Kammerflimmern

Kammerflimmern ist ein absoluter Notfall, schnelle Hilfe entscheidet über Leben und Tod

Plötzlicher Herztod (Plötzliches Herzversagen, Herzschlag)
Da Kammerflimmern ein absoluter Notfall ist, muss so schnell wie möglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden.
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Kammerflimmern ist eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung (Ventricular fibrillation, kurz V.fib) mit Kreislaufstillstand. Es handelt sich dabei um eine unkoordinierte Serie von sehr schnellen, aber nutzlosen Kontraktionen des Herzmuskels, die durch ein Chaos von elektrischen Impulsen ausgelöst wird.

Beim Kammerflimmern liegt die Herzfrequenz bei über 300 Schlägen pro Minute. Es schlägt so schnell, dass es überhaupt kein Blut mehr durch den Körper pumpen kann. Da ohne Behandlung das Kammerflimmern innerhalb weniger Minuten zum Tod führt, sterben in Deutschland jährlich fast 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod, der mit Kammerflimmern einhergeht.

Was passiert beim Kammerflimmern?

Kammerflimmern kann durch eine unzureichende Blutversorgung des Herzmuskels entstehen. Das Herz erhält zu wenig Sauerstoff, während sich Kohlendioxid (CO2) weiter anreichert und zu einem Sinken des pH-Wertes führt (Übersäuerung). Dadurch verändert sich die Leitfähigkeit der Herzmuskelzelle und der Stromimpuls, der zum Zusammenziehen der Zelle führt, wird nur verzögert weitergegeben. Das bringt die Reizleitung zum stolpern und die Zellen beginnen sich gegenseitig zu erregen.

Kammerflimmern
Das Kammerflimmern wird ausgelöst durch ein Chaos von elektrischen Impulsen
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Stellen Sie sich den Herzmuskel als einen Chor von Sängern vor. Der Dirigent ist der Sinusknoten im rechten Vorhof des Herzens. Er gibt das Zeichen zum Einsatz aller "Sänger", also sendet den Startimpuls für die Kontraktion. Kommt eine der Zellen aus dem Takt und sorgt für die "schrägen Zwischentöne", bringt das den gesamten Chor, also das Herz als funktionelle Einheit, durcheinander. Die Herzdruckmassage rettet jetzt Zeit am flimmernden Herzen, denn sie ist wie ein lauter Sänger in der Bass-Stimme: Der mechanische Druck auf den Brustkorb quetscht das Herz zusammen und pumpt das Blut wieder in den Körper. Wird die Herzmassage unterbrochen, krampfen die Zellen wieder unkontrolliert weiter. Nur ein Paukenschlag kann den Chor zum verstummen bringen. Am Herz wird dafür der Wirkstoff Amiodaron verwendet, der eine Herzstillstand (Asystolie) von bis zu 30 Sekunden verursacht. Am "stummen" Herzen gibt dann der Sinusknoten wieder den Takt vor und das Herz kann in einem normalen Rhythmus schlagen. Alternativ zum Medikament kommt ein sehr kurzer Stromstoß als therapeutische Maßnahme in Frage. Die möglichst frühe Defibrillation - so nennt es der Mediziner, wenn er Strom durch den Brustkorb und das Herz leitet - sorgt ebenfalls für einen kurzzeitigen Herzstillstand, nach dem es aber von selbst wieder anspringt und voll funktionsfähig weiterschlagen kann.

Ursachen von Kammerflimmern

Die häufigste Ursache für Kammerflimmern ist die Koronare Herzkrankheit (KHK). Rund 80 Prozent der Betroffenen leiden darunter. Der Verschluss eines Herkranzgefäßeses (akuter Herzinfarktfarkt) oder ein Kreislaufschock können ebenfalls die Ursache für Kammerflimmern sein. Ein Kreislaufschock kann durch Stromschlag, Ertrinken, einen sehr niedrigen Kaliumspiegel im Blut (Hypokalämie) und Medikamente, welche die Erregungsleitung des Herzens beeinflussen (Natrium- und Kaliumantagonisten), ausgelöst werden.

