Blutgerinnungszeit
Das Blut zirkuliert im Körper und versorgt alle Organe und Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen dafür ist es in einem flüssigen Zustand. Bei Verletzungen des Gefäßsystems hingegen muss es gerinnen (also fest werden oder stocken), um den Blutaustritt möglichst schnell zu stoppen. Das Gerinnungssystem schützt den Körper somit vor starken Blutverlusten. Wenn das Gerinnungssystem hingegen nicht angemessen reagiert, können Blutgerinnsel (Thrombosen) entstehen sie sind der Auslöser von Herzinfarkten und Schlaganfällen.
Die Blutgerinnung kann aus verschiedenen Gründen gestört sein, zum Beispiel durch Medikamenteneinnahme oder angeborene Erkrankungen. Um solche Störungen festzustellen, werden die Gerinnungsparameter mithilfe verschiedener Gerinnungsuntersuchungen bestimmt. Außerdem dienen diese der Therapiekontrolle bei Gerinnungsstörungen.
Gerinnungsuntersuchungen
Blutungszeit
Die Blutungszeit wird standardmäßig bei der Gerinnungsuntersuchung bestimmt, indem mit einer kurzen Lanzette in die Fingerspitze gepiekst und die Zeit gemessen wird, bis kein Blut mehr aus der Einstichstelle austritt. Bei einem gesunden Menschen dauert die Blutungszeit etwa zwei bis fünf Minuten.
Eine verlängerte Blutungszeit kann durch einen Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie), das Von-Willebrand-Syndrom oder eine Harnvergiftung des Bluts (Urämie) verursacht werden. Außerdem kann die Einnahme verschiedener Medikamente eine verlängerte Blutungszeit hervorrufen. Bei einer deutlichen Verlängerung der Blutungszeit (länger als zehn Minuten) sollte umgehend die Ursache gefunden werden.
Quick-Test, Thomboplastinzeit (TPZ) und INR
Mittels eines Quick-Tests wird die Thromboplastinzeit (TPZ) die Geschwindigkeit, mit der das Blut gerinnt gemessen. Zur TPZ-Bestimmung verwenden die Labore verschiedene Verfahren, daher sind die Ergebnisse nur schwer miteinander zu vergleichen. Um dieses Problem zu umgehen, wurde die International Normalized Ratio (INR) als Messwert eingeführt. Diese ist eine Folgenormung der Ergebnisse des Quick-Tests, so sind die Messergebnisse unabhängig vom Bestimmungsverfahren. Die Labore geben meist sowohl den Quick-Wert als auch den INR-Wert an.
Der INR-Normwert beträgt 1,0; der normale Quick-Wert liegt zwischen 70 und 100 Prozent.
Ein zu hoher INR-Wert kann durch einen Mangel an Vitamin K entstehen. Bei der Therapie einer Gerinnungsstörung mit den Gerinnungshemmern Vitamin-K-Antagonisten ist eine regelmäßige Kontrolle des INR-Werts erforderlich.
Partielle Thromboplastinzeit (PTT)
Mit der partiellen Thromboplastinzeit (PTT) wird ein bestimmter Teil der Blutgerinnung die endogene Blutgerinnung bestimmt. Bei der Therapie einer Gerinnungsstörung mit Heparin dient die PTT zur Kontrolle. Zusätzlich kann durch dieses Bestimmungsverfahren eine Hämophilie A und B (Bluterkrankheit) überwacht werden. Die PTT beträgt normalerweise zwischen 28 und 30 Sekunden.
Schwere Lebererkrankungen oder -schäden, Hämophilie A und B, Verbrauchskoagulopathie sowie bestimmte Medikamente (wie Heparin) können den PTT-Wert erhöhen.
Antithrombin III (AT III)
Antithrombin III ist ein Protein im Blutplasma und ein körpereigener Gerinnungshemmer. Dauerhaft erniedrigte AT-III-Werte können zu einer Thrombose oder Embolie führen. Die zu niedrigen Werte können durch eine Verbrauchskoagulopathie, Lebererkrankungen oder durch das Nephrotische Syndrom entstehen. Außerdem können verschiedene Medikamente (wie Heparin oder die Anti-Baby-Pille) oder ein angeborener Mangel für den niedrigen AT-III-Wert verantwortlich sein. Ein dauerhaft erhöhter Wert kann zu einer Hemmung der Blutgerinnung führen. Ein zu hoher AT-III-Wert kann durch einen Galleaufstau (Cholestase) oder Vitamin-K-Mangel sowie durch Therapie mit Vitamin-K-Hemmern verursacht werden. Der Normwert liegt zwischen 75 und 120 Prozent.
Fibrinspaltprodukte (D-Dimere)
D-Dimere sind Spaltprodukte des Proteins Fibrins, welches am Ende des Gerinnungsvorgangs ein Netz bildet, aus dem das Blutgerinnsel letztendlich aufgebaut ist. Die D-Dimere werden zur Diagnose oder zum Ausschluss einer Thrombose oder Thromboembolie untersucht. Des Weiteren kann ein erhöhter D-Dimer-Wert durch andere Erkrankungen (wie Tumoren oder eine Verbrauchskoagulopathie) oder Medikamenten-Einnahme ausgelöst werden. Der Normwert liegt unter 500.
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Quellen:
F.A. Brockhaus (Hrsg.).: Der Brockhaus Gesundheit. F.A. Brockhaus, Leipzig 2006
Greten, Heiner: Innere Medizin. Thieme. Stuttgart. 2002
Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2006
Autor: Theresa Nikley
Letzte Änderung am: 15.01.2009


