Schmerzen

Akute oder chronische Scherzen können ein Symptom für Erkrankungen des Herzens und der Gefäße sein

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Schmerzen können die unterschiedlichsten Ursachen haben.
Getty Images/BananaStock RF

Schmerzen sind nach Definition der Internationalen Vereinigung zum Studium des Schmerzes (IASP) "unangenehme Sinnes- und Gefühlserlebnisse". Schmerz ist nicht einheitlich messbar, er ist ein subjektives Gefühl, das über die Schmerzsensoren vermittelt wird. Über diese Nerven wird das Schmerzgefühl an das Zentrale Nervensystem (ZNS) weiter vermittelt.

Zunächst unterscheidet man zwischen akuten und chronischen Schmerzen. Akute Schmerzen sind Symptome von Krankheiten oder Verletzungen. Die Hand, die versehentlich die heiße Herdplatte berührt, schmerzt — hier ist Schmerz ein Warnzeichen. Durch Schmerzen entdecken die meisten Menschen überhaupt erst, dass sie krank sind. Deshalb sind Schmerzen eigentlich eine wichtige Einrichtung der Natur. Dies gilt vor allem für akute Schmerzen.

Manchmal können Schmerzen aber auch zur dauerhaften Belastung werden: Chronische Schmerzen können die Lebensqualität des Betroffenen stark einschränken. Eine allgemeine Beschreibung für Schmerzen zu finden, ist schwierig — sie werden von jedem Menschen anders empfunden und sind abhängig von der jeweiligen Ursache.

Wie entstehen Schmerzen und welche Ursachen haben sie?

Im Körper befinden sich überall Schmerzsensoren. Sie sitzen sowohl in der Haut, als auch in Organen, Knochen, Gelenken und Muskeln. Wird das Körpergewebe in irgendeiner Form beschädigt, nehmen die Schmerzsensoren diesen Reiz auf und leiten ihn über Nerven weiter ins Rückenmark und von dort zum Gehirn. Dort werden Verletzungsart und -ort wahrgenommen und der akute Schmerz setzt an der betroffenen Stelle ein.

Der akute Schmerz ist somit eine direkte oder indirekte Reaktion auf ein Ereignis oder eine andere Störung, zum Beispiel der Schmerz bei einer zahnärztlichen Behandlung oder Kopf- und Gliederschmerzen im Rahmen einer Virusinfektion.

Chronische Schmerzen bestehen in Intervallen oder ununterbrochen seit mindestens sechs Monaten. Sie sind nicht immer auf ein bestimmtes Ereignis zurückzuführen. Es ist auch möglich, dass sich keine Ursache für chronische Schmerzen finden lässt.

Ursachen von akuten Schmerzen

Der akute Schmerz ist ein wichtiges Warnsignal des Körpers. Durch Schmerzen teilt der Körper mit, dass etwas nicht stimmt. Die Gründe für das Auftreten von akuten Schmerzen sind Entzündungen, Verletzungen und Krankheiten. Nach Therapie der Ursache verschwinden die Schmerzen in der Regel auch wieder.

Ursachen von chronischen Schmerzen

Bei chronischen Schmerzen ist der Schmerz nicht mehr nur ein Warnsignal für eine bestimmte Störung, vielmehr hat er sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt. Chronische Schmerzen treten häufig bei chronischen Krankheitsbildern wie Migräne, entzündlich-rheumatischen oder nichtentzündlich weichteilrheumatischen Krankheiten, beispielsweise bei Rückenschmerzen, auf. Es ist auch möglich, dass sich keine Ursache für chronische Schmerzen finden lässt.

Wie äußern sich Schmerzen?

Schmerzen zeigen sich auf unterschiedliche Art. Sie treten als Brennen, Stechen, Ziehen, Hämmern (der "klopfende" Schmerz, z.B. bei Kopfschmerzen) oder Drücken auf und können variieren. Zudem ist das Schmerzempfinden sehr subjektiv.

Akute Schmerzen kommen plötzlich und sind immer eine Reaktion auf eine bestimmte Störung im Körper. Sie verschwinden in der Regel wieder, wenn die schmerzverursachende Störung erfolgreich behandelt wurde.

Psychische Belastung durch chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen bestehen über einen längeren Zeitraum. Sie belasten nicht nur den Körper, sondern wirken sich auch auf das seelische Wohlbefinden aus. Häufig werden chronische Schmerzen von Stimmungsschwankungen und Depressionen begleitet: Die dauerhafte Belastung ist einfach zu groß. Häufig kommt es dabei auch zu einer stärkeren Schmerzwahrnehmung — der Schmerz wird psychosomatisch.

Nächste Seite: Über die Diagnose von Schmerzen und deren Therapie

 

Wie werden Schmerzen diagnostiziert?

Um den Auslöser der Schmerzen zu finden, wird zunächst die Krankheitsgeschichte mit dem Arzt besprochen (Anamnese). Anschließend wird eine ausführliche körperliche Untersuchung durchgeführt.

Schmerzen sind ein subjektives Empfinden und daher nicht messbar. Bei der Diagnose geht es deshalb vor allem darum, dem Arzt durch Beschreibungen ein möglichst genaues Bild der Schmerzen zu skizzieren. Folgende Fragen sind dabei besonders wichtig:

  • Wann und wo treten die Schmerzen auf?
  • Wie stark sind die Schmerzen und in welcher Form zeigen sie sich?
  • Wie häufig treten die Schmerzen auf?

