit dem Blutstrom verschleppt, kommt es zur Embolie.

Risikofaktor für die Entstehung und Fortschreiten einer Arteriosklerose und einer koronaren Herzerkrankung

Im Laufe der Zeit können die Arterienwände durch fettreiceh Einlagerungen in der innersten Wandschicht verhärten. Die Entstehung und das Fortschreiten einer Arteriosklerose wird durch bestimmte Risikofaktoren, z. B. durch eine ungesunde Ernährungsweise, begünstigt. Das Lipprotein(a) ist im Rahmen dieses Geschehens ein eigenständiger Risikofaktor: Bei hohen Lp(a)-Spiegeln werden die Mikrogerinnsel durch den körpereigenen Schutzmechanismus nicht abgebaut, sondern heften sich an diese arteriosklerotischen Wandveränderungen an. Gerade bei einer Arteriosklerose der Gehirngefäße droht ein  Schlaganfall.

Bei hohen LDL-Cholesterinspiegeln im Blut verhalten sich bedenkliche Lp(a)-Werte additiv. Dies bedeutet, dass sie zusätzlich das ohnehin bei bedenklichen LDL-Werten bestehende Risiko für eine  Koronare Herzkrankheit erhöhen. Das Folgerisiko einer manifesten, das heißt offensichtlichen, koronaren Herzkrankheit, ist ein Herzinfarkt: Schnelles Handeln ist überlebenswichtig

Lipoprotein(a)-Werte im Blut: Risikoabschätzung für Herz-Kreislauferkrankungen

  • Erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko

    Die Fachärzte schätzen das Herz-Kreislaufrisiko für einen Patienten als erhöht ein, wenn das LDL-Cholesterin unauffällig ist und der Lp(a)-Spiegel hoch ist.

  • Geringes Herz-Kreislaufrisiko

    Das Herz-Kreislaufrisiko für einen Patienten wird als gering beurteilt, wenn die LDL-Werte grenzwertig bis erhöht sind, der Lp(a)-Spiegel aber im Normbereich liegt.

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