Symptome bei Kammerflimmern

Kammerflimmern führt innerhalb von wenigen Sekunden zur Bewusstlosigkeit und ist ein absoluter Notfall. Erfolgt keine sofortige Behandlung, treten bei dem Betroffenen Krämpfe auf und es kommt nach fünf Minuten zu nicht rückgängig zu machenden Hirnschädigungen durch den Sauerstoffmangel im Hirn. Ohne Behandlung tritt kurz danach der Tod ein. Bei einem Herzstillstand bricht die betroffene Person plötzlich zusammen, wird bleich und hat stark geweitete Pupillen. Außerdem lässt sich kein Puls und Blutdruck mehr feststellen.

Diagnose von Kammerflimmern: Elektrokardiogramm

Kammerflimmern als Ursache eines Herzstillstands wird mittels eines Elektrokardiogramms (EKG) festgestellt. Beim Kammerflimmern sehen die Linien des EKG ungeordnet. Der Notarzt wird außerdem Augenzeugen befragen und bei erfolgreicher Wiederbelebung die Grunderkrankung klären.

 

Therapie bei Kammerflimmern: Reanimation und Defibrillator

Da Kammerflimmern ein absoluter Notfall ist, muss so schnell wie möglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation) begonnen werden. Dabei zählt jede Sekunde. Kurz darauf sollte mit einer Defibrillation (Elektroschocks auf die Brust) begonnen werden, um die normale elektrische Erregungsleitung des Herzens wieder zu aktivieren. Anschließend können vom Arzt Antiarrhythmika gegeben werden, um den Herzrhythmus zu stabilisieren.

Verlauf bei Kammerflimmern

Wird das Kammerflimmern nicht sofort behandelt, endet es tödlich. Menschen, die Kammerflimmern durch Reanimation überlebt haben, haben ein hohes Risiko für einen weiteren Anfall. Da jedoch inzwischen auch an vielen öffentlichen Plätzen, wie beispielsweise an Bahnhöfen, halbautomatische Defibrillatoren verfügbar sind, kann die Zeit bis zur Behandlung deutlich verkürzt werden. Dadurch erhöhen sich die Überlebenschancen um ein Vielfaches. Bei einer normalen Reanimierung und Defibrillation durch den Rettungsdienst liegen die Überlebenschancen bei acht bis zehn Prozent, bei Einsatz der halbautomatischen Defibrillatoren erhöhen sie sich auf bis zu 50 Prozent.

Wenn nach dem Kammerflimmern eine Diagnose wie KHK gestellt wird, wird diese im Anschluss behandelt. Um Rückfällen vorzubeugen, werden zudem Medikamente verordnet oder ein automatischer implantierbarer Cardioverter Defibrillator (ICD) operativ eingesetzt. Er überwacht die Herztätigkeit und stoppt Kammerflimmern im Ansatz mit einem Stromstoß. Modernste Geräte sind sogar in der Lage, eine irreguläre Beschleunigung der Herzfrequenz durch Schrittmacherimpulse unter Kontrolle zu bringen, bevor es zum Kammerflimmern kommt und ein Stromstoß erforderlich wird.

Vorbeugen vor Kammerflimmern

Dem Kammerflimmern kann nicht direkt vorgebeugt werden, jedoch gelten die Maßnahmen zur Vorbeugung wie bei der Koronaren Herzkrankheit . Sinnvoll ist in jedem Fall die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung ab dem 35. Lebensjahr.

So reanimieren Sie richtig

Die Bildergalerie gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit einen Herzstillstand sofort erkennen und mit der Wiederbelebung beginnen können. Nur so retten Sie einen Menschen vor dem plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern.

Reanimation (Wiederbelebung)

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. März 2014
Quellen: Hossmann, V., Beyer, D., Horsch, S., Roth, F.J.: Gesunde Gefäße ? Prävention und Heilung von Gefäßerkrankungen. HONOS Verlag, Köln 2005 Beers, M.H. (Hrsg.): MSD Manual. Handbuch Gesundheit. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2005 Robert Koch Institut RKI (Hrsg.).: Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Koronare Herzkrankheiten und akuter Myokardinfarkt. Heft 33. RKI, Berlin 2006 Online-Information der Universitätsklinik Köln: http://www.medizin.uni-koeln.de/kliniken/hutc/patinfo/aicd.shtml (Stand Januar: 2008)

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