Diese Fragen sind nicht nur für die Diagnose wichtig, sie sind auch die Basis für die Art der Behandlung. So lassen sich zum Beispiel Schmerzmittel umso gezielter einsetzen, je genauer die oben genannten Fragen beantwortet wurden.

Behandlung von Schmerzen: Schmerztherapie und Schmerzbewältigung

Grundsätzlich unterscheidet man Schmerztherapie und Schmerzbewältigung. Die Schmerztherapie beinhaltet die Behandlung der Schmerzursache sowie die Linderung des Schmerzes.

Schmerztherapie

Ist der Grund für die Schmerzen bekannt, steht die Beseitigung dieses Auslösers im Mittelpunkt der Therapie. Diese Herangehensweise betrifft vor allem akute Schmerzen. Außerdem gibt es verschiedene Therapieansätze, um die Schmerzen direkt zu lindern. Sie kommen auch bei chronischen Schmerzen zur Anwendung.

Medikamente zur Schmerzlinderung

Eine Reihe frei verkäuflicher und verschreibungspflichtiger Medikamente vermindern Schmerzen. Je nach Wirkstoff hemmen sie entweder die Schmerzweiterleitung oder -entstehung. Einige wirken gleichzeitig entzündungshemmend und verhindern, dass die Schmerzempfindlichkeit erhöht wird. Diese Medikamente werden unter der Bezeichnung "nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID)" zusammengefasst.

Frei verkäufliche Schmerzmittel eignen sich nicht zum Dauergebrauch und können Nebenwirkungen verursachen. Häufige Begleiterscheinungen sind Magen-Darm-Störungen, Blutbildveränderungen, allergische Reaktionen und Leberschäden. Es ist ratsam, die längerfristige Einnahme von Schmerzmitteln immer mit dem Arzt abzusprechen.

Verschreibungspflichtige Schmerzmittel wirken stärker und länger. Auch hier wirken einige Wirkstoffe gleichzeitig entzündungshemmend; häufig werden zusätzlich Opioide angewendet. Sie wirken vor allem im Gehirn. Deshalb können sie das Bewusstsein beeinträchtigen. Auch verschreibungspflichtige Schmerzmittel haben eine Reihe von möglichen Nebenwirkungen:

  • Allergische Reaktionen
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Blutdruckabfall
  • Magen- oder Darmgeschwüre
  • Leberstörungen
  • Atemwegsverkrampfungen
  • Psychische Beschwerden
  • Blutbildveränderungen

Es ist empfehlenswert, sich genau an die vom Arzt vorgeschriebenen Einnahmeintervalle zu halten und die Dosis nicht eigenmächtig zu erhöhen. Opioide können abhängig machen. Außerdem tritt schnell ein Gewöhnungseffekt ein: Zur Schmerzlinderung wird eine immer höhere Dosis benötigt.

Nichtmedikamentöse Behandlung

Passive und aktive Verfahren eignen sich ebenfalls zur Schmerzlinderung. Zu den bekanntesten Maßnahmen gehören:

Welche Therapie sich eignet, ist sehr unterschiedlich. Oftmals werden verschiedene Anwendungen miteinander kombiniert.

Schmerzbewältigung

Insbesondere, wenn der Schmerz sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt hat, ist der persönliche Umgang ganz entscheidend für den Verlauf und die Lebensqualität. Dabei helfen Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training und der Besuch einer Psychotherapie oder Selbsthilfegruppe.

Um einer Chronifizierung des Schmerzes vorzubeugen, ist der bewusste Umgang mit dem Schmerz wichtig: Sich dem Schmerz zu "ergeben", bedeutet einen Rückgang an Lebensfreude. Ohne äußere Ablenkung besteht außerdem die Gefahr, sich zu sehr auf Schmerzen zu konzentrieren und sie verstärkt wahrzunehmen. Ein Schmerztagebuch hilft dabei, den Schmerz mit einem gewissen Abstand zu betrachten und ihn objektiver und realistischer einzuschätzen.

Welchen Verlauf haben Schmerzen?

Die Prognose bei Schmerzen ist immer abhängig vom Auslöser und der Schmerzart. Akute Schmerzen verschwinden normalerweise schnell wieder. Chronische Schmerzen können zu einer großen Belastung werden. Deshalb ist ein frühzeitiger Behandlungsbeginn bei chronischen Schmerzen wichtig. Die Gefahr von Komplikationen wird vermindert und einer Verschlimmerung kann häufig ebenfalls entgegengewirkt werden.

Chronische Schmerzen: Wie kann man ihnen vorbeugen?

Häufig ist die Ursache chronischer Schmerzen nicht eindeutig geklärt. Bei akuten Schmerzen sollten frühzeitig nach der Ursache geforscht und entgegengewirkt werden, um eine Chronifizierung zu vermeiden.

Generell empfiehlt sich eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und körperlicher Bewegung. Um Verspannungen und übermäßigem Stress vorzubeugen, ist es ratsam, auf genügend Ausgleich zu achten. Auch Entspannungstechniken sind bei der Bewältigung von Stress und Unruhe sinnvoll.

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 13. August 2013
Durch: Lifeline
Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinie für die Begutachtung von Schmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/102 (Stand: März 2007) Online-Informationen des Deutschen Grünen Kreuz: www.dgk.de (Stand: September 2008) Sattler, W.: Wege aus der Schmerzkrankheit. Kneipp-Verlag, Bad Wörishofen 2004 Verbraucher-Zentrale NRW (Hrsg.): Chronische Schmerzen. Therapieangebote, Wirksamkeit, Behandlungsqualität. Düsseldorf 2004